Die Pfahlbauer erleben

Die Pfahlbauer-Fundstätten um den Seedamm gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Nun will eine IG deren Geschichte erlebbar machen, die Stadt Rapperswil-Jona finanziert eine Studie.

Pascal Büsser
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Vision: Die interaktive Ausstellung Pfahlbauland war 1990 in Zürich mit 400 000 Besuchern ein grosser Erfolg – nun soll in Rapperswil-Jona die Geschichte im kleineren Rahmen permanent erlebbar werden. (Bild: pd/Südostschweiz)

Vision: Die interaktive Ausstellung Pfahlbauland war 1990 in Zürich mit 400 000 Besuchern ein grosser Erfolg – nun soll in Rapperswil-Jona die Geschichte im kleineren Rahmen permanent erlebbar werden. (Bild: pd/Südostschweiz)

RAPPERSWIL-JONA. Seit 2011 sind die 111 bedeutendsten Pfahlbauer-Fundstätten im Alpenraum Unesco-Weltkulturerbe. Zentrale Fundstellen liegen in der Schweiz, vier davon im Zürichsee vor Rapperswil-Jona. Es sind Spuren jener Menschen, welche die Region zwischen 4300 und 800 vor Christus bewohnt haben. Das Problem: Anders als von Zeugen späterer Zeiten, etwa dem Schloss, ist nichts davon sichtbar. Denn die Fundstellen liegen im See.

Das könnte sich bald ändern. Denn durch das Unesco-Label verspürt die Stadt «eine gewisse Verpflichtung, diesem Kulturerbe Sorge zu tragen und es in angemessener Weise zu zeigen», erklärt Stadtpräsident Erich Zoller. Bereits 2011 hatte die damalige Stadträtin Marianne Aguilera von der Idee eines Erlebniszentrums gesprochen. Seither hörte man allerdings nichts mehr vom Projekt.

Nun nimmt die Stadt einen neuen Anlauf. Beziehungsweise die Interessengemeinschaft Archäopark Zürichsee. Diese wollte eigentlich auf der anderen Seeseite in Freienbach ein Pfahlbauerdorf rekonstruieren. Doch der Gemeinderat sprach sich gegen die Pläne aus.

Verschiedene Angebote denkbar

Nun ist für die IG Rapperswil-Jona in den Fokus des Interesses gerückt. Die Interessengemeinschaft will nun bis Ende Jahr eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten. Die Stadt Rapperswil-Jona hat im Budget 2015 dafür einen Betrag von 30 000 Franken eingestellt, nachdem im letzten Herbst erste Gespräche stattgefunden hatten.

An Ideen mangelt es den Initianten nicht, wie Recherchen der «Südostschweiz» zeigen. Kernstück wären zwei bis drei rekonstruierte Pfahlbauer-Häuser mit einer Infostelle. Als möglicher Standort steht der Uferbereich beim Holzsteg neben dem Seedamm im Vordergrund, wo sich wichtige Fundstellen befinden. Daneben sind für die IG diverse weitere Angebote denkbar: etwa Getreide mahlen mit Werkzeugen aus der Zeit, Vermitteln von urzeitlichen Webtechniken oder Herstellen von Steinzeitbeilen. Solche Angebote sind im Rahmen von Ausgrabungen beim Zürcher Sechseläutenplatz 2010 bei Schulklassen auf grosses Interesse gestossen. Denkbar ist offenbar auch, rückgezüchtetes Kleinvieh, wie es zur Zeit der Pfahlbauer üblich war, zu zeigen. Das Ziel der Initianten ist es, Einblick zu geben, wie die Menschen in damaliger Zeit gelebt haben.

Nicht grosse Massen anlocken

Welche Angebote Sinn machen, und an welche Zielgruppe sie sich richten, soll die Machbarkeitsstudie aufzeigen. Sie soll auch darlegen, wie ein Finanzierungs- und Betriebskonzept aussehen könnte.

Für Stadtpräsident Zoller ist klar, dass das Projekt eher im Bildungs- als im reinen Erlebnisbereich angesiedelt werden soll. Möglich ist auch darzustellen, wie Spezialisten mittels Taucharchäologie überhaupt Erkenntnisse zu den Pfahlbauern gewinnen können. Anders als das grosse Pfahlbauerdorf in Unteruhldingen am Bodensee soll das Angebot nicht die grossen Massen nach Rapperswil-Jona locken – trotz beträchtlichem touristischem Potenzial. «Klein, aber fein» laute das Motto.

Im Optimalfall 2017 starten

Aufgrund der Platzverhältnisse zielen die Pläne der IG auf eine dezentrale Struktur ab – nicht alle Angebote würden zwingend am gleichen Ort stattfinden. Möglich wäre etwa eine Art Rundgang sowie die Ausnützung bestehender Räumlichkeiten für Workshops oder Vorträge. Stösst die Machbarkeitsstudie auf Anklang, könnte daraus ein konkretes Projekt entstehen. Im besten Fall könnten bis 2017 die Pfahlbauer von Rapperswil-Jona zum Leben erweckt werden.