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Die Pleite hat Konjunktur:
Rekord an Konkursen
im Kanton St.Gallen

Die Zahl der Konkurse steigt fast überall in der Ostschweiz. Ein Grund dafür ist der Boom bei den Firmengründungen: Nicht alle neuen Unternehmen überstehen die ersten paar Jahre. Auch der Onlinehandel spielt eine Rolle.
Adrian Vögele, Noemi Heule
Über 600 Firmen gingen im vergangenen Jahr in der Ostschwez in Konkurs. (Bild: Getty)

Über 600 Firmen gingen im vergangenen Jahr in der Ostschwez in Konkurs. (Bild: Getty)

Der Wirtschaft geht es gut – und dennoch werden Konkurse immer häufiger. Der Kanton St. Gallen vermeldet einen neuen Rekord: 781 Konkurse wurden im vergangenen Jahr eröffnet, das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. 423 Firmen waren betroffen, 15 mehr als im Jahr 2017. Auch die Zahl der Privatkonkurse ist gestiegen – von 54 auf 74 –, allerdings liegt dieser Wert unter dem langjährigen Durchschnitt. Hinzu kommen die Nachlässe mit Schulden, für die niemand aufkommen will: 284 Erbschaftskonkurse hat der Kanton im vergangenen Jahr eröffnet, Tendenz leicht sinkend.

Für den Anstieg bei den Firmenkonkursen lasse sich kein eindeutiger Grund ausmachen, sagt Daniel Wild, stellvertretender Leiter des Konkursamtes. Auffällig sei aber, dass die Konkurse bei den noch jungen Unternehmen, die erst wenige Jahre tätig seien, tendenziell zunähmen. Das bestätigt Claude Federer, Sekretär des Schweizerischen Gläubigerverbands Creditreform. Die Ursache sei simpel: «Es werden nach wie vor sehr viele neue Firmen ins Leben gerufen.» In allen Ostschweizer Kantonen ist die Zahl der Neugründungen deutlich höher als die Gesamtzahl der Konkurse (siehe Grafik). Erfahrungsgemäss komme zwei bis vier Jahre nach der Gründung die heikle Phase, in der sich zeige, ob das Unternehmen überleben könne oder nicht, sagt Federer: «Die Konkurse sind eine natürliche Korrekturbewegung: Die Schwächsten müssen aufgeben.»

Baugewerbe und Gastronomie haben hohes Risiko

Am stärksten vom Konkurs bedroht sind nicht etwa die Start-ups im technologischen Bereich: In der Schweiz ist das Risiko einer Insolvenz für Baugewerbe, Handwerker und Gastrobetriebe am höchsten, wie der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B schreibt. In der Rangliste folgen die Möbel- und Holzindustrie, Logistik, Telekommunikation, Transportwesen und Textilwirtschaft. Das St.Galler Konkursamt führt keine Statistik über die Verteilung der Konkurse nach Branchen, «doch gefühlsmässig decken sich diese Rankings ungefähr mit unseren Erfahrungen», sagt Daniel Wild. Bei den Konkursen im Detailhandel fällt laut Experte Claude Federer auch ins Gewicht, dass immer mehr im Internet eingekauft wird.

Viele Erbschaftskonkurse im Thurgau

Im Kanton Thurgau haben die Konkurse ebenfalls zugenommen – von 329 auf 349, was allerdings keinen Rekord bedeutet. Von den 137 betroffenen Firmen waren die meisten im Dienstleistungsbereich, im Gross- und Detailhandel sowie in der Produktion tätig. Noch höher ist aber die Zahl der Erbschaftskonkurse: 182 schuldenbeladene Nachlässe musste der Kanton im vergangenen Jahr bearbeiten. Die Leute seien vorsichtiger geworden, was Erbschaften angehe, sagt Martin Wenk, Leiter des Thurgauer Konkursamts. «Früher kannte man sich in der Verwandtschaft besser und wusste eher über die finanziellen Verhältnisse der anderen Familienmitglieder Bescheid.» Heute hingegen werde eine Erbschaft schnell einmal ausgeschlagen, wenn die Erben sich nicht absolut sicher seien, dass sie schuldenfrei sei. Auch Daniel Wild vom St.Galler Konkursamt sagt: «Heutzutage ist man möglicherweise weniger bereit, im Rahmen einer Erbschaft Schulden zu übernehmen, als in der Vergangenheit.»

Auch in Appenzell Innerrhoden werden deutlich mehr Konkurse eröffnet, allerdings auf tiefem Niveau. Im Jahr 2015 waren es sechs Fälle, im Jahr 2018 bereits 30. Ein grosser Teil der Fälle hat jedoch nichts mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu tun, sondern mit der Organisation der Firmen: Seit 2008 können Handelsregisterämter, Aktionäre oder Gläubiger den Konkurs einer Firma beantragen, wenn dem Unternehmen Organe fehlen oder diese nicht korrekt zusammengesetzt sind. Die Hälfte der 30 Konkurse im vergangenen Jahr in Innerrhoden hatte solche Organisationsmängel zur Ursache. Oft ging es um Firmen, die nur noch wenig oder gar nicht mehr geschäftstätig waren.

3600 neue Firmen in der Ostschweiz

Rekordhohe Konkurszahlen folgen auf ein Rekordhoch an Firmengründungen in den vergangenen zwei Jahren. Nie wurden in der Schweiz mehr Unternehmen registriert als im Jahr 2017. Der Trend setzte sich 2018 fort, wenn auch leicht abgeschwächt. Knapp 43000 Unternehmen wurden im vergangenen Jahr schweizweit im Handelsregister eingetragen, rund 3600 davon in den Ostschweizer Kantonen. Das Institut für Jungunternehmen mit Sitz in St. Gallen spricht denn auch von einem regelrechten «Gründungsboom». In der Ostschweiz zeigte sich dieser Trend allerdings weit weniger deutlich als in der übrigen Schweiz. Eine Ausnahme bildet St. Gallen: Der Kanton belegt mit rund 2000 Neugründungen 2018 den siebten Platz auf der nationalen Rangliste. Das Institut für Jungunternehmen begleitet jährlich 2000 Firmengründungen. Das Risiko eines Konkurses ist in den ersten Jahren am grössten (siehe Haupttext). «Der Aufbau einer Firma benötigt Kraft, Durchhaltevermögen und Leidenschaft», sagt Simon May, Geschäftsführer des Instituts. Meist dauere die Anfangsphase länger und koste mehr als ursprünglich geplant. Sich seriös auf den Start der neuen Firma vorzubereiten, etwa mit einem Businessplan und einer geeigneten Rechtsform, sei in jedem Fall zentral, sagt May. Sogenannte Tech-Start-ups, stark wachstumsorientiert und mit internationalen Ambitionen, wie sie St. Gallen beispielsweise mit dem Innovationszentrum Startfeld anlocken will, machen schweizweit nur einen Bruchteil der Neugründungen aus. Etwa 300 solche Unternehmen werden gemäss May pro Jahr in der Schweiz ins Leben gerufen. Der weit grösste Teil der neugegründeten Firmen sind dagegen Ein-Mann-Unternehmen. (nh)

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