Die Ostschweiz ist nicht barrierefrei

Höhere Perronkanten, taktile Sicherheitslinien: Im Fernverkehr sind in den Kantonen St. Gallen und Thurgau alle Bahnhöfe damit ausgerüstet. Im Fürstenland verkehrt von 2016 bis 2018 allerdings kein Niederflur-Rollmaterial mehr Richtung Zürich.

Christoph Zweili
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Noch bis zum Fahrplanwechsel: Tiefeinstieg in den IC in Wil. (Bild: Hans Suter)

Noch bis zum Fahrplanwechsel: Tiefeinstieg in den IC in Wil. (Bild: Hans Suter)

In den Kantonen St. Gallen und Thurgau sind sämtliche Fernverkehrsbahnhöfe mit einer Perronhöhe von 55 Zentimetern in Höhe der Zugseinstiegsplattform ausgerüstet. Rollstuhlgerechte Niederflureinstiege sind also in Bad Ragaz, Flawil, Rorschach, Sargans, St. Gallen, Uzwil, Walenstadt, Wil und Ziegelbrücke sowie in Amriswil, Frauenfeld, Romanshorn und Weinfelden zu finden.

Für den zweistündlichen Rheintal-Express (gilt als Fernverkehrslinie) wurden auch die Bahnhöfe Buchs, Altstätten, Heerbrugg, St. Margrethen und Rorschach) mit den höheren Perronkanten ausgerüstet. St. Fiden wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember mit dem Wegfall des morgendlichen Entlastungszuges keine Fernverkehrshalte mehr haben, ausser die Olma-Extrazüge. Mit der Umsetzung des neuen Fernverkehrskonzeptes Zürich–Chur im Rahmen des Ausbauschritts 2025 werden dann auch die Bahnhöfe Unterterzen und Flums mit den 55-Zentimeter-Perrons für den Fernverkehr ausgestattet.

Jeder dritte mit Sicherheitslinien

18 von 55 SBB-Bahnhöfen im Kanton St. Gallen verfügen ferner über taktile, parallel zur Perronkante ausgerichtete Sicherheitslinien, an denen sich Sehbehinderte orientieren können, im Thurgau sind es 17 von 50. Diese taktil-visuellen Markierungen auf den Perrons müssen gemäss Behindertengesetz bis spätestens Ende 2023 realisiert sein.

Die Bahnhöfe sind das eine, die Züge das andere. Mit der Einführung des Drei-Zug-Konzepts zum Fahrplanwechsel vom 13. Dezember gibt es für die Schnellzugbahnhöfe Wil, Uzwil, Flawil und Gossau eine Verschlechterung: Sie werden, zumindest für drei Jahre, Richtung Zürich (–Biel/Basel) wieder ausschliesslich mit älterem Rollmaterial ohne Tiefeinstieg bedient. Der um 30 Minuten versetzt verkehrende ICN-Neigezug, der neu in Wil, Uzwil, Flawil und Gossau (anstelle des heutigen IC-Doppelstockzugs Genf–St. Gallen) hält, und der neue IR Basel–St. Gallen, der in Wil und Gossau (anstelle des heutigen ICN-Neigezugs) stoppt, verkehren beide mit Treppeneinstieg. Die SBB wollten das auf Anfrage aber nicht bestätigen.

Der Grund liegt aber auf der Hand: Die neuen, 400 Meter langen Doppelstock-Fernverkehrszüge der Firma Bombardier haben Verspätung und das Perron/Gleis 2 im Bahnhof Wil ist noch nicht für die längeren Züge hergerichtet.

Die S-Bahn ist top

Rollstuhlfahrer müssen sich damit neu für die Nutzung des Fernverkehrs nach Zürich wieder für den Hublift der SBB anmelden.

Eine Alternative wäre die S-Bahn St. Gallen mit Umsteigen in Wil oder Rapperswil Richtung Zürich. Das gesamte S-Bahn-Rollmaterial besteht aus behindertenfreundlichen Niederflurfahrzeugen der Typen GTW, Flirt und Kiss aus dem Hause Stadler.