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Interview

Regierungsrat Bruno Damann: «Die Ostschweiz ist keine Marke»

Der St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann startet einen neuen Versuch, die Zusammenarbeit im Ostschweizer Tourismus zu verstärken. Die Destinationen des Kantons sollen an einen Tisch gebracht werden.
Kaspar Enz
«Die Region Ostschweiz hat viel zu bieten», sagt Bruno Damann – See und Alpstein inklusive. (Bild: Urs Bucher)

«Die Region Ostschweiz hat viel zu bieten», sagt Bruno Damann – See und Alpstein inklusive. (Bild: Urs Bucher)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Der Kanton St. Gallen will die Tourismusförderung umbauen: Das Geld wird nicht mehr an die einzelnen Tourismusregionen verteilt, es soll an den neuen Tourismusrat gehen. Die Branche soll das Geld selber aufteilen. Der St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann erklärt weshalb.

Bruno Damann, warum wollen Sie einen Tourismusrat einführen?

Der Hintergedanke ist klar: Die Destinationen müssen so intensiver zusammenarbeiten.

Was bringt das?

Die verschiedenen Handlungsfelder können effizienter bewirtschaftet werden. In der Vermarktung, in der Produktentwicklung und in gemeinsamen Aufgaben wie Verwaltung oder IT. Ziel ist es, mehr Nutzen mit den investierten Mitteln zu generieren.

Ursprünglich strebte St. Gallen eine Ostschweizer Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg an. Warum hat das nicht geklappt?

Thurgauer und Innerrhoder sahen darin zu wenig Vorteile. Im Thurgau wäre eine Zusammenarbeit nur für einen Teil des Kantons interessant. Ausserrhoden hat leider auch abgesagt.

Warum ist es so schwierig, die Ostschweizer Touristiker an einen Tisch zu bringen?

Die Ostschweiz ist kein Markenname, den man mit etwas Konkretem verbindet. Das Südtirol beispielsweise hat es einfacher, es ist eine Region. Die Ostschweiz ist zu heterogen und nicht genau definiert.

Was will man also verkaufen?

Die Region hat viel zu bieten: Stadt, See und Berg auf kleinem Raum – St. Gallen mit Stiftsbibliothek, Säntis und Bodensee. Es braucht aber entsprechende Produkte und Angebote.

Das würde aber für die Zusammenarbeit mit dem Appenzellerland und dem Thurgau sprechen.

Das ist auch nicht vom Tisch. Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer hat Interesse bekundet. Auch Ausserrhoden signalisiert weiterhin Interesse. Wir wollen aber erst unser kantonales Projekt abschliessen. Unsere Türen sind aber nach wie vor offen.

Nun sollen im Tourismusrat die Regionen des Kantons das Fördergeld aufteilen. Regionen, die nur wenig gemeinsam haben, wie St. Gallen-Bodensee und das Heidiland. Kann das gut gehen?

Es wird nicht einfach sein, das ist mir klar. Aber ich bin optimistisch. Die Touristiker wissen am besten, welche Projekte Förderung verdienen. Es geht darum, die Zusammenarbeit schrittweise zu intensivieren und mehr Gäste in die Ostschweiz zu bringen.

St.Galler Destinationen sollen zusammenarbeiten

Die Tourismusregion Ostschweiz existiert zwar beim Bundesamt für Statistik. Doch sie ist ein Papiertiger: Sechs Tourismusorganisationen sind in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und beiden Appenzell tätig. Mehr Zusammenarbeit wird immer wieder angestrebt. Zuletzt wollte der Kanton St. Gallen im Standortförderungsprogramm 2015–2018 die «kleinräumigen Strukturen bereinigen», auch über die Kantonsgrenzen hinweg. Das sollte die Gästezahlen erhöhen. Doch weder Thurgauer noch Appenzeller waren an einer Zusammenarbeit interessiert.

Regionen sollen Geld selber aufteilen

Das Thema ist im neuen Standortförderungsprogramm nicht vom Tisch. Bevor man aber wieder kantonsübergreifende Gespräche sucht, sollen erst die Tourismusregionen des Kantons St. Gallen näher zusammenrücken. Dazu gibt der Kanton den Touristikern der Destinationen auch mehr Verantwortung: Bisher zahlte er im Rahmen von Leistungsvereinbarungen mit den einzelnen Regionen insgesamt 1,5 Millionen Franken an die Betriebskosten der Tourismusorganisationen. Zusätzlich unterstützte er in ähnlichem Ausmass einzelne Projekte. Künftig gibt es nur noch eine Leistungsvereinbarung: Mit dem noch zu gründenden Tourismusrat. In diesem Gremium sollen die Tourismusregionen des Kantons und weitere Branchenvertreter über die Verwendung des gesamten Betrags selber entscheiden.

Mancherorts arbeiten die Ostschweizer Touristiker aber schon heute erfolgreich zusammen. So unterstützt die Tourismus Services Ostschweiz seit 2010 die Branche in der Informatik. Und seit 2016 bietet die Ostschweizer Gästekarte «Oskar» Vergünstigungen für Verkehr und Attraktionen von Schaffhausen bis ins Fürstentum – für Touristen, die mindestens zwei Nächte bleiben. Denn die Dauer des Aufenthalts zu steigern, ist ein wichtiges Ziel der Touristiker in der Region. (ken)

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