Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die St.Galler Frauenquote ist keine echte Quote

Für St.Gallen soll künftig eine Frauenquote gelten. Die Regelung bleibt aber unverbindlich. Ein Blick über den Kanton hinaus zeigt auch: Die St.Galler Quotenpläne sind zwar bemerkenswert, aber keine Pionierleistung.
Andri Rostetter
Die Stadt St.Gallen will eine Frauenquote für Kaderpositionen in der Verwaltung einführen. Über die Umsetzung herrscht keine Einigkeit. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Stadt St.Gallen will eine Frauenquote für Kaderpositionen in der Verwaltung einführen. Über die Umsetzung herrscht keine Einigkeit. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

In der St.Galler Stadtverwaltung soll künftig jede zweite Kaderstelle mit einer Frau besetzt werden. Eine knappe Mehrheit im Stadtparlament hat am Dienstag überraschend einer entsprechenden Motion zum Durchbruch verholfen.

Die Stadt muss demnach künftig darauf hinarbeiten, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen auf 50 Prozent erhöht wird. Die Ratslinke forderte ursprünglich gar, dass die 50-Prozent-Marke als Mindestvorgabe ins Personalgesetz aufgenommen wird. Sie setzte sich damit aber nicht durch.

Noch ist offen, ob die St.Galler Frauenquote Realität wird. Die SVP kündigte bereits in der Debatte an, dass sie «alle Hebel in Bewegung setzen» wird, um einen allfälligen Beschluss dem Volk zur Abstimmung vorzu­legen.

Wird das Ziel verfehlt, gibt es keine Konsequenzen

Auf einem anderen Blatt steht, ob sich der Aufwand für ein solches Referendum lohnt. Denn die Motion, die das Stadtparlament angenommen hat, ist alles andere als verbindlich formuliert. Gemäss Wortlaut soll sich die Stadt «in sämtlichen Bereichen für beide Geschlechter ein Ziel von jeweils 50 Prozent in Kader- und Führungspositionen» setzen.

Im Klartext: Die Stadt soll sich zwar für einen Ausgleich der Geschlechter stark machen. Werden die Ziele nicht erreicht, hat das aber keinerlei Folgen. Den Befürwortern der Quote dürfte es zwar kaum allein um die Praxistauglichkeit gehen, sondern vor allem auch um die Signalwirkung.

Die Gegner zielten mit ihrer Kritik dennoch stark auf die Durchsetzbarkeit. In gewissen Bereichen fehle schlicht die «weibliche Basis», um die Quote umzusetzen, hielt etwa Stadtpräsident Thomas Scheitlin fest. Ein Sprecher der FDP warnte gar davor, dass die Qualität der Arbeitnehmer sinke.

Biel will Frauenanteil bis 2024 ausgleichen

Die St.Galler Frauenquote ist zwar bemerkenswert, aber keine Pioniertat. Mehrere Schweizer Städte haben in den vergangenen Jahren ähnliche Vorgaben in Kraft gesetzt. Die Mehrheit geht allerdings deutlich weniger weit als die St.Galler Variante.

Bern führte 2012 eine Quote von 35 Prozent in Führungspositionen in der Stadtverwaltung ein. Winterthur zog 2018 ebenfalls mit einer 35-Prozent-Quote für Kaderstellen nach. Die Stadt Zürich kennt bereits seit 2015 eine Quote – für Frauen und Männer. Pro Departement und Kaderstufe müssen mindestens 35 Prozent der Stellen mit dem jeweils «untervertretenen Geschlecht» besetzt werden. Die Quote ist Teil eines umfassenden Gleichstellungsplans, der seit 2009 in Kraft ist.

St.Gallen steht mit der 50-Prozent-Quote aber nicht allein da. Die Stadt Biel hat sich im vergangenen April eine gleich lautende Vorgabe gegeben. Im Unterschied zu St.Gallen hat sich Biel allerdings eine Frist gesetzt. Bis 2024 soll die Hälfte aller Kaderstellen in der Stadtverwaltung mit Frauen besetzt werden.

Eine der jüngsten Quoten gibt es auf Bundesebene. Im Juni hat der Ständerat beschlossen, in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von Grosskonzernen Frauenquoten einzuführen. Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent, in Geschäftsleitungen mindestens 20 Prozent betragen. Betroffen sind 200 bis 250 Firmen. Der Nationalrat hatte der Regelung bereits im vergangenen Jahr zugestimmt.

Kanton korrigierte Quote nach unten

Deutlich schwerer hatten es Frauenquoten bislang auf Kantonsebene. In mehreren Kantonen sind zwar entsprechende Vorstösse angekündigt oder hängig. Das Kantonsparlament von Basel-Land lehnte 2014 eine 35-Prozent-Quote für Kaderpositionen ab.

Im gleichen Jahr hiess das Stimmvolk in Basel-Stadt eine Geschlechterquote für Aufsichtsgremien gut. Seither müssen in den Verwaltungsräten der baselstädtischen Betriebe, darunter etwa die Spitäler und die Kantonalbank, mindestens ein Drittel Frauen und Männer sitzen.

Der Kanton St.Gallen wollte bereits 2013 mehr Frauen in Führungspositionen und strebte eine Zielquote von 30 Prozent an. Bis 2016 erreichte der Kanton 22,6 Prozent, ein Jahr später wurde die Quote nach unten korrigiert – auf 28 Prozent. 2016 forderte zudem der Kantonsrat eine Frauenquote für die Verwaltungsräte von staatlichen und staatsnahen Betrieben.

Bei der Vergabe von Mandaten müssen seither immer beide Geschlechter vertreten sein. Diese Vorgabe ist aber nicht gesetzlich geregelt, sie steht einzig in einem Regierungsauftrag. Entsprechend gering ist die Wirkung: Bis heute gibt es etliche Gremien, die diese Forderung nicht erfüllen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.