Die Steuererklärung kann in Corona-Zeiten warten: Weshalb St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden die Einreichefrist verschieben

Mehrere Kantone haben aufgrund der Corona-Krise die Einreichefrist für die Steuererklärung verschoben, darunter auch St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Die Arbeit gehe dem Steueramt dennoch nicht aus, sagen die Amtsleiter. Thurgau und Appenzell Innerrhoden hingegen verzichten auf eine Verlängerung.

Ralf Streule
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Steuererklärung des Kantons St.Gallen: Dieses Jahr kann sie bis Ende Mai eingereicht werden.

Steuererklärung des Kantons St.Gallen: Dieses Jahr kann sie bis Ende Mai eingereicht werden.

Bild: Max Tinner

Die Corona-Krise wirkt sich in vielen Kantonen auf die Einreichefrist der Steuererklärung aus. Solothurn, Basel Stadt sowie Zürich hatten am Donnerstagnachmittag eine Verlängerung von Ende März auf Ende Mai kommuniziert, am Abend folgte der Kanton St.Gallen, am Freitagmittag der Kanton Appenzell Ausserrhoden. Man wolle damit stark belastete Familien und Einzelpersonen unterstützen, heisst es von der Ausserrhoder Kantonskanzlei als Erklärung. Der St.Galler Amtsleiter Felix Sager seinerseits sagt:

Felix Sager, Leiter Kantonales Steueramt St.Gallen.

Felix Sager, Leiter Kantonales Steueramt St.Gallen.

Bild: Urs Bucher
«In St.Gallen waren es nebst Einzelpersonen auch Treuhänder, die sich beim Steueramt gemeldet
und sich für eine generelle Fristverlängerung stark gemacht haben.»

Gleiche Frist für alle

Die Massnahme überrascht insofern, als dass Steuerpflichtige mit nur einem Klick die Einreichefrist für ihre Steuererklärung ohnehin problemlos um Monate verschieben könnten. Weshalb braucht es überhaupt eine generelle Regelung? Weil man mit dieser allgemein gültigen Regel niemanden benachteilige, sagt Sager. Für gewisse Personen sind Fristverlängerungen im Normalfall nämlich nicht möglich - für säumige Steuerpflichtige zum Beispiel.

Jacques Oberli, Leiter des Steueramts im Kanton Appenzell Ausserrhoden, sieht in der Fristverschiebung auch ein «psychologisches Element»:

Jacques Oberli, Leiter kantonales Steueramt Appenzell Ausserrhoden.

Jacques Oberli, Leiter kantonales Steueramt Appenzell Ausserrhoden.

«In Zeiten, in denen der Schalter geschlossen ist, 80 Prozent der Belegschaft im Home Office arbeitet und man die Leute bittet, per Mail zu kommunizieren, wollen wir nicht auf die Abgabefrist pochen.»

Die Gefahr, dass nun keine Steuererklärungen mehr eingehen und damit die Arbeit der Steuerämter ausgehen könnte, bestehe nicht, sagen beide Amtsleiter. Es sei sogar so, dass in diesem Jahr bisher mehr Erklärungen eingegangen seien als in anderen Jahren zum selben Zeitpunkt, sagt Sager. «Vielleicht, weil viele in den vergangenen Tagen Zeit dafür fanden.» Die Steuerämter werden in den kommenden Wochen mit Vollbestand weiterarbeiten, heisst es aus Herisau wie auch aus St.Gallen.

Thurgau und Appenzell Innerrhoden warten ab

Im Kanton Thurgau ist vorläufig hingegen kein Aufschub der Frist geplant, sagt Steueramtsleiter Jakob Rütsche. Unter anderem, weil die Frist bis zur Abgabe der Steuererklärung im Thurgau ohnehin bis zum 30. April läuft. Rütsche sagt:

«Zur Zeit haben wir eine Verlängerung noch nicht in Betracht gezogen; dies hängt jedoch vom weiteren Verlauf der Krise ab. Im Übrigen können betroffene Personen problemlos eine Fristverlängerung beantragen, wenn das Ausfüllen der Steuererklärung krankheitsbedingt nicht möglich ist.»

In der gleichen Situation ist man in Appenzell Innerrhoden. Auch dort verweist man auf die Abgabefrist vom 30. April - weshalb eine Verschiebung in der momentanen Situation kein Thema sei.

Zahlungserleichterungen vorgesehen

Kulant behandeln will man derzeit in Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen auch Steuerpflichtige, die Probleme mit der Zahlung der Steuern haben. Begründete Anträge um Zahlungserleichterungen, sogenannte Stundungsgesuche, werden aufgrund der aktuellen Situation eine gute Chance auf Erfolg haben, sagt Sager. «Die Steuerbehörden können aber nicht auf die Erhebung von Verzugszinsen verzichten, da diese gesetzlich vorgegeben sind.»

Im Ausserrhodischen heisst es: «Bei definitiven Steuerrechnungen ist für Unternehmen und natürliche Personen eine Stundung möglich. Wenn in Folge des Coronavirus die fälligen Steuerrechnungen nicht bezahlt werden können, kann eine Erstreckung der Zahlungsfrist oder eine Ratenzahlung vereinbart werden.»