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Die Suche nach Fussball-Schiedsrichtern wird immer schwieriger

Der FC Wil hat keine eigenen Schiedsrichter. Damit trotzdem alle Teams am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen können, kauft er sich beim Verband ein. Ein Einzelfall ist das nicht. Es gibt aber auch Ausnahmen.
Tim Frei
Schiedsrichter Sascha Büsch während der 3.-Liga-Partie St. Otmar gegen Gossau II.(Bild: Michel Canonica )

Schiedsrichter Sascha Büsch während der 3.-Liga-Partie St. Otmar gegen Gossau II.(Bild: Michel Canonica )

Das Problem beschäftigt viele Vereine weiterhin stark: Es gibt zu wenig Schiedsrichter. Das kann Folgen haben – die Anzahl Spielleiter bestimmt, wie viele Teams eines Clubs am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen dürfen. Pro Schiedsrichter dürfen zwei Teams des 11er-Fussballs angemeldet werden (siehe Infobox unten).

Für Ostschweizer Vereine, die nicht genügend Refs stellen, gibt es aber einen Ausweg: Sie können sich beim Ostschweizer Fussballverband (OFV) einkaufen. Pro fehlenden Schiedsrichter ist eine halbjährliche Gebühr von 2000 Franken fällig.

Flawil nicht mehr bereit, sich einzukaufen

Der 3.-Liga-Verein Flawil machte in den vergangenen zwei Saisons von dieser Möglichkeit Gebrauch. Doch nun ist der Vorstand nicht mehr bereit, dafür Geld auszugeben. Dies teilte Präsident Roland Büeler an der Hauptversammlung Mitte August mit.

Der Club hatte das Schiedsrichterkontingent für die vergangenen zwei Spielzeiten zwar erreicht. «Aufgrund von Verletzungen kamen aber nicht alle Schiedsrichter auf die erforderliche Anzahl Pflichtspiele. Deshalb kauften wir uns ein», sagt Schiedsrichter-Funktionär Marco Rössler. Auf diese Saison haben zwei Refs den Verein verlassen – einer wegen einer Ausbildung, der andere aufgrund gesundheitlicher Probleme. Damit stellt der Verein derzeit mit fünf genau genug Schiedsrichter.

Problem reicht bis in die Challenge League

Das Einkaufen Flawils ist keine Ausnahme, wie eine Umfrage zeigt. Auch die zwei 3.-Liga-Vereine Wil Breitensport und Tobel-Affeltrangen machen davon Gebrauch. Beiden Clubs fehlte für diese Saison ein Schiedsrichter. Sie müssen deshalb halbjährlich je 2000 Franken zahlen.

Das Problem reicht bis in die Challenge League. Der FC Wil, dessen zweites Team in der 2. Liga interregional spielt, hat keine eigenen Schiedsrichter und muss halbjährlich 6000 Franken zahlen. Geschäftsführer Benjamin Fust sagt:

«Auch für einen Profiverein wie den FC Wil ist dies ein erheblicher Betrag. Zumal wenn man unsere Vergangenheit und die momentane finanzielle Lage berücksichtigt.»

Das Ziel von Fust ist es, dass der Club in Zukunft wieder eigene Schiedsrichter stellt. «Von heute auf morgen können wir das aber nicht realisieren, da verschiedene andere Projekte anstehen.»

Bazenheid, Uzwil und Bronschhofen als Ausnahmen

Bazenheid und Uzwil, die ebenfalls in der 2. Liga interregional auflaufen, haben dagegen keine Probleme mit der Rekrutierung von Schiedsrichtern. Beide konnten ihr Kontingent für diese Saison erreichen. Gleiches trifft auf Bronschhofen aus der 2. Liga regional zu. Dieser Verein stellt allerdings auch weniger Mannschaften als andere Clubs.

Ein Geheimrezept haben die drei Vereine nicht. Es habe immer auch mit Glück zu tun, so der Tenor. Einerseits, um Interessierte zu finden. Anderseits müssten Schiedsrichter von Verletzungspech verschont bleiben. Einen entscheidenden Grund gebe es nicht, viele Faktoren spielten eine Rolle.

Uzwils Präsident Daniel Steuble sieht die Grösse und das Einzugsgebiet seines Vereins als Vorteil. Entscheidend ist für ihn aber die Installierung eines Schiedsrichter-Verantwortlichen. Das ist heutzutage allerdings bei den meisten Vereinen der Fall.

Schiedsrichter werden geködert

Auch wenn einige Vereine genug Schiedsrichter haben: Alle Club-Funktionäre unterstreichen, dass die Rekrutierung eine grosse Herausforderung sei. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zwei liegen auf der Hand: Fussballer ziehen es vor, zu spielen, anstatt Partien zu leiten. Das Schiedsrichteramt ist zudem zeitintensiv.

Ein weiterer Faktor ist einerseits die Entschädigung pro Spiel. «Sie ist in der Regel zu tief», sagt Massimo De Marianis, Schiedsrichter-Funktionär von Tobel-Affeltrangen. Laut Ergün Erler werden anderseits viele Spielleiter von Clubs geködert, die hohe Beträge zahlten: «Gewisse Vereine belohnen ihre Refs am Jahresende mit bis zu 2000 Franken», so der Schiedsrichter-Verantwortliche von Wil Breitensport.

Fehlender Respekt ist ein grosses Problem

Der OFV hat vor einigen Jahren auf solche Vereinswechsel reagiert: Diese sollen minimiert werden, indem der Schiedsrichter im ersten Jahr noch für den alten Club zählt, im zweiten für keinen und erst im dritten für den neuen Verein.

Das grösste Problem ist laut den Funktionären der fehlende Respekt einiger Eltern und Trainer gegenüber jüngeren Schiedsrichtern, wenn diese Fehler machen. «So verlieren wir viele aufstrebende Spielleiter», sagt De Marianis. Mit der vom Verband eingeführten Zuschauerzone im Kinderfussball habe dieses Phänomen aber abgenommen.

Pro Kalenderjahr müssen 15 Spiele geleitet werden

Um für das Schiedsrichterkontingent des Vereins zu zählen, muss ein Referee im Kalenderjahr mindestens 15 Pflichtspiele, also Meisterschafts- oder Cuppartien, leiten. Jeweils im November teilt der OFV den Vereinen aufgrund der Schiedsrichterkontingentierung mit, wie viele Mannschaften sie im nächsten Sommer melden können. Die Vereine haben also mehrere Monate Zeit und können im Frühling neue Schiedsrichter zur Grundausbildung anmelden. «Erfüllt ein Kandidat im ersten Halbjahr die Limite von fünf Pflichtspieleinsätzen, kann der Schiedsrichterbestand rückwirkend erhöht werden. Und damit der Teameinkauf nachträglich umgangen wird», sagt OFV-Präsident Stephan Häuselmann. Ein Einkauf werde erst auf Gesuch des betroffenen Clubs vollzogen. Diese Möglichkeit hat der OFV vor neun Jahren wieder eingeführt. «Dies auf Wunsch der Vereine», so Häuselmann weiter. Es gebe Regionalverbände im OFV, welche diese Möglichkeit nicht anbieten und die Vereine damit vor die Tatsache stellen würden, dass nicht alle Teams zur Meisterschaft zugelassen würden. (tm)

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