Rechtsprofessor Peter Sester muss 80'000 Franken zurückzahlen: Regierungsrat Stefan Kölliker spricht von einem «akzeptablen Abschluss» der Spesenaffäre

Die Disziplinaruntersuchung gegen Peter Sester ist beendet, das Strafverfahren rechtskräftig eingestellt. Die Universität St.Gallen einigt sich mit ihrem ehemaligen Rechtsprofessor aussergerichtlich. Er bezahlt seiner Ex-Arbeitgeberin einen Grossteil der beanstandeten Spesensumme zurück.

Noemi Heule
Drucken
Teilen
Die Spesenaffäre um Rechtsprofessor und Brasilienspezialist Peter Sester hat die HSG im Jahr 2018 erschüttert.

Die Spesenaffäre um Rechtsprofessor und Brasilienspezialist Peter Sester hat die HSG im Jahr 2018 erschüttert.

Bild: Urs Bucher

«Die HSG und Professor Peter Sester betrachten damit ihre Auseinandersetzung als umfassend bereinigt und erledigt.» Mit diesen Worten schliesst eine Medienmitteilung der Universität St.Gallen, mit der sie einen Schlussstrich unter die Spesenaffäre ziehen möchte. Und weiter:

«Professor Sester kann somit seine Karriere unbehelligt fortsetzen.»

Anfang des vergangenen Jahres reichte die Universität eine Strafanzeige gegen Sester ein, nachdem bekannt wurde, dass er zwischen 2014 und 2018 missbräuchliche Spesen im mutmasslich sechsstelligen Bereich bezogen hatte. Im Mai dieses Jahres hatte die Staatsanwaltschaft angekündigt, das Verfahren einzustellen. Die HSG beabsichtigte vorerst, die Weiterführung des Verfahrens zu beantragen, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Schadenssumme auf bis zu 120'000 Franken geschätzt

Diese Absicht wurde schliesslich fallengelassen; stattdessen arrangierten sich die Parteien aussergerichtlich. Die Einigung umfasst eine Rückzahlung Peter Sesters an die Universität in der Höhe von 80'000 Franken. «Die HSG erklärte im Gegenzug ihr Desinteresse an einer Weiterführung des strafrechtlichen Untersuchungsverfahrens», heisst es weiter. Nach Bekanntwerden der Spesenaffäre war der Schaden für die Universität auf 100'000 bis 120'000 geschätzt worden. Darunter fallen Übernachtungen in Luxushotels, First-Class-Flugreisen oder Diners in Spitzenrestaurants.

Stefan Kölliker, St.Galler Bildungsdirektor und Präsident des Universitätsrates.

Stefan Kölliker, St.Galler Bildungsdirektor und Präsident des Universitätsrates.

Bild: Nik Roth

Trotz Differenz bezeichnet Regierungsrat Stefan Kölliker, der den Universitätsrat präsidiert, die Vergleichssumme als Erfolg. Schliesslich sei der Betrag das Resultat langer Verhandlungen. Der Unirat liess sich dabei von Anwalt und FDP-Kantonsrat Walter Locher vertreten, der bereits 2018 die Administrativuntersuchung gegen das betroffene Institut geleitet hatte. Sie mündete unter anderem in ein internes Disziplinarverfahren. Es wurde im März eingestellt, nachdem Peter Sester sein Arbeitsverhältnis per Ende Januar gekündigt hatte.

Regierungsrat spricht von einem «akzeptablen Abschluss»

Insgesamt bezeichnet Kölliker die aussergerichtliche Einigung kurz und knapp als «akzeptablen Abschluss». Er lässt aber durchblicken, dass sich der Unirat gewünscht hätte, dass das Strafverfahren weitergeführt und abgeschlossen worden wäre. Da das Verfahren aber mittlerweile rechtskräftig eingestellt und ad acta gelegt ist, wollen sich weder Kölliker noch die Staatsanwaltschaft weiter dazu äussern.

Überhaupt verliert der Regierungsrat kein Wort zu viel zur letzten Episode der Spesenaffäre, welche die Universität seit Juni 2018 medial begleitet. Da die Rückzahlung der 80'000 Franken bereits erfolgte, sei die Auseinandersetzung mit Peter Sester erledigt. Punkt.

Der Imageschaden währt länger

Nicht beziffern lässt sich allerdings der Imageschaden, den die HSG davongetragen hat. «Wir haben umgehend Massnahmen ergriffen, dass so etwas möglichst nicht mehr möglich ist», sagt Kölliker dazu. Das verschärfte Spesenreglement trat Anfang Jahr in Kraft. Das Universitätsgesetz wird im Laufe des kommenden Jahres überarbeitet.

Der spesenfreudige Professor und Brasilienexperte selbst, der seine Karriere gemäss Mitteilung der Uni nun unbehelligt fortsetzen kann, hat seinen Lebensmittelpunkt längst nach Brasilien verschoben. Dort treibt Peter Sester seine Karriere als Anwalt voran. Gleichzeitig ist er gemäss eigener Website als Gastprofessor in Rio de Janeiro und Lissabon tätig.

Sein ehemaliger Lehrstuhl an der Universität St.Gallen ist seit dem überstürzten Abgang verwaist. Das Berufungsverfahren für die Professur für Internationales Wirtschaftsrecht und Law & Economics zieht sich in die Länge, wie die Uni auf Anfrage mitteilt.

Mehr zum Thema