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Die Regierungen versprechen zu viel

Kommentar
Adrian Vögele

Eigentlich geht es gar nicht um den Sport. Sondern um Macht. Die Diskussion über das Bundesobligatorium für den Schulsport ist im Grunde ein Streit um Kompetenzen, nicht um Inhalte. Für die Bildung im Allgemeinen und die Festlegung von Lektionenzahlen im Besonderen sind die Kantone zuständig. Einzig im Fach Sport macht ihnen der Bund eine Vorschrift. Das ist aus ordnungspolitischer Sicht nicht konsequent. Dass Regierungsräte erfreut reagieren, wenn dieses Obligatorium gestrichen werden soll, erstaunt deshalb nicht. Ebenso wenig verwundert es, dass der Vorschlag aus dem eidgenössischen Finanzdepartement stammt. Entfällt die Regelung, muss sich der Bund die Frage nicht mehr anhören, warum er denn die Sportlektionen nicht mitfinanziere.

Doch Ordnungspolitik und Inhalt lassen sich eben doch nicht völlig trennen. Wenn der Umfang des Schulsports so oder so gleich bleibt oder gar zunimmt, wie die Kantone betonen – warum stören sie sich dann am Minimum, das der Bund vorschreibt? Die Debatte um das Sportförderungsgesetz liegt erst sechs Jahre zurück, und sie war äusserst zäh. Jetzt den ganzen Aufwand nochmals zu betreiben, wenn es nur eine Formalität zu korrigieren gibt, wäre nicht verhältnismässig. Aber natürlich ist das nicht alles: Wenn die Regelung gestrichen wird, gewinnen die Kantone Handlungsspielraum. Auch finanziell.

Die sportliche Betätigung der Schüler hängt nicht auf Gedeih und Verderb von einem Bundesobligatorium ab. Im Kanton St. Gallen etwa ist der freiwillige Schulsport sehr beliebt. Am nationalen Schulsporttag 2016 stellte St. Gallen die zweitgrösste Delegation nach Zürich. Dennoch: Die regulären Sportlektionen haben ihre Berechtigung. Vor allem, weil sie auch Jugendliche einbeziehen, die keine privaten Angebote nutzen können oder wollen. Zugleich haben bei den Kantonsausgaben nicht die Regierungen, sondern die Parlamente das letzte Wort. Darum versprechen die Bildungsdirektoren zu viel, wenn sie jetzt versichern, beim Schulsport werde nicht gespart. Ihnen das Vertrauen zu entziehen, wie dies der Sportlehrerverband tut, führt zwar zu weit. Aber Skepsis ist angebracht.

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

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