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Sie hat besondere Haustiere: die Putzkolonne aus Afrika

Salome Peter aus St.Margrethen hat spezielle Haustiere. Während eines sehr viele Füsse hat, galt ein anderes bis 1994 als ausgestorben.
Benjamin Schmid
Salome Peter beobachtet ihren beinahe 30 Zentimeter langen Jeffrey. (Bilder: Benjamin Schmid)

Salome Peter beobachtet ihren beinahe 30 Zentimeter langen Jeffrey. (Bilder: Benjamin Schmid)

Es ist ein Mythos, dass Tausendfüssler tausend Füsse haben. Einzelne Arten besitzen nur wenige Beinpaare. Das Exemplar mit den meisten gezählten Beinen hatte 750. Jeffrey und Samantha besitzen weniger Beine, sind dafür die grössten ihrer Art. Sie sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt, haben einen langen und nahezu runden Körper, der bis zu 30 Zentimeter lang werden kann. Die aus Ost- und Südafrika stammenden Riesentausendfüssler kommen vornehmlich in Trockensavannen mit ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten vor. Seit drei Jahren lebt das Paar bei Salome Peter in St. Margrethen. «Es sind Tiere, die man sieht und spürt», sagt die 25-Jährige, «ihre Grösse und ihr Aussehen wirken surreal, ihre Fortbewegung in Wellen ist faszinierend, ausserdem sind sie pflegeleicht.»

Tiere entdecken und erforschen

Bereits in jungen Jahren übten Insekten und Reptilien einen besonderen Reiz aus auf Salome Peter. «Ich rettete gerne Tiere, kümmerte mich um ihr Wohlbefinden, pflegte und fütterte sie und liebte es, ihr Verhalten zu beobachten.» Weil ihr Lieblingstier – das Krokodil – weder in der Schweiz heimisch ist noch zur häuslichen Haltung empfohlen wird, suchte die gelernte Landschaftsgärtnerin nach Alternativen.

Bald wurde sie bei den Gespenstschrecken fündig. Die bizarren und sehr skurrilen Formen der Tiere faszinierten die St. Margretherin. Bei einer Bekannten entdeckte sie schliesslich in einem Terrarium nebst Schrecken auch einen eingerollten Tausendfüssler. «Seine Farbe, Musterung, Form und sein Verhalten sind grundverschieden gegenüber gewöhnlichen Haustieren», sagt Salome Peter, «ich wurde sogleich in seinen Bann gezogen.» Für sie war klar, solche Tiere müssen her. Kurzerhand hat sie sich Jeffrey und Samantha aus einer Aufzucht gekauft. Seither vergehe kaum ein Tag, an dem sie sich nicht ans Terrarium setzt, die Tiere beobachtet und ihr Verhalten erforscht. Das abstrakte Erscheinungsbild der Tiere habe sie schon oft zum Zeichnen und Malen angeregt.

Der Kronengecko galt knapp 130 Jahre lang als ausgestorben, bis er 1994 wiederentdeckt wurde.

Der Kronengecko galt knapp 130 Jahre lang als ausgestorben, bis er 1994 wiederentdeckt wurde.

Bei der Paarung wird gekuschelt

Trotz ihrer vielen Beine seien die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere flinker und kräftiger, als man denken würde. «Sie sind mir auch schon entwischt», sagt Salome Peter, «sogar bei geschlossenem Deckel.» Dann habe sie die Tiere eingerollt in Kleidern oder unter Zeichnungen wiedergefunden. Charakteristisch für die Tausendfüssler ist ihre Gefrässigkeit. «Sie werden auch als Putzkolonne aus Afrika betitelt», sagt die Teilzeitkünstlerin. Sie jagen nicht, fressen aber fast alles, was ihnen in die Quere kommt: Blüten, Holunder, Litschi, Kellerasseln, Shrimps, aber auch halbmorsches Holz und frisches Laub stehen auf ihrem Speiseplan. In tropischen Wäldern sind sie die Hauptzersetzer der Laubschicht. «Die Blätter werden regelrecht skelettiert und die zerkauten Teile im Verdauungstrakt zu wertvollem Humus umgewandelt», sagt die Landschaftsgärtnerin.

Es sei ihr ein Anliegen, möglichst naturgetreue Bedingungen zu schaffen, damit es ihren Lieblingen an nichts fehlt. Dazu gehören eine hohe Luftfeuchtigkeit, konstante Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad, Klettermöglichkeiten sowie eine teils feuchte, teils trockene Erdschicht von 30 Zentimetern, in die sich die Tiere bei der Häutung eingraben können. Dann seien die Tiere wochenlang nicht zu sehen, weil sie sich in ihrer Häutungskammer aufhalten. Bemerkenswert sei aber auch ihr Paarungsverhalten. Vor und während dem Geschlechtsakt scheinen die Tiere miteinander zu tanzen. Das Männchen vollführt bestimmte Bewegungen auf dem Rücken des Weibchens, um sich ihrer Paarungsbereitschaft zu vergewissern. Die Tiere kommunizieren aber nicht nur mittels Bewegungen, sondern sie sind in der Lage, aus Lücken zwischen ihren Körperringen ein Verteidigungssekret abzusondern, das stinkt und die Haut reizt. «Mit der Zeit unterlassen sie es und werden zahm», sagt Salome Peter, «manchmal laufen sie über meine Arme und fressen mir aus der Hand.»

Nebst den grössten Tausendfüsslern beherbergt die Landschaftsgärtnerin aber auch vier kleine, knallig rote Tausendfüssler. Die im Süden Mosambiks heimischen Tiere erreichen eine Länge von sieben bis neun Zentimetern und gelten als geschickte Kletterer.

Sensationelle Wiederentdeckung

Salome Peters letzte Anschaffung galt nach ihrer Entdeckung 1866 für knapp 130 Jahre als ausgestorben. Erst 1994 wurde sie wiederentdeckt – eine Sensation! Es handelt sich um den Kronengecko, ein 22 Zentimeter langes Reptil, das sich wachsender Beliebtheit erfreut. Der dämmerungs- und nachtaktive Baumbewohner kommt ausschliesslich am südlichen Ende von «Grande Terre» auf Neukaledonien vor. Aufgrund seiner relativ unkomplizierten Haltungsansprüche wird er erfolgreich in Terrarien gehalten und gezüchtet. Markant ist seine Krone, die aus zwei Reihen stachelartigen Schuppen besteht, die sich hinter den Augen über den Kopf bis zum Schwanzansatz ziehen. «Er sieht aus wie ein freundlicher und liebenswürdiger kleiner Drache», sagt Salome Peter, «Aju heisst der Kronengecko. Er ist fünfjährig und hat immer noch seinen Schwanz.»

Wie viele Geckos kann auch er seinen Schwanz in Gefahren- oder Stresssituationen abwerfen, im Gegensatz zu Eidechsen wächst dieser bis auf einen Stummel aber nicht mehr nach. «Eine weitere Besonderheit ist das sogenannte Fire-up», sagt die St.Margretherin, «ein Farbspiel, das einsetzt, wenn sich der Kronengecko Veränderungen ausgesetzt sieht.» Nebst der Temperatur oder der Tageszeit kann dies auch durch eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit, den erwachenden Jagdtrieb oder bei Beschäftigung mit dem Tier ausgelöst werden. Aju sei kein Kuscheltier, wie eine Katze oder ein Hund, daher sollten sich allfällige Halterinnen und Halter vorgängig gut darüber informieren.

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