Die Suche nach Bombe und Bus

Eine Bombendrohung im St. Galler Hauptbahnhof legte gestern den Verkehrsknotenpunkt der Ostschweiz lahm. 5000 Pendler suchten nach einem Ersatzbus – und die Polizei nach einer Bombe. Panik im Hauptbahnhof? Keine Spur davon.

Markus Wehrli
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St. gallen. «Es ist doch klar, wer das war», sagt einer der gestrandeten SBB-Passagiere am St. Galler Hauptbahnhof. Perrons und Bahnhofsgebäude sind abgesperrt. Überall Polizisten, SBB-Angestellte – und rund 5000 Pendler, die um diese Zeit auf den Zug eilen. Doch jetzt herrscht Stillstand. Dicht an dicht drängen sich die Leute, warten mit fragenden Blicken, telefonieren. Und dann sagt es einer: «Es ist doch klar, von wem diese Bombendrohung eingegangen ist.

Die SBB haben gestern angekündigt, dass sie keine Extrazüge für Fussballfans mehr zur Verfügung stellen wollen.»

Ruhe im Grosseinsatz

Eine Bombendrohung am St. Galler Bahnhof. Vor einem Monat habe es so etwas in New York gegeben, und jetzt hier – «das ist krass», sagt ein junger Mann. Dass eine Bombe irgendwo im SBB-Gebäude vermutet wird, scheint jede und jeder zu wissen. Von Angst oder Panik keine Spur. «Wir haben ja keine Probleme mit der Al Qaida», sagt der junge Mann.

Unter Druck sind vor allem die Angestellten der SBB. «Wir bieten auf, was wir können», sagt Norbert Bont, Verantwortlicher für die Kundenbetreuung. Seine orange Weste leuchtet, die Leute stehen Schlange, geduldig gibt der SBB-Mann Auskunft. «Hören Sie auf die Informationen, die über Lautsprecher bekanntgegeben werden», wiederholt er ein ums andere Mal – stets in ruhigem, freundlichen und bestimmtem Ton.

«Ich bin froh»

Alle verfügbaren Kräfte der SBB stehen im Einsatz. St. Gallen ist – vorübergehend – eisenbahntechnisch von der Welt abgeschnitten, die Züge wenden in Gossau und St. Fiden. Busse der VBSG, der Postautobetriebe und eines privaten Carunternehmens übernehmen die Ersatzfahrten.

Während die Polizei im Innern des Bahnhofgebäudes nach der Bombe sucht, erinnert die Szene auf dem Bahnhofplatz ein wenig an ein Strassenfest – Schülerinnen und Schüler stehen in Gruppen beisammen, eine lockere Stimmung und ein aus den Fugen geratener Busverkehr.

«Als die Polizei um 15.30 Uhr erst das Perron 1 räumt und dann den ganzen Bahnhof, dachte ich: Jetzt gibt es ein riesiges Chaos», sagt Murat Kalkan, Wurstverkäufer bei der Bahnhofs-Unterführung. Es kam anders. Von Anfang an sei ihm aufgefallen, wie ruhig und professionell sich die Leute von SBB und Polizei, aber auch alle Passagiere verhalten hätten.

Kurz nach 17.30 Uhr gibt die Polizei Entwarnung. Wer es nicht auf einen der Ersatzbusse geschafft hat, strömt zu den Bahnperrons. Murat Kalkan wirft seinen Grill wieder an. Die Leute scheinen Hunger zu haben. «Ich bin froh», sagt er. «Es ist eine Bombenstimmung», sagt eine junge Frau.