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Minus 40 Grad in den USA: Weshalb so eine extreme Kälte auch in der Ostschweiz möglich ist

Der Mittlere Westen der USA leidet derzeit unter einer extremen Kältewelle von teilweise unter minus 40 Grad. In der Ostschweiz war es in besonders harten Wintern schon ähnlich kalt.
Christa Kamm-Sager
Ende Februar vor einem Jahr war es bitterkalt in der Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher/26. Februar 2018)

Ende Februar vor einem Jahr war es bitterkalt in der Ostschweiz. (Bild: Urs Bucher/26. Februar 2018)

Es fröstelt einen nur schon beim Gedanken an die tiefen Minus-Temperaturen, unter denen derzeit die Menschen im mittleren Westen der USA leiden. Minus 40 Grad zeigt dort das Thermometer, mit dem Windchilleffekt sind das gefühlt bis zu minus 50 Grad. Die arktischen Winde bringen Temperaturen, die selbst für die an extreme Wetterlagen gewohnten Menschen lebensbedrohliche Ausmasse annehmen. In einigen Staaten wie Iowa und Illinois wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Schulen bleiben geschlossen, es wird den Bürgern geraten, tiefe Atemzüge zu vermeiden, Hunderte Flüge werden gestrichen.

Minus 30,2 Grad auf der Alp Hintergräppelen

Nicht nur in den USA kann es bitterkalt werden, auch die Ostschweiz hat Erfahrungen mit extrem kalten Wintern. Im Winter 1929 beispielsweise war es selbst in tieferen Lagen des Kantons St.Gallen verbreitet minus 25 Grad kalt, wie Meteorologe Ludwig Z’graggen von MeteoSchweiz aus der Statistik abliest.

«Die Leute in der Ostschweiz hatten damals Probleme mit dieser heftigen Kältewelle. Die Heizungen konnten teilweise nicht mehr mithalten, Wasserleitungen in den Häusern froren ein.»

Aber so weit muss man gar nicht zurückschauen in der Statistik: Auf der Alp Hintergräppelen im Toggenburg – einer der kältesten Orte in der Schweiz – zeigte das Thermometer früh an diesem Donnerstagmorgen klirrend kalte minus 30,2 Grad an. «Hätte man dort schon länger Buch geführt über die Temperaturen, wären bestimmt bei extremen Kältewellen schon Temperaturen von minus 45 Grad gemessen worden», so der Meteorologe. Immerhin sind auf dieser Alp bei der nicht sehr extremen Kältephase im Januar 2017 vom Betreiber einer privaten Messstation (kaltluftseen.ch) minus 38 Grad gemessen worden. Bei der Kältephase 2017 seien die Temperaturen im Kanton St.Gallen generell weit mehr als 10 Grad höher gewesen als in den besonders extremen Kältewellen im Februar 1929 und im Februar 1956. «Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass in der extremen Muldenlage Hintergräppelen Tiefsttemperaturen von minus 45 Grad möglich sind, womit diese Lokalität zu den kältesten Lagen der Schweiz zählt.»

Kälte aus Russland

Aber auch nach dem kalten Winter von 1929 gab es einige Winter mit frostigen Temperaturen in der Ostschweiz: 1940, 1956, 1963, 1985, 1987, 1991, und 2012. In diesen Wintern wurden auf dem Säntis Temperaturen von minus 26 bis minus 31 Grad gemessen. Der Säntis-Kälterekord stammt allerdings von 1901: Damals zeigte das Thermometer minus 32 Grad an.

Auch in den Niederungen des Kantons St.Gallen, im Thurgau oder im Kanton Zürich kann es bitterkalt werden, wie die Statistik beweist: In Landquart wurde im Jahr 1929 eine Temperatur von minus 31,5 Grad gemessen. Den (gefrorenen) Vogel schoss Dübendorf damals mit minus 36 Grad ab. Im thurgauischen Tänikon zeigte das Thermometer am kältesten Tag im Jahr 1987 minus 30 Grad an.

«Die Ostschweiz ist besonders verletzlich, was Kälte betrifft», sagt der Meteorologe.

«Wenn es bei uns extrem kalt wird, ist es immer Kälte aus Russland, die in unsere Region gelangt.»

Die grossen Landmassen in Russland begünstigten die Bildung von Kälte. Wenn der Wind diese Massen nach Westen bläst, werden sie in der Ostschweiz an den Alpenhang gepresst. Der Effekt ist laut Ludwig Z’graggen zu vergleichen mit der jetzigen Kältewelle in den USA: Über den Landmassen von Kanada kann extreme Kälte entstehen, der Wind (Polarwirbel) bläst jetzt diese Kälte nach Süden, es gibt kein Gebirge, das die Kälte bremsen könnte.

«Die USA sind sowieso ein Land der Extreme punkto Wetter», so der Meteorologe und illustriert diese Aussage am Beispiel von New York: «New York liegt auf derselben Breite wie Sizilien, aber es gibt dort viel grössere Wettergegensätze.»

Bis jetzt moderate Temperaturen

In diesem Winter sei die Kälte in der Ostschweiz bis jetzt moderat gewesen. «Es muss nicht sein, dass nochmals so eine starke Kältewelle zu uns kommt, wie es letztes Jahr Ende Februar/Anfang März der Fall war. Das ist extrem selten, dass es so spät im Winter nochmals so frostig wird», so der Meteorologe. Letztes Jahr gab es Ende Februar Temperaturen von minus 15 Grad in St.Gallen. Etwa alle fünf Jahre komme es in der Ostschweiz zu solch sibirischen Kältewellen wie im letzten Jahr.

Im Moment sehe es so aus, als ob es am Sonntag nochmals bis zu minus 5 Grad kalt werde in St.Gallen und auch die darauffolgenden Tage könnten nochmals kalt bleiben. Die Sonnenscheindauer nehme jetzt im Februar aber markant zu, auch in den schattigen Bergtälern scheine wieder die Sonne. «Ab Ende Februar ist der Frühling oft schon deutlich zu spüren», so Z’graggen.

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