Die Ostschweiz – wer gehört eigentlich dazu?

Seit den Parlamentswahlen Mitte Oktober sucht die SVP geeignete Bundesratskandidaten. Sie sollen, so heisst es allenthalben, wenn möglich aus der Ostschweiz kommen. Die Rede ist von Thomas Hurter, Hannes Germann und Heinz Brand. Sie sind aus Schaffhausen und Graubünden. Sind sie also Ostschweizer?

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Erich Niederer 16 Jahre Leiter des Regionalstudios Ostschweiz von Radio DRS, danach fünf Jahre Ausserrhoder Ratschreiber (Bild: pd)

Erich Niederer 16 Jahre Leiter des Regionalstudios Ostschweiz von Radio DRS, danach fünf Jahre Ausserrhoder Ratschreiber (Bild: pd)

Seit den Parlamentswahlen Mitte Oktober sucht die SVP geeignete Bundesratskandidaten. Sie sollen, so heisst es allenthalben, wenn möglich aus der Ostschweiz kommen. Die Rede ist von Thomas Hurter, Hannes Germann und Heinz Brand. Sie sind aus Schaffhausen und Graubünden. Sind sie also Ostschweizer?

Man könnte es sich einfach machen: So auf der Höhe von Rapperswil eine Linie von Norden nach Süden ziehen. Östlich davon ist der Osten der Schweiz. Und zu dieser Ostschweiz würden dann die Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, beide Appenzell, Glarus und Graubünden gehören.

Wie sieht es «offiziell» aus? Die Ostschweizer Regierungskonferenz will unter den Ostschweizer Kantonen informieren und koordinieren, ihre Interessen gemeinsam darstellen und gegenüber Dritten vertreten. Ihr gehören die Kantone Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graubünden und Thurgau an. Und der Kanton Zürich ist assoziiertes Mitglied. Eine gleiche Zusammensetzung hat auch die Parlamentarische Gruppe Ostschweiz, die «gemeinsame Ostschweizer Anliegen» ins Bundeshaus tragen will. Aus der Ostschweizer Regierungskonferenz sind spezielle Direktorenkonferenzen entstanden, etwa die Erziehungsdirektoren-Konferenz, der noch Schwyz und das Fürstentum Liechtenstein angehören, oder die Volkswirtschafts- und Sozialdirektoren-Konferenz (ohne Zürich) oder die Gesundheitsdirektoren-Konferenz (ohne Graubünden). Eine einheitliche Antwort auf die Frage nach der Ausbreitung der Ostschweiz ist hier also nicht zu finden.

Forscher und Handmäher

Vielleicht helfen andere Institutionen, Verbände und Vereine, die sich «ostschweizerisch» nennen, weiter. Die ostschweizerische geographische Gesellschaft äussert sich nicht zu ihrer Ausbreitung. Der Ostschweizer Gesellschaft für Höhlenforschung können alle, unabhängig ihres Wohnorts, beitreten, die «Interessen an Höhlen haben». Zum ostschweizerischen Handmähverein gehören all jene, die nicht in Bern oder der Innerschweiz Mitglied eines entsprechenden Vereins sind.

Kinderspital und Tagblatt

Präziser, was die Ausbreitung betrifft, sind das Ostschweizer Kinderspital (Träger sind die Kantone AR, AI, SG, TG und das FL), die Polizeischule Ostschweiz (das Einzugsgebiet umfasst die Kantone AR, AI, SG, TG, GR und SH sowie das FL), der Ostschweizer Fussballverband (AR, AI, SG, TG, GL, GR und FL) und der Ostschweizer Verband der Seilbahnunternehmen (AR, AI, SG, TG und GL).

Schliesslich: Der zweite Bund des St. Galler Tagblatts mit der Bezeichnung «Ostschweiz» enthält fast ausschliesslich Informationen aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau und beider Appenzell. Auch all diese Beispiele vermögen also zur Zusammensetzung der Ostschweiz keine einheitliche Lösung zu bieten. Arg wird es gar, wenn man das grösste regionale Projekt der Zukunft zu Rate zieht, die Schweizer Landesausstellung 2027 in der Ostschweiz. Trägerkantone von «Expo 2027, Bodensee – Ostschweiz» sind bislang nur Thurgau, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden.

Regierungsrat Jakob Stark, Präsident der Ostschweizer Regierungskonferenz, hat wohl recht, wenn er auf deren Homepage schreibt: «Verstärkte Beachtung müssen wir der Pflege des Begriffs <Ostschweiz> schenken. Je mehr wir alle darunter das Gleiche verstehen, desto selbstverständlicher und wirkungsvoller werden wir die Ostschweiz repräsentieren und vertreten.»

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