Die Olma jenseits der Kühe

Die Olma kann auch eine Bühne sein für das kulturelle Schaffen. In früheren Jahren haben sie die Gastkantone intensiver genutzt als heute. Das mag eine Frage der finanziellen Mittel sein – aber nicht nur.

Beda Hanimann
Drucken
Teilen
Geballte Ladung Appenzeller Volksmusik: Eröffnungsfeier der Olma 2006 mit Inner- und Ausserrhoden als Gastkantone. (Bild: Regina Kühne)

Geballte Ladung Appenzeller Volksmusik: Eröffnungsfeier der Olma 2006 mit Inner- und Ausserrhoden als Gastkantone. (Bild: Regina Kühne)

Das Zürcher Tonhalle-Orchester spielt unter David Zinman zwei Sinfonien von Johannes Brahms. Die Staatliche Majolikamanufaktur Karlsruhe zeigt Porzellan-Raritäten. Das Cabaret Rotstift gibt eine Abschiedsgala. Die Lausanner Collection de l'Art Brut stellt sich vor. Das Trio Koch, Schütz und Studer jazzt. Und der Aargauer Clown Pello tritt für einmal wieder mit seinem St. Galler Kollegen und früheren Compagnon Pic auf.

Die genannten Ereignisse sind St. Galler Kultur-Highlights der vergangenen zwanzig Jahre. Alle fanden sie im September oder Oktober statt, und das hat seinen tieferen Grund: Es sind Veranstaltungen aus dem kulturellen Rahmenprogramm, das die jeweiligen Olma-Gastkantone und Gastregionen der Nachbarländer nach St. Gallen brachten.

Kultur ist nicht Pflicht

Vor allem Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren war es, als wolle jeder Gastkanton den des Vorjahres mit einem noch üppigeren Kulturprogramm übertrumpfen. In den letzten Jahren scheint es um die Gastkulturszene ruhiger geworden zu sein. Olma-Messeleiterin Katrin Meyerhans bestätigt den Befund: «Wir hatten zuletzt nicht unbedingt Gastkantone, die kulturell besonders stark aufgetreten sind.»

Das ist ihr gutes Recht. Es gibt im Pflichtenheft eines Gastkantons keine Rubrik Kultur. «Die Prioritäten sind die Sonderschau, Tierschauen und der Tag des Gastkantons mit dem Umzug», sagt Meyerhans. «Wir legen den Verantwortlichen jedoch dar, wie sie sich über die eigentliche Messeaktivität hinaus präsentieren können.» Ein Kulturprogramm sei da neben kulinarischen Events, Sportveranstaltungen oder Beflaggung der Altstadtgassen eine Möglichkeit.

Gastkultur und lokale Partner

Wenn Gastkantone – sie werden übrigens nicht von der Olma-Direktion, sondern von der St. Galler Regierung eingeladen – kulturelle Marken setzen wollen, dann gibt ihnen die Olma einige Tips. «Wir sagen: Wenn ihr etwas macht, dann plant frühzeitig und versucht, mit einem St. Galler Partner zusammenzuarbeiten.» So können etwa cineastische Begleitprogramme in die Planung des Kinok integriert werden, Ausstellungen in Zusammenarbeit mit lokalen Museen geplant und Konzerte im Rahmen der Jahresplanung von Ton- oder Grabenhalle konzipiert werden. Diese Einbettung in die lokale Kulturszene hält Bruno Kleger für enorm wichtig. Er blickt auf über dreissig Jahre Erfahrung als Olma-Medienchef zurück und hat in dieser Zeit auch Flops erlebt – die nichts mit mangelnder Qualität der Darbietung zu tun hatten. Dass etwa eine Spitzenformation wie das Landesblasorchester Baden-Württemberg am Bettag 1997 trotz freien Eintritts vor fünfzig Besuchern konzertierte, habe schlicht mit mangelnder Publizität zu tun gehabt.

Werbekanäle nutzen

Das eine Beispiel zeigt: Auch Kultur funktioniert zu einem schönen Teil über Beziehungen. Wenn Gastauftritte vom Konzertverein, der Grabenhalle, der Kellerbühne oder dem Museum im Lagerhaus mitgetragen werden, dann ist das Publikum dieser Institutionen automatisch orientiert, und es können bestehende Werbekanäle genutzt werden. Das bewährte sich etwa bei anderen Veranstaltungen Baden-Württembergs, bei denen auch St. Galler Interpreten und Chöre mitwirkten, oder beim Kanton Aargau, der 1994 während mehrerer Tage in der Kellerbühne Gastrecht hatte. Ein Sonderfall sind die beiden Appenzell, die schon mehrfach nicht nur Gast, sondern dank geographischer Nähe auch Gastgeber mit bekannten Exponenten waren – und insbesondere 1989 wohl eines der nachhaltigsten Kulturprogramme realisiert hatten (siehe Kasten).

Eine Frage des Budgets

Dass die kulturellen Rahmenprogramme der letzten Jahre bescheidener waren, dürfte auch eine Frage der prekären finanziellen Situation in den Kantonen sein. Solothurn als diesjähriger Gastkanton beschränkt sich auf Blasmusik in der Stadt am kommenden Samstag und kulturelle Darbietungen an der Eröffnungsfeier der Olma im Theater. Vielleicht aber hat die Entwicklung auch mit der St. Galler Kulturszene zu tun – die auch ohne Olma-Inputs vitaler ist als noch vor zwei Jahrzehnten.

Aktuelle Nachrichten