Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die St.Galler Spitäler sind ein Notfall - was Sie jetzt wissen müssen

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde prophezeit massive Defizite. Um die Finanzen in den Griff zu bekommen, will er nur noch an vier Standorten stationäre Leistungen anbieten.
Regula Weik, Silvan Lüchinger
Auch wenn die Bettenstationen an fünf Standorten verschwinden – ein «Notfall» soll überall erhalten bleiben. (Bild: Urs Bucher)

Auch wenn die Bettenstationen an fünf Standorten verschwinden – ein «Notfall» soll überall erhalten bleiben. (Bild: Urs Bucher)

Der Verwaltungsrat der St. Galler Spitäler schlägt Alarm: Ohne rasche Gegenmassnahmen droht jedes Jahr ein Defizit von 50 bis 70 Millionen Franken. Er hat der Regierung deshalb ein brisantes Papier vorgelegt: Bettenstationen soll es nur noch in den vier Spi­tälern St. Gallen, Grabs, Uznach und Wil geben. Das ist ein Spital in jeder der vier Versorgungsregionen. Damit ist nach Jahren der relativen Ruhe ein St.Galler Tabuthema wieder auf dem Tisch: Jenes der Standortschliessungen beziehungsweise der Umnutzung bestehender Akutspitäler. Das letzte Wort hat allerdings nicht der Verwaltungsrat, sondern die Politik – allenfalls auch das Volk. Das sind aktuell die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wo liegt das Problem?

Ein Ausblick zeigt: Die St. Galler Spitäler rechnen bis 2023 mit jährlichen Löchern von 50 bis 70 Millionen Franken. Hinzu kommt: Ihre Gewinnmarge ist ungenügend. Der Spitalverwaltungsrat beschönigte im Frühling nichts. Er sage bereits damals: «Kosmetik reicht nicht mehr.»

Wie sieht die Strategie aus?

Geht es nach dem Spitalverwaltungsrat, werden stationäre Leistungen künftig nur noch in vier Spitälern im Kanton angeboten werden – in jeweils einem pro Spitalverbund.

Wer hat gute Karten?

Um ihre Zukunft nicht zu sorgen brauchen sich – jedenfalls vorerst – das Kantonsspital St. Gallen, das Spital Wil, das Spital Linth in Uznach und das Spital Grabs.

Wer ist gefährdet?

Die fünf Spitäler Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil sind in ihrem heutigen Angebot bedroht. Ungemütlich ist die Situation insbesondere für die Spitäler in Flawil und Rorschach. Sie dürften ziemlich vorne auf der «Schliessungsliste» stehen: Ihre Bettenauslastung beträgt zeitweilig nur 60 oder 70 Prozent. «So lässt sich heute kein Spital wirtschaftlich betreiben», sagt Felix Sennhauser, der neue Verwaltungsratspräsident der St. Galler Spitalverbunde.

Warum ein Ausnahmefall?

Wattwil dürfte sich von den bedrohten Spitälern am längsten halten – sicher noch mindestens zehn Jahre, wie Sennhauser sagt. Der Grund: Um das angestrebte stationäre Leistungsangebot in Wil auch tatsächlich bieten zu können, müssen die heutigen Leistungen von Wattwil und Wil zuerst abgestimmt werden. Sennhauser spricht von «Verdichtung».

Wer bestimmt was?

Der Spital-VR kann nicht von sich aus Spitäler schliessen – also auch nicht eigenständig seine Strategie umsetzen. Er braucht dafür politische Zustimmung. Er hat daher der Regierung den Antrag gestellt, die Detailplanung angehen zu dürfen. Die Exekutive muss ihm das «Go» dafür geben. So sind die Rollen verteilt: Der Spitalverwaltungsrat trägt die unternehmerische Verantwortung für die St. Galler Spitäler, die Regierung und das Parlament die politische.

Wie schnell geht es?

Der Spitalverwaltungsrat will nicht mehr viel Zeit verlieren. Wenn er heute mit der Detailplanung starten könnte – er rechnet mit neun Monaten für deren Ausarbeitung –, könnten die ersten Schritte bereits in zwei, drei Jahren umgesetzt werden. «Das ist machbar – rein unternehmerisch», sagt Sennhauser.

Was sagt die Regierung?

Der Regierung reichen die vorliegenden Informationen nicht aus, um sich zur Strategie des Spitalverwaltungsrates zu äussern. Sie will einen Lenkungsausschuss einsetzen – mit drei Regierungsmitgliedern (Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, Finanzchef Beni Würth und Bauchef Marc Mächler) und zwei Spitalverwaltungsräten (Präsident Felix Sennhauser und Yvonne Biri Massler). Dieser Ausschuss will noch vor den Sommerferien informieren.

Wer redet auch noch mit?

Die Regierung weist darauf hin: Änderungen an den Spitalstandorten müssen dem Kantonsparlament vorgelegt und von diesem gutgeheissen werden.

Wie sieht die Umnutzung aus?

Die Spitalgebäude in Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil sollen nicht einfach geschlossen und abgerissen werden. Vorgesehen ist vielmehr eine Umnutzung. Wie diese konkret aussehen könnte, soll die ­Detailplanung zeigen. Vorstellbar sind: Ambulatorien, Tageskliniken, Alterspflegezentren, Zentren für psychiatrische Angebote. Und: Es soll eine Notfallstruktur geben, welche eine Triage der Fälle vornehmen kann.

Werden Betten fehlen?

Trotz Schliessung von fünf Spitälern soll es an Betten nicht mangeln. Es werde künftig ohnehin weniger Spitalbetten geben, sagt Sennhauser. Die medizinische Entwicklung erlaube es, mehr Eingriffe ambulant vorzunehmen als heute. Zudem gibt es bereits heute teils Überkapazität. Ausnahme: In Grabs dürfte ein Ausbau nötig sein.

Wie lang ist der Weg ins Spital?

99 Prozent der St. Galler Bevölkerung werden laut Verwaltungsrat auch künftig innerhalb von 30 Minuten ein Spital mit Notfall- oder stationärer Versorgung erreichen.

Was folgt als Nächstes?

Spitalverwaltungsratspräsident Sennhauser macht kein Geheimnis daraus: Auch bei einer Konzentration der stationären Leistungen auf wenige Spitäler seien weitere Effizienzsteigerungen nötig. Und: Um kostendeckend zu sein, müssten die Tarifstrukturen dringend angepasst werden. Was heisst: Das Gesundheitswesen wird teurer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.