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Die Ostschweiz braucht immer weniger Wasser

Wegen der herrschenden Trockenheit rufen viele Gemeinden zum Wassersparen auf – gesamthaft tut das die Schweiz jedoch schon seit den 1980er-Jahren. Und es dürfte noch länger so weitergehen.
Kaspar Enz
Bessere Spülmaschinen tragen dazu bei, dass der Wasserverbrauch sinkt. (Bild: Getty)

Bessere Spülmaschinen tragen dazu bei, dass der Wasserverbrauch sinkt. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Zur Evakuierung einer Nationalfeier mag es hier und dort gereicht haben. Doch meteorologisch waren die Gewitter von letzter Woche nur Tropfen auf den heissen Stein. Auch heute dürfte es in weiten Teilen des Landes wieder über 30 Grad heiss werden. Meteo Schweiz dehnt die Hitzewarnung bis Mittwoch aus. Bereits werden hier und da Brunnen abgeschaltet, und manche Gemeinde ruft dazu auf, mit Wasser sparsam umzugehen. Wird das mit dem Klimawandel bald zur Normalität? «Diese Extremsituationen werden zunehmen», sagt Dominique Zimmer, zuständig für Wasserversorgung und -nutzung beim Amt für Umwelt des Kantons Thurgau. Gleichzeitig brauchen die Schweizer aber im Durchschnitt immer weniger Wasser.

Wasser muss frisch bleiben

Für die Wasserversorger ist das eine Herausforderung. Reservoirs und Rohre müssen so dimensioniert werden, dass sie bei mittlerem Betrieb ökonomisch funktionieren. Gleichzeitig müssen sie in Spitzenzeiten genügend Wasser liefern können. Das heisst in Hitzesommern gut und gern 50 Prozent mehr als im Durchschnitt. Aber grösser ist in der Wasserversorgung nicht besser. «Das Wasser muss sich regelmässig erneuern», sagt Matthias Freiburghaus. So komme es schön frisch aus dem Hahnen, sagt der technische Berater Wasser beim Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW).

Auch beim Abwasser kann der sinkende Wasserverbrauch Probleme verursachen. «Fliesst weniger Wasser durch die Kanalisation, können sich mehr Ablagerungen bilden.» Tatsächlich gebe es Wasserversorgungen, die heute Überkapazitäten aufweisen, weil sie sich in den 1960er- und 1970er-Jahren verschätzt hatten, als der Wasserverbrauch noch eher anstieg.

Die Verbraucher merken die Auswirkungen des sinkenden Verbrauchs am ehesten auf der Wasserrechnung. Denn viele Versorger erhöhten ihre Wassertarife, um trotz des sinkenden Absatzes die Kosten zu decken. Die Rechnung bleibt für die meisten Familien deshalb etwa gleich, sagt Freiburghaus.

Strukturwandel spart Wasser

Rund 300 Liter Trinkwasser verbraucht eine Person im Durchschnitt, wenn man den Verbrauch von Gewerbe und Industrie einrechnet. Noch vor zehn Jahren war dieser Verbrauch rund 40 Liter höher. Und trotz Bevölkerungswachstum verbraucht die Schweiz rund einen Fünftel weniger Trinkwasser als noch in den 1970er-Jahren.

Dies geschah, ohne dass der Durchschnittshaushalt sich merklich einschränken musste. Ein Teil des Rückgangs erkläre sich mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel. Wie viel die Industrie ausmachen kann, zeigt das Beispiel Bischofszell (siehe Grafiken unten). Auch hier sank der Wasserverbrauch seit 2007 deutlich: Von 1253 Litern pro Tag und Einwohner auf 1026 im Jahr 2015 – mehr als das dreifache des Thurgauer Durchschnitts. Grund für diesen hohen Verbrauch ist die ansässige Lebensmittelindustrie. Doch viele wasserintensive Industriezweige wie die Papier- oder die Textilindustrie sind stark geschrumpft. Und bei vielen Unternehmen sei auch das Bewusstsein für das Problem gewachsen, sagt Dominique Zimmer. «Viele Unternehmen bereiten gebrauchtes Wasser auf und verwenden es wieder.»

Grafik zum Wasserbedarf im Kanton Thurgau:

Wasserbedarf Thurgauer Gemeinden

Inklusive Gewerbe und Industrie, in Liter pro Einwohner und Tag
Frauenfeld
Sirnach
Bischofszell
Schweiz (Durchschnitt)
2007200820092010201120122013201420152016050010001500

Mindestens so wichtig beim Rückgang des Verbrauchs waren aber die Haushalte. Effizientere Wasch- und Spülmaschinen oder der Sparknopf an der Toilette liessen den Verbrauch im Haushalt in den letzten 20 Jahren von 162 auf 142 Liter sinken (siehe Grafik unten). Technologisch seien wohl noch einige Schritte möglich, glaubt Matthias Freiburghaus. Und da noch nicht alle Haushalte mit sparsamen Geräten ausgestattet sind, dürfte der Durchschnittsverbrauch im Haushalt noch weiter zurückgehen. 130 Liter im Tag seien bis in zehn, fünfzehn Jahren möglich.

Grafik zum Wasserverbrauch eines Schweizer Haushalts:

Wasserverbrauch im Haushalt

in Liter pro Einwohner und Tag
Verbrauch 1997 (SVGW)
Verbrauch 2014 (Schätzung SVGW)
01020304050WC-SpülungDuschen, BadenKüchenspültischWaschautomatLavabo BadGeschirrspülerAussenbereich

Grafik zur Entwicklung der Wasserabgabe:

Quelle: SVGW / Grafiken: jbr

Quelle: SVGW / Grafiken: jbr

Das Wasser könnte knapp werden

Auch wenn Hitzesommer wie der aktuelle häufiger würden, dürfte das Trinkwasser für die Thurgauer Bevölkerung nicht so schnell knapp werden, sagt Dominique Zimmer. Aber nach zwei oder drei solcher Sommer hintereinander könne es schon sein, dass das Grundwasser sich nicht mehr erholen kann.

Auch im Kanton St.Gallen befürchtet man, dass die Klimaerwärmung die Wasserversorgung negativ beeinflusst. Im «Leitbild 2014 für die Wasserversorgung» befasst sich der Kanton mit der Versorgung bis ins Jahr 2040. Der Bericht geht von wärmeren Sommern und weniger Schnee aus. Viele Gewässer dürften künftig früher ihre Höchststände erreichen. Vor allem Quellen und Grundwasservorkommen wären davon betroffen. Und ausser der Region St.Gallen, die ihr Trinkwasser aus dem Bodensee bezieht, läuft im ganzen Kanton fast nur Grund- und Quellwasser aus dem Hahnen.

Entsprechend zeigen die Szenarien für die Versorgung im Jahr 2040 eine Zunahme der Gemeinden, in denen das Wasser im Spitzenbetrieb ungenügend werden könnte: Rund ein Drittel der Gemeinden oder 19 Prozent der Bevölkerung wären betroffen.

Netze noch besser vernetzen

Um solche Engpässe zu vermeiden, sollten die Wasserversorger ihre Netze zusammenhängen, sagt Matthias Freiburghaus. Am schnellsten reagieren meist Quellen auf die Trockenheit. Seewasserwerke seien hingegen zuverlässige Versorgungsstandbeine.

So rät auch das St.Galler Leitbild für die Wasserversorgung vielerorts zum Bau neuer Verbindungen zwischen einzelnen Wassernetzen. Eine Entwicklung, die auch im Thurgau voranschreitet. «Es gibt nur noch wenige Inseln», sagt Dominique Zimmer. Insbesondere nennt er die Verbindung von Weinfelden mit Kreuzlingen, die vor wenigen Jahren gebaut wurde. «Damit kann Thurgrundwasser nach Kreuzlingen gepumpt werden – oder Seewasser ins Thurtal.»

Wasser Sparen hilft allen

Sicher ist: «Den Verbrauch zu reduzieren ist gerade bei Wassermangel im Interesse aller», sagt Matthias Freiburghaus. Dabei zeigen sich bis anhin die Haushaltgeräte als sparsamer als die Einwohner selber. So ist der Wasserverbrauch fürs Duschen gestiegen. «Die tägliche Dusche ist heute für die Mehrheit normal.» Hier hole wohl am meisten heraus, wer selber Wasser sparen will: «Um sauber zu sein, muss man nicht 15 Minuten unter dem laufenden Wasser stehen.»

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