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Die Stadt gewinnt, der Süden verliert: Wie die St.Galler Nationalratssitze im Kanton verteilt sind

Die St.Galler Vertretung im Nationalrat wird nicht nur grüner und weiblicher, sondern auch urbaner.
Adrian Vögele
Stadt statt Land, Frau statt Mann: Anwältin Susanne Vincenz-Stauffacher (hier mit Parteipräsident Raphael Frei) hat den Bauernsitz der St.Galler FDP erobert. (Bild: Ralph Ribi)

Stadt statt Land, Frau statt Mann: Anwältin Susanne Vincenz-Stauffacher (hier mit Parteipräsident Raphael Frei) hat den Bauernsitz der St.Galler FDP erobert. (Bild: Ralph Ribi)

Da ist etwas ins Rutschen geraten an diesem Wahlsonntag im Kanton St.Gallen. Nicht nur von rechts nach links, sondern auch von Süden nach Norden und vom Land zur Stadt. Der Wahlkreis St.Gallen hat fünf statt wie bisher zwei Nationalräte und gewinnt damit deutlich an Gewicht. Fünf Parlamentsmitglieder, fünf verschiedene Parteien, drei Frauen. Zusammen mit den Städten Wil und Rapperswil-Jona stellt St.Gallen gar zwei Drittel der Nationalratsdelegation. Entsprechend mager vertreten ist nun der Rest des Kantons, insbesondere das Land­.

Nach den Wahlen 2015 hatten sieben von acht Wahlkreisen einen Nationalratssitz (siehe Grafik), die Parteien waren mehr oder weniger gleichmässig rund um den Kanton verteilt. Das begann sich mit dem Rücktritt von Jakob Büchler (CVP) zu ändern. Den Sitz des Landwirts aus Schänis übernahm im vergangenen Jahr Olmadirektor Nicolo Paganini, ein typischer Vertreter der Hauptstadt und ihrer Umgebung. Büchler war zwar vor allem Sicherheitspolitiker, hatte aber auch dezidiert ländliche Anliegen vertreten, etwa wenn es um die Schliessung von Poststellen ging.

Der Sitz des Rüthner CVP-Nationalrats Thomas Ammann wandert ebenfalls in die Stadt: Der Grünliberale Thomas Brunner übernimmt. Ob Ammanns regionalpolitischer Einsatz in Bern, etwa für den Verkehr im Rheintal, eine Fortsetzung findet, ist offen. Weiter südlich verliert die FDP-Hochburg Werdenberg ihren Sitz in Bern. Rechtsanwältin Susanne Vincenz-Stauffacher, die in Abtwil lebt und in St.Gallen arbeitet, löst Landwirt Walter Müller aus Azmoos ab: Eine urbane Freisinnige mit sozialen Anliegen folgt auf einen konservativen FDP-Vertreter vom Land. Müller sah dem Wahlsonntag mit gemischten Gefühlen entgegen ­– wegen der absehbaren Gewinne der Grünen. «Möglicherweise öffnet sich ein kaum überwindbarer Graben zwischen Stadt und Land», schrieb er auf seiner Webseite ­– und warnte, in Sachen Klima seien «rigorose Forderungen» von links zu erwarten, unter denen vor allem das Land werde leiden müssen. Von Treibstoffzuschlägen beispielsweise sei die Landbevölkerung ganz anders betroffen als die Städter, die den öV praktisch vor der Haustür hätten. «Oder kommen etwa bei uns die Handwerker mit dem öffentlichen Verkehr auf die Baustelle?» Harte Verteilkämpfe seien in dieser Frage zu erwarten.

Sarganserland geht trotz bekannter Köpfe leer aus

Den städtischen Nationalräten aus St.Gallen, Wil und Rapperswil-Jona stehen fast nur noch SVP-Vertreter gegenüber: Mike Egger (Berneck), Roland Rino Büchel (Oberriet) und die neugewählte Esther Friedli (Ebnat-Kappel). Einziger Nicht-SVPler mit klar ländlichem Hintergrund ist Bauernpräsident Markus Ritter (CVP, Altstätten).

Auch abgesehen vom Stadt-Land-Graben hat der St.Galler Süden im Nationalrat an Gewicht verloren. Nachdem Barbara Keller-Inhelder (SVP) die Wiederwahl nicht geschafft hat, ist Marcel Dobler (FDP) einziger Vertreter aus Rapperswil-Jona. Streng genommen ist er überhaupt der einzige Nationalrat aus dem südlichen Kantonsteil. Im Sarganserland war Karin Weigelt (FDP) mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz angetreten, musste sich aber gegen Susanne Vincenz geschlagen geben. Eine Enttäuschung aus Sicht des Sarganserlandes dürfte auch das Resultat von GLP-Kantonsrat Jörg Tanner sein. Obwohl er zu den bekanntesten St.Galler Köpfen der Grünliberalen gehört, landete er auf dem dritten Platz – mit grossem Rückstand auf Thomas Brunner und Pietro Vernazza aus der Stadt St.Gallen. Damit bleibt der südlichste St.Galler Wahlkreis auch acht Jahre nach der Abwahl von Elmar Bigger (SVP) ohne neue Vertretung in Bern.

Fünf Frauen ­– das gab es erst einmal

Nach kurzer Pause wieder in Bern vertreten ist das Toggenburg. Esther Friedli macht gewissermassen dort weiter, wo ihr Lebenspartner Toni Brunner Ende 2018 aufgehört hat. Friedli ist zugleich die einzige ländliche Politikerin unter den St. Galler Nationalrätinnen. Mit fünf von zwölf Nationalratsmandaten sind die St. Galler Frauen so stark in Bern vertreten wie bislang erst einmal, in den Jahren 2011 bis 2013.

Trotz der grün-urbanen Welle ist die neue St.Galler Nationalratsdelegation nicht ganz so weit nach links gerückt wie der Durchschnitt des gesamten Nationalrats: Dies zeigt eine erste Auswertung der Umfrageplattform Vimentis. So seien die St. Galler Nationalräte etwas weniger umweltfreundlich, für eine restriktivere Ausländerpolitik und eine liberalere Wirtschaftspolitik als der Durchschnitt.

Altersdurchschnitt sinkt

Die Nationalratsdelegation des Kantons St. Gallen ist insgesamt jünger geworden. Allerdings sinkt der Altersdurchschnitt weniger stark, als man dies angesichts der Neuzugänge in diesem Jahr vielleicht annehmen könnte. 50 Jahre betrug der Schnitt nach den Wahlen 2015, jetzt sind es 46 Jahre. Mike Egger bleibt auch nach Franziska Rysers Sprung nach Bern das jüngste Mitglied in der St.Galler Abordnung – er ist 27, sie 28 Jahre alt. Es folgen Lukas Reimann (37), Marcel Dobler (39) und Esther Friedli (42). Nachdem Walter Müller (71) nicht mehr angetreten ist und Thomas Müller (66) die Wiederwahl nicht geschafft hat, sitzen keine über 60-jährigen St.Galler mehr im Nationalrat ­– vorläufig. Denn Claudia Friedl und der neugewählte Thomas Brunner sind beide 59 Jahre alt. Vor vier Jahren gehörten die drei jüngsten Nationalratsmitglieder allesamt der SVP an: Lukas Reimann, Toni Brunner und Barbara Keller-Inhelder. (av)

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