Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die höchste St.Gallerin ist eine sportliche Umweltfreisinnige

Die Lütisburger Gemeindepräsidentin und FDP-Kantonsrätin Imelda Stadler ist am Montag zur Kantonsratspräsidentin gewählt worden. Bekannt im Kanton ist sie vor allem als Präsidentin des Turnverbands und der Wanderwege.
Marcel Elsener
Endlich wieder einmal eine Frau als Kantonsratspräsidentin: Imelda Stadler (FDP). (Bild: Urs Bucher)

Endlich wieder einmal eine Frau als Kantonsratspräsidentin: Imelda Stadler (FDP). (Bild: Urs Bucher)

In Basel ist am Montag zum ersten Mal in der 108-jährigen Geschichte des Fasnachtskomitees eine Frau gewählt worden. So dominant wie in der Basler Fasnacht ist die Männerherrschaft in der St. Galler Politik nicht mehr: Jedoch ist Imelda Stadler, die am Montag mit 99 von 99 gültigen Stimmen als Kantonsratspräsidentin gewählt wurde, die erste Frau an der kantonalen Parlamentsspitze seit neun Jahren, als Elisabeth Schnider das Präsidium übernahm. Und sie ist erst die achte St. Galler Kantonsratspräsidentin, nachdem 1980 Johanna ­Nüesch-Winzeler das seit 1803 stets von Männern regierte Parlament als erste Frau anführte.

Als Frau als Erste und oft allein in Männergremien bestehen zu können, davon kann die FDP-Kantonsrätin und Lütisburger Gemeindepräsidentin ein Lied singen. So ist sie etwa – als Vizepräsidentin – im Fraktionsvorstand oder im Vorstand der Amtsbürggenossenschaft die einzige Frau. «Ich bin nicht für Quoten», sagt sie, «aber für gezielte Förderung: Jede Frau sollte in ihrem Gremium stets auch Frauen unterstützen und vorschlagen.» Leider sei es «immer noch so, dass eine Frau überzeugt werden muss, dass sie etwas kann».

Als Leichtathletin an die Spitze des Turnverbands

Beweisen muss Imelda Stadler, Jahrgang 1959, ursprünglich Lehrerin, Familienfrau und Mutter von drei erwachsenen Kindern (zwei Töchter, ein Sohn) und Grossmutter von vier Enkelkindern, in zweiter Ehe mit einem Finanzmitarbeiter eines Ostschweizer Konzerns verheiratet, seit 2006 Kantonsrätin und seit 2010 Gemeindepräsidentin (mit 50-Prozent-Anstellung), schon lange nichts mehr. «Ich habe mir vieles zugetraut und vieles angepackt, und nichts konnte mich umhauen», sagt sie schmunzelnd. «Aber manchmal muss man sich bewusst werden, was man sich nebst der Familie noch aufladen und ob man so stark in den Fokus der Öffentlichkeit will.» Eine feine Antwort auf die Frage, ob sie sich ein Amt in der St. Galler Regierung oder im Bundesparlament vorstellen könnte; tatsächlich war sie zeitweise als Kandidatin für die Nachfolge Willi Haags gehandelt worden, und für den Nationalrat hat sie bereits dreimal kandidiert, mit stets guten Resultaten. Auf die ­Liste habe sie sich setzen lassen, um der FDP zum «grünen Gewissen» zu verhelfen, sagt die Umweltfreisinnige; ein viertes Mal 2019 sei eher unwahrscheinlich.

Zur Politik kam Imelda Stadler spät, ihr gesellschaftliches Engagement begann zunächst im Sport, für den sie «lange Zeit alles gab». Im Turnen absolvierte die laufstarke Leichtathletin und Kunstturnerin, was man in der Politik «Ochsentour» nennt: Sie war in allen möglichen Chargen tätig, von der Damenriege Bazenheid bis zum Präsidium des St. Galler Turnverbandes, bis heute ist sie im Vorstand der IG St. Galler Sportverbände sowie als Stiftungspräsidentin des Leistungszentrums Ostschweiz tätig; dazu präsidiert sie, als begeisterte Familienwandererin, die Vereinigung St. Galler Wanderwege. Chargen, in denen sie sich als Frau ebenfalls «durchbeissen musste», wie sie andeutet, und in denen manchmal auch politische Kenntnisse gefragt waren. Im engeren Sinn politisch wurde Imelda Stadler erst im Alter um etwa vierzig: «Schuld» war der Ganterschwiler FDP-Gemeinderat Albert Kramer, der sie und ihren Mann («ihn zuerst, wie immer») zur Mitgliedschaft in der Partei überredete – erfolgreich, weil ihr «seine gute Sachpolitik» imponierte. Sie begann als Beisitzerin, war bald Ortsparteipräsidentin. Dabei stammt die überzeugte Liberale aus einer CVP-Familie, ihr Vater, Möbelschreiner und später Versicherungsangestellter, war ein Cousin von Bundesrat Arnold Koller und arbeitete in der Firma des Vaters von CVP-Regierungsrätin Rita Roos.

FDP-Dorfgemeinderat und die starke Mutter

Die Debatte um einen Neubau der Bazenheider Kirche nennt sie als politische Initialzündung in ihrer Jugend, wichtiger noch war aber der Einfluss der Mutter: Die Damenschneiderin mit Jahrgang 1928 sprach mehrere Sprachen, fuhr Auto und nahm ihre Tochter regelmässig mit zum Einkauf nach Zürich. «Sie war mein grösstes Vorbild», sagt Imelda Stadler. Als weitere prägende Persönlichkeiten nennt sie Nelson Mandela oder die frühere FDP-Ständerätin Christine Egerszegi («korrekt und bodenständig, man hörte ihr zu, ohne dass sie poltern musste»). Was durchaus auch für Imelda Stadler zutrifft: Sie ist nicht für schrille Vorstösse bekannt, sondern für stille Kommissionsarbeit, am längsten in der staatswirtschaftlichen. Doch kann sie sehr wohl resolut vertreten, was ihr, etwa in der Bildung oder im Sport, am Herzen liegt.

Warum die neue Ratspräsidentin die eigenständige, beharrliche, belastbare Persönlichkeit ist, die sie ist, hängt auch mit dem frühen Verlust des Vorbilds zusammen: 1974 stirbt die Mutter an den Folgen eines Autounfalls, der Verursacher war betrunken und zu schnell unterwegs, Vater und 15-jährige Tochter überleben schwer verletzt. Eine schmerzhaft prägende Erfahrung und ein «automatischer Grund, mehr Verantwortung zu übernehmen» – für ihre vier jüngeren Brüder. Ebenfalls von der Flawiler Mutter begünstigt ist die Freude am Schönen und am eigenen Naturgarten. Wie viel der Toggenburgerin an ihren Wurzeln liegt, besagten die an der Wahlfeier im Rat verteilten Glückskäfer der Flawiler Schoggifabrik, die just seit 1959 auf dem Markt sind. Die Sportliebe bezeugten die Fürstenländer Kunstturnerinnen, die Ausschnitte aus dem Musical «Grease» gar auf den Tischen der Regierung tanzten – Frauenpower mit einem Hauch von Rebellion.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.