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DIE STRECKE DER POSTKUTSCHE: Mit fünf PS über die Schwägalp

Es ist eine Reise in eine andere Zeit. Die Fahrt mit der originalgetreuen Postkutsche vom Toggenburg ins Appenzellerland lässt nicht nur die Herzen von Pferdefans höherschlagen.
Text: Karin Erni, Bilder: Toni Küng
Postkutschenbesitzer Werner Stauffacher und sein Kamerad Sämi Frick führen Fünfspänner und Passagiere sicher über den Pass.

Postkutschenbesitzer Werner Stauffacher und sein Kamerad Sämi Frick führen Fünfspänner und Passagiere sicher über den Pass.

Text: Karin Erni, Bilder: Toni Küng

Die Hufe scharren ungeduldig auf dem Asphalt. Kutscher Sämi Frick zieht seine silberne Taschenuhr aus der roten Weste: «S’isch Zyt zom Abfahre.» Die Pferde nicken schnaubend mit den Köpfen, als hätten sie ihn verstanden. Sieben Gäste sind es, die heute mit dem Fünfspänner den Weg über die Schwägalp unter die Räder nehmen. Wer möglichst nahe an den Pferden sein will, nimmt unter dem Kutschbock Platz. Die nobleren Sitze sind im Inneren der gelb-schwarzen Kutsche. Lederpolster und blank poliertes Kirschholz vermitteln ein edles Ambiente. Die schönste Aussicht geniessen jene auf den drei hintersten Sitzen, oben bei der Gepäckablage. Acht Personen haben sehr komfortabel Platz auf dem Gefährt. «Wenn wir beim Reka-Dorf Halt machen, quetschen sich manchmal 20 oder mehr Leute in die Kutsche, erzählt Werner Stauffacher lachend. Eine Postkutsche zu besitzen, sei ein Bubentraum von ihm gewesen, sagt der 56-Jährige, der in Ennetbühl eine Weissküferei und einen Bauernbetrieb führt. Die Kutsche hat er nach Originalplänen der Schweizer Post nachbauen lassen – in Polen. «Dort gibt es Wagnereien, die das Handwerk, wie es vor 100 Jahren gepflegt wurde, noch beherrschen.» Technisch ist die Kutsche auf dem neusten Stand. Statt der früher üblichen Eisenbereifung rollen die Räder dank einem Gummiüberzug lautlos über den Asphalt.

Znünihalt in der urtümlichen Holzerhütte

Die drei imposanten Moritzburger Rappen und ein Freiberger Pferd gehören ihm. Ergänzt werden sie in der Zugarbeit nach Bedarf mit Freibergern aus dem Stall von Sämi Frick. Der Urnäscher ist im Reka-Dorf tätig, wo er die Tiere betreut und ebenfalls Rösslifahrten anbietet. «Hü!» Mit einem sanften Ruck setzt sich das Gefährt in Bewegung und Werner Stauffacher bläst einen Abschiedsgruss ins Posthorn. In gemütlichem Tempo geht es das Luterental hinauf: links die imposanten Nagelfluhwände des Hinterfallenchopfes, rechts die steil aufragenden Felsen des Stockbergs. Es bleibt Zeit, die Blumenwiesen mit den unzähligen Schmetterlingen zu bewundern. Ausser dem Stampfen der Hufe und dem rhythmischen Gebimmel der Glöckchen am Pferdegeschirr ist nicht viel zu hören an diesem warmen Sommertag. Ab und zu überholt ein Auto und hält meist kurz danach an. Die Fahrgäste steigen aus, um das ungewöhnliche Gespann zu fotografieren. Auch das Postauto, der moderne Nachfahre unseres Gefährts, kreuzt ein paarmal den Weg.

An der Postautohaltestelle Schiltmoos ist auch für die Kutsche Zeit für einen Halt. Die Pferde werden getränkt. Zu knabbern gibt es für sie nichts. «Sie sind seit morgens um vier am Fressen. Nebst Heu bekommen sie vor einem anstrengenden Tag auch eine rechte Ration Hafer», sagt Stauffacher. Im Holzerhüttchen ist bereits der Tisch gedeckt. Es gibt selbstgebackene Spezialitäten von Jolanda, Werner Stauffachers Frau. Ins Glas kommt der eigene «Postkutsche-Wy» aus Fläsch. «Null Promille gilt nur für die Pferde», scherzt Sämi Frick. Das Hüttchen hat einst den Holzern als Unterkunft gedient. Es verfügt noch über ein waschechtes Plumpsklo. Die Stimmung ist gemütlich, doch die Kutscher mahnen zum Aufbruch.

Mit Bremsöl langsam, aber königlich unterwegs

Rund acht Fahrten absolvierten sie im Sommer auf der Strecke, sagt Stauffacher. «Für uns zählt in erster Linie, dass es den Passagieren und den Pferden gut geht.» Nach dem Mittagessen auf der Schwägalp geht die Reise weiter. In den Spitzkehren arbeiten nicht mehr die Muskeln der Pferde, sondern die modernen Bremsscheiben. Im Wageninnern wird derweil munter von einer Flüssigkeit namens «Bremsöl» gekostet. Der Likör stammt ebenfalls aus der Küche von Jolanda Stauffacher. Nach dem Dessert im Gasthaus mit dem sinnigen Namen «Rossfall» geht es in flottem Trab Richtung Urnäsch. Die Art der Fortbewegung mag zwar nicht die schnellste sein, dafür hat sie etwas Königliches.

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