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St.Galler Regierung schreibt einen einzigen Windpark in den Richtplan –
und auch dort droht Widerstand

Die Chancen auf Windparks in der Ostschweiz schwinden. Die St.Galler Regierung hat einen einzigen Standort im Richtplan festgeschrieben: Krinau im Toggenburg. Die Gegner haben sich bereits in einem Verein organisiert und wollen das Projekt mit allen legalen Mitteln verhindern.
Adrian Vögele
Dieses Windrad in Haldenstein bei Chur liefert genügend Strom für ein Dorf mit 1000 Einwohnern. In den Ostschweizer Kantonen gibt es bislang keine Windkraftwerke dieser Grössenordnung. (Bild: Benjamin Manser)

Dieses Windrad in Haldenstein bei Chur liefert genügend Strom für ein Dorf mit 1000 Einwohnern. In den Ostschweizer Kantonen gibt es bislang keine Windkraftwerke dieser Grössenordnung. (Bild: Benjamin Manser)

Kein Windpark in Oberegg. Kein Windpark in der Linthebene bei Bilten. Und nun auch kein Windpark in der Rheinau zwischen Sargans und Bad Ragaz: Mit der Windenergie in der Ostschweiz geht es kaum voran, wie die jüngsten Richtplan-Entscheide der Kantonsregierungen zeigen.

Dabei sind solche spruchreifen Projekte ohnehin schon dünn gesät. In St.Gallen ist die Rheinau nebst dem Windpark Krinau im Toggenburg das einzige Vorhaben mit fortgeschrittener Planung. Die Regierung hat nun Krinau als Windkraftstandort im Richtplan festgesetzt. Der Windpark Rheinau sei hingegen «nicht genehmigungsfähig», heisst es in der Mitteilung. Der Bund, der den Richtplan absegnen muss, habe den Standort im Sarganserland schon in der Vorprüfung deutlich abgelehnt, sagt der St.Galler Bauchef Marc Mächler. Zu gefährlich wären die drei bis fünf Windräder für die dort brütenden Vogelarten – Wanderfalke, Uhu und Alpensegler beispielsweise. Weil der Konflikt mit dem Vogelschutz ungelöst ist, verzichtet die Regierung derzeit darauf, den Windkraftstandort in den Richtplan aufzunehmen. Damit sei der Windpark in der Rheinau aber noch nicht gestorben, betont Mächler: «In fünf oder zehn Jahren fällt die Beurteilung möglicherweise anders aus.»

Naturschützer und Fluglotsen besorgt

Marc Mächler, Bauchef des Kantons St.Gallen (Bild: Regina Kühne)

Marc Mächler, Bauchef des Kantons St.Gallen (Bild: Regina Kühne)

Für den geplanten Windpark Krinau mit drei Rädern auf dem Gebiet der Gemeinden Mosnang und Wattwil sieht Mächler eine bessere Ausgangslage. Näher abzuklären seien vor allem noch zwei Punkte: Der Windpark läge erstens neben einem Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. «Die Frage ist, wie störend es ist, wenn die Windräder von diesem Schutzgebiet aus sichtbar sind», sagt Mächler. Zweitens müssten die Windanlagen so platziert werden, dass sie nicht auf dem Radar des Flughafens Zürich auftauchen.

Projektträger des Windparks in Krinau sind die Thurwerke und das Westschweizer Energieversorgungsunternehmen Groupe E. Der Entscheid der St.Galler Regierung sei erfreulich, sagt Thomas Grob, VR-Präsident der Thurwerke. «Genau darauf haben wir gehofft.» Dass es als Problem angesehen werde, wenn der Park neben einem Schutzgebiet liege, sei allerdings erstaunlich. Irgendwann müsse man sich entscheiden, ob man einen «Schönheitspreis» gewinnen oder sauberen Strom erzeugen wolle, so Grob. «Generell stelle ich fest, dass die Ostschweiz punkto Windkraft sehr zurückhalten ist.» Im Jura seien solche Anlagen schon lange in Betrieb. Für den Windpark Krinau ist der Betriebsstart im Jahr 2023 geplant – «ein optimistisches Ziel», räumt Grob ein. «Wir müssen mit Einsprachen rechnen.»

Verein warnt vor «Zerstörung der Landschaft»

In der Tat: Die Gegner des Windparks haben sich im Verein «Älpli-Gegenwind» organisiert. «Wir sind entsetzt darüber, dass die Regierung den Windpark-Standort Krinau im Richtplan festsetzt», sagt Präsidentin Brigitta Schönbächler. «Wir hätten die Streichung aus dem Richtplan erwartet, oder mindestens die Rückstufung auf den Stand ‹Zwischenergebnis›.» Der Verein kündigte am Montag hartnäckigen Widerstand gegen die «Zerstörung der idyllischen Landschaft» an: «Wir werden uns mit allen uns demokratisch und rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den geplanten Windpark Krinau wehren», heisst es in der Mitteilung.

Bund korrigiert Windstärken nach unten

Krinau wäre bei weitem nicht der erste Windpark, gegen den Rechtsmittel ergriffen würden. Heute deckt Windkraft weniger als ein Prozent des Energiebedarfs in der Schweiz. Die Energiestrategie 2050 sieht mindestens sieben Prozent vor. Für den St.Galler Bauchef Marc Mächler ist jedoch klar: «Die ursprünglichen Ziele der Energiestrategie für die Windkraft werden bestimmt nicht erreicht.» Zu gross sei die Skepsis in der Bevölkerung. Hinzu kommt: Der Bund hat aufgrund neuer Messdaten die Windstärken für weite Teile des Landes – auch für die Ostschweiz – nach unten korrigiert. Dafür entwickelt sich laut Mächler der Anteil des Solarstroms besser als erwartet.

Mehr Platz für Deponien

Nebst dem Windpark hat die Regierung im Richtplan auch Deponiestandorte festgelegt: In der Region St.Gallen-Rorschach zeichne sich ein Deponie-Notstand für unverschmutzten Aushub an, heisst es. Deshalb hielt die Regierung an den bisherigen Deponien fest und bestimmte auch in Altstätten und Mels Standorte. Die Deponie Tüfentobel in Gaiserwald soll erweitert werden.
Im Richtplan festgelegt hat die Regierung auch eine Erweiterung des Steinbruchs Starkenbach in Wildhaus-Alt St.Johann. «Das nationale Interesse am Abbau von Hartgestein wird gegenüber dem Schutzgebiet Speer-Churfirsten-Alvier höher gewichtet», heisst es. Der Eingriff in geschützte Lebensräume sei aber zu minimieren. In den Richtplan aufgenommen wurden auch neue Anforderungen an Weiler, die der Bund verlangte. So sind beispielsweise Neubauten in Weilerzonen künftig nicht mehr erlaubt. (sda)

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