Die Stärksten essen Pflanzen

Scharfgezeichnet

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In die Schweiz schwimmen kann man von der Liegewiese im österreichischen Lustenau aus. (Bild: Christina Vaccaro)

In die Schweiz schwimmen kann man von der Liegewiese im österreichischen Lustenau aus. (Bild: Christina Vaccaro)

Fleisch macht gross und stark, redet uns die Fleischindustrie ein. Dabei ist wissenschaftlich längst belegt, dass übermässiger Fleischkonsum Krankheiten wie Übergewicht, Entzündungen, Krebs und Herzinfarkt begünstigt. Die stärksten Tiere sind zudem Pflanzenfresser: Elefanten, Nashörner, Nil­pferde.

Das kümmert Wurstfans wenig. Sie werden nicht müde, ein Loblied auf die St. Galler Bratwurst anzustimmen. Die Cervelat läuft dieser allerdings den Rang ab: Mehr als 100 Millionen der krummen, braunen Stummel werden in unserem Land pro Jahr verzehrt. Das sind 10 000 Tonnen. Die unwürdige Massentierhaltung findet im Verdeckten statt, damit niemand den Tatsachen ins Auge schauen muss. Und der Regenwald wird immer weiter abgeholzt, um Futtermittel anzubauen und Weideflächen freizumachen. Auch das verdrängen die meisten lieber, wenn sie ihre Wurst aufspiessen und am Lagerfeuer bräteln.

«Der Sommer wird am Grill gemacht», heisst es in einem aktuellen Werbespot für Fleisch. Okay, aber wie wär’s zur Abwechslung mit einem fleischlosen Barbecue? Gegrilltes Gemüse, Halloumi-Käse und bunte Salate verführen mit raffinierten Aromen – und stehlen dem Fleisch die Show.

Melissa Müller melissa.mueller@ostschweiz-am-sonntag.ch