Die St.Galler Mitte schafft den Schulterschluss — CVP, Grünliberale, BDP und EVP spannen im Herbst zusammen

Die vier Parteien streben im Herbst vier Sitze im Nationalrat an. Heute ist einzig die CVP mit drei Sitzen in der grossen Kammer in Bern vertreten. Auf der linken Seite gehen SP und Grüne eine Listenverbindung ein.

Regula Weik
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Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband und CVP-Nationalrat (Bild: Ralph Ribi)

Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband und CVP-Nationalrat (Bild: Ralph Ribi)

Das Abschneiden der Parteien in den nationalen Wahlen im Herbst hängt nicht allein von der Gunst der Wähler ab. Auch ihr taktisches Geschick spielt eine Rolle. Denn bei der Verteilung von Restmandaten für den Nationalrat spielen Listenverbindungen eine entscheidende Rolle. Heute verdankt mehr als jeder zehnte Parlamentarier in der grossen Kammer seinen Sitz einer solchen Verbindung.

Die nationalen Spitzen von CVP, Grünliberalen, BDP und EVP hatten bereits Anfang Jahr ihren «Masterplan» bekannt gegeben. Ziel sei, möglichst flächendeckend Listenverbindungen einzugehen. Im Kanton St. Gallen wird die Vorgabe der nationalen Parteispitzen umgesetzt: Gestern haben die Kantonalparteien bekannt gegeben, dass sie für die Nationalratswahlen zusammenspannen.

«Der Polarisierung etwas entgegensetzen»

Nadine Niederhauser, Präsidentin der St.Galler Grünliberalen

Nadine Niederhauser, Präsidentin der St.Galler Grünliberalen

Noch vor vier Jahren hatten die Grünliberalen einen separaten Zug gefahren. «Für uns stehen rechnerische Überlegungen im Vordergrund», sagt Nadine Niederhauser, Präsidentin der St. Galler Grünliberalen, zur aktuellen Listenverbindung. Das Ziel der Partei für den Herbst ist klar: Sie will den vor vier Jahren verlorenen Sitz zurückerobern. «Wir sind optimistisch, dass wir zulegen werden», sagt Nieder­hauser. Weshalb dann die Listenverbindung? «So ist der Sitzgewinn realistischer.» Zehn Nationalratssitze hat die nationale Parteispitze als Mindestziel für den Herbst formuliert. Nach Zürich sieht sie in St. Gallen das grösste Wachstumspotenzial.

Patrick Dürr, Präsident der St.Galler CVP

Patrick Dürr, Präsident der St.Galler CVP

Mit der Listenverbindung erreichten die vier Parteien das Stimmenpotenzial für vier Sitze, sagt Patrick Dürr, Präsident der St. Galler CVP. Die Partei ist heute die einzige Bündnispartnerin, die im Nationalrat vertreten ist. Es sei ihr Ziel, die bisherigen drei Sitze «aus eigener Kraft» halten zu können, sagt Dürr. Wie überzeugte er die Grünliberalen, diesen Herbst mit ins Boot zu steigen? Sie hätten die Zusammenarbeit bereits mehrfach erprobt – in der Fraktionsgemeinschaft im Kantonsparlament. «Da lernt man sich besser kennen.»

Die vier Parteien sendeten mit ihrer Listenverbindung ein klares Signal an die Wählerinnen und Wähler. «Es geht im Herbst darum, der Polarisierung etwas entgegenzusetzen und die konstruktiven und lösungsorientierten Kräfte in diesem Land zu stärken», so Dürr.

Traditionelle Verbindung der Linken

Thomas Schwager, Präsident der St.Galler Grünen

Thomas Schwager, Präsident der St.Galler Grünen

Gleichentags wie die Mitteparteien haben auch Sozialdemokraten und Grüne ihre Listenverbindung für den Herbst bekannt gegeben. So könnten sie ihr Stimmenpotenzial «bestmöglich» ausschöpfen. Die SP ist heute mit zwei Nationalrätinnen in Bern vertreten; sie will im Herbst einen Sitz dazu gewinnen. Die Grünen wollen ihren vor vier Jahren verlorenen Sitz zurückholen. «Vier Sitze sind möglich und nötig», sagt Thomas Schwager, Präsident der St. Galler Grünen.

Max Lemmenmeier, Präsident der St.Galler SP

Max Lemmenmeier, Präsident der St.Galler SP

Nur mit einer starken linken Vertretung im Nationalrat sei «die Wende hin zu einer klimaneutralen Schweiz, zu mehr sozialer Sicherheit und zu mehr Solidarität möglich», sagt Max Lemmenmeier, Präsident der St. Galler Sozialdemokraten. FDP und SVP «sabotierten» die Energiewende und widersetzten sich der Gleichstellung von Mann und Frau. «Diesen Zustand werden wir im Herbst ändern», sagt Lemmenmeier. SP und Grüne seien auf nationaler Ebene oft «natürliche Verbündete», auf kantonaler Ebene ist die Verbindung mit der gemeinsamen Fraktion im Kantonsparlament noch enger. Dennoch betonen beide Präsidenten: «Die Listenverbindung ist kein Koalitionsvertrag.»