«Die Thur war ein Tümpel»

Die Weinfelder Fischer fordern ein Umdenken bei der Restwasserbestimmung in der Thur. Der Fluss sei oft nur ein Rinnsal, da zu viel Wasser für die Kraftwerke abgezweigt werde.

Mario Testa
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Eine der vielen toten Barben in der Thur bei Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Eine der vielen toten Barben in der Thur bei Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

WEINFELDEN. Die Fischer in Weinfelden sind verärgert. «Es gibt Phasen, da ist die Thur nach dem grossen Wehr nur noch ein Rinnsal», sagt Manfred Kalbitz vom Fischerverein Weinfelden. An schönen Tagen fliesse im Herbst nur wenig Wasser, aber besonders prekär sei die Situation im Sommer gewesen. «Die Thur war ein Tümpel, kein Fluss mehr. Das Wasser stand nahezu im Flussbett und erwärmte sich so stark, dass viele Fische gestorben sind. Auf Dauer überlebt kein Fisch bei über 25 Grad Wassertemperatur.» So kam es, dass Ende August Hunderte tote Barben und Tausende tote Jungfische, sogenannte Nadeln, in der Thur trieben.

Wasser wird abgezweigt

«Wir fordern, dass die Restwassermengen überdacht oder zumindest durchgesetzt werden», sagt Kalbitz. Ansonsten biete sich wohl auch in den kommenden Jahren dasselbe Bild. Das Problem in Weinfelden ergibt sich, da der grösste Teil des Flusswassers durch einen Kanal zur Industrie umgeleitet wird, wo die Wassermassen drei Stromgeneratoren antreiben. «Mindestens zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde bleiben aber zu jeder Zeit im Flussbett», sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft beim kantonalen Amt für Umwelt. «Dieser Wert wurde bei der Vergabe der Konzession an die Nutzer des Kanals festgelegt und der Durchlauf beim Wehr entsprechend dimensioniert.»

Die Frage der Kontrolle

Beim Fischereiverein löst diese Aussage Kopfschütteln aus. «Das waren nie und nimmer zwei Kubikmeter diesen Sommer», sagt Kalbitz. Seine Beobachtungen untermauert er mit einer Überschlagsrechnung – und sein Ergebnis: Im August habe die Restwassermenge höchstens einen Kubikmeter pro Sekunde betragen. «Das Problem ist: Genau messen können wir das nicht», sagt Kalbitz. Der Kanton sagt – mit Verweis auf die Konzession: «Wir messen die Wassermengen nur in Halden und Eschikofen, dort zweigen keine Kanäle ab. In Weinfelden gibt es keine Messstation.» Und weiter sagt Baumann: «Wir reagieren dann, wenn Meldungen eingehen, dass Tiere eingehen.»

Dieses Jahr gingen viele Fische ein, und der Fischerverein wandte sich an den kantonalen Fischereiaufseher Markus Grünenfelder. «Ich habe mir die Situation dann angeschaut. Die Fische sind an der Fleckenseuche gestorben, nicht wegen Erstickung im warmen Wasser.» Daher habe der Kanton nichts unternommen. Grünenfelder sagt aber, auch aus seiner Sicht fliesse nach dem Wehr eher zu wenig Wasser. «Unabhängig davon, ob es nun zwei Kubik sind oder nicht.»

Weniger Strom

Die Situation für die Fische verbessern könnte also vor allem der Nutzer des Kanals, indem er mehr Wasser im Fluss belässt. Die Thurkraftwerk AG hat die Konzession für die Wassernutzung. Kaspar Böhi verwaltet die drei Kraftwerke «Mühle», «Model» und «Widen» im Kanal. «Ich hatte keine Meldung von den Fischern, dass die Fische sterben», sagt Böhi. «Wäre dem so gewesen, hätten wir etwas machen können und wenigstens zeitweise mehr Wasser den Fluss hinuntergelassen.»

Dass aber auch die Kraftwerke die Trockenheit zu spüren bekamen, beweist die Stromausbeute. «Im August lieferten die drei Kraftwerke nur 164 Megawattstunden Strom, das ist ein Achtel des maximal Möglichen», sagt Böhi.

Pläne für die Zukunft

Hoffnung für die Fische in der Thur bringt ein Blick in die Zukunft. Böhi plant, auch das Wehr in Weinfelden selber zu einem Kraftwerk auszubauen. «Planung, Bewilligung und Bau werden noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen», sagt Böhi. Aber wenn die Turbine eingebaut ist, bleibt auf alle Fälle viel mehr Wasser im Flussbett, und es wäre dank der Strömung auch kühler.»

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