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Kommentar

Die persönlichen Daten sind heilig

Künstliche Intelligenz soll Betrug frühzeitig aufdecken. Doch eine Welt ohne Verbrechen ist eine trügerische Utopie. Der Preis dafür wäre die totale Überwachung.
Michael Genova

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Michael Genova

Michael Genova

Wie schön wäre doch eine Welt, in der es keine Betrüger und Verbrecher gäbe! Eine Utopie? Nein, ein konkretes Versprechen neuartiger Softwareunternehmen. Mit künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernalgorithmen wollen sie unredliches Verhalten von Schwindlern frühzeitig entdecken oder sogar verhindern. Spesen- oder Reisekostenmissbrauch gehörten endlich der Vergangenheit an. Die Universität St. Gallen und die Raiffeisenbank müssten nicht mehr gegen die eigenen Mitarbeiter ermitteln.

Schon heute verknüpfen Unternehmen dank moderner Datenanalyse Spesenbelege mit Kalenderdaten und Informationen aus sozialen Netzwerken. So können sie zum Beispiel beweisen, dass ein Mitarbeiter eine Dienstreise gar nicht angetreten hat. Ein Schweizer Unternehmen geht noch einen Schritt weiter: Es hat ein Computersystem entwickelt, das potenzielle Schwindler anhand von sprachlichen Auffälligkeiten aufspürt. So sollen Betrügereien verhindert werden, bevor sie überhaupt geschehen. Das klingt nach Science- Fiction, ist jedoch bereits Realität.

Doch was passiert, wenn Algorithmen zunehmend menschliche Entscheidungen ersetzen? Im Kern geht es um die Frage, ob die Maschinen den Menschen überlegen sind. Ist das Computer­programm schlauer, das mit emotionsloser Rationalität die Falschangaben in den Unterlagen eines Kreditbetrügers entlarvt. Oder der langjährige Bankbeamte, der dank Intuition und gesundem Menschenverstand Verdacht schöpft. Noch können die Maschinen die Menschen nicht ersetzten. Die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz werden zurzeit eher überschätzt, betonen Wissenschafter.

Eher unterschätzt wird hingegen das Risiko grosser Datenberge, die amerikanische Konzerne wie Facebook, Google oder Amazon seit Jahren anhäufen. Mit jedem «Like» verfeinern wir das Datenprofil, das Facebook von uns anlegt und später teuer an die Werbewirtschaft verkauft. Und Google vertrauen Millionen von Menschen freiwillig ihre E-Mails an. Doch den grosszügigen Datenspeicher gibt es nicht kostenlos – wir bezahlen mit unserer Privatsphäre.

Deshalb ist auch die Vision einer Welt ohne Betrug und Verbrechen eine trügerische. Wenn der Preis dafür die permanente Überwachung ist, sollten wir uns dagegen wehren. Befürworter neuer Überwachungstechnologien beschwichtigen, dass niemand sich sorgen müsse, solange er nichts zu verbergen habe. So argumentieren auch Geheimdienste. In letzter Konsequenz bedeutete dies, dass es kein Recht auf einen intimen Raum gäbe. Wer dies nicht will, sollte zurückhaltender mit seinen Daten umgehen.

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