Die Olma findet 2020 nicht statt +++ Direktorin Christine Bolt: «Es ist nicht schön, als erste Amtshandlung die Olma absagen zu müssen» +++ Durchführung Jahrmarkt noch nicht entschieden

Das Jahr 2020 wird ein Jahr ohne Olma. Die grösste Publikumsmesse der Ostschweiz ist abgesagt, weil sie die Abstandsregeln nicht garantieren kann, wie die Verantwortlichen sagen. Eine Messe dieser Grösse brauche zudem einen planerischen Vorlauf von mehreren Monaten. Dennoch hoffen sie auf eine Alternative.

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Keine Olma, keine Säulirennen in der Arena.

Keine Olma, keine Säulirennen in der Arena.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

(red/vre/nh/chs) Die Offa hat nicht stattgefunden, das Open Air ist abgesagt, nun muss mit der Olma auch das grösste O im St.Galler Jahreskalender vor Corona kapitulieren. Die Messe, die jährlich rund 360'000 Besucher und 600 Aussteller in die Stadt lockt, wurde abgesagt.

Eigentlich wollten die Verantwortlichen den Bundesratsentscheid vom 24. Juni abwarten, bevor sie über die Zukunft der diesjährigen Olma entscheiden wollten. Dennoch zog der Verwaltungsrat bereits am Freitag die Reissleine. Eine Messe in dieser Grössenordnung brauche einen planerischen Vorlauf von mehreren Monaten, heisst es in der Hiobsbotschaft. Zudem seien die Abstandregeln an der Olma nicht umsetzbar, auch wenn die Distanz von zwei Metern noch reduziert würde. Beliebte Elemente wie die Degustationshallen, der Umzug oder das Säulirennen seien stark frequentiert.

«Der Erfolg der Olma lebt zu einem wesentlichen Teil vom Erlebnis- und Volksfestcharakter, der Geselligkeit und Gemütlichkeit.»
1. Der Olma-Umzug durch die Stadt.
10 Bilder
2. Tiere streicheln in den Hallen.
3. Eine Bratwurst mit Bier in geselliger Runde.
4. Ein Bundesrat mit Säuli.
5. Ein Bad in den Menschenmassen.
6. Spannung beim Säulirennen.
7. Rendezvous in der Degustationshalle.
8. Der kunstvolle Früchte- und Gemüseturm.
9. Auf der Treppe sitzen und Leute beobachten.
10. Spezialitäten aus dem Gastkanton.

1. Der Olma-Umzug durch die Stadt.

Ralph Ribi

Blitzstart für neue Olmadirektorin

Olmadirektorin Christine Bolt.

Olmadirektorin Christine Bolt.

Bild: Anna Tina Eberhard

Die Absage als erste Amtshandlung: Während die Mitteilung zum jetzigen Zeitpunkt viele Olma-Fans unvorbereitet trifft, waren die Verantwortlichen auf das Szenario vorbereitet – «auch emotional», sagt Christine Bolt. Der Olmadirektorin selbst blieben nur wenige Tage zur Vorbereitung und Einarbeitung, trat sie doch erst per Anfang Juni an die Spitze der Traditionsmesse. «Es ist natürlich nicht schön, als erste Amtshandlung die Olma absagen zu müssen», sagt Bolt, die zuvor stellvertretende Leiterin des «Tagblatts» war. Sie sehe persönlich Krisen aber als Chancen an, sagt sie und spricht von einer spannenden Ausgangslage.

Momentan ist diese Ausgangslage alles andere als statisch. Vieles ist noch unsicher und hängt insbesondere von der Frage ab, ob und wann die Versammlungsgrenze von 1000 Personen fällt, die nach jetzigem Stand bis Ende August gilt. Ende Juni wird ein nächster Entscheid erwartet. Bis dahin bleibt offen, wann auf dem Olmagelände wieder Grossveranstaltungen möglich sind. Ganz ohne Alternative soll die diesjährige Olma nämlich nicht bleiben. Bolt sagt:

«Wir hoffen auf jeden Fall im kleineren Rahmen eine Veranstaltung mit Festcharakter auf die Beine stellen zu können.»

Schwer abzuschätzen sind auch die finanziellen Folgen. Die Olma sei finanziell die bedeutendste Messe für die Genossenschaft, sagt Bolt. Die Absage sei für die Liquidität sicherlich einschneidend. Wie sehr sie das Finanzpolster der Messe fordert, sei allerdings wiederum von der Dauer des Versammlungsverbots abhängig. «Wir sind bereits im Gespräch mit den wichtigsten Genossenschaftern.»

Olma generiert grosse Wertschöpfung

St.Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

St.Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Bild: Ralph Ribi

«Der Standort St.Gallen ist sehr eng mit der Olma verbunden und wir sind natürlich sehr traurig, dass wir die besondere Jahreszeit nicht feiern können», sagt Thomas Scheitlin, Stadtpräsident und Olma-Verwaltungsratspräsident. Während den elf Olma-Tagen seien jeweils über 350'000 Besucher und 600 Aussteller in der Stadt. Dazu gehörten auch viele Angestellte, die an den verschiedenen Ständen arbeiten.

«Alle diese Gäste generieren eine grosse Wertschöpfung gerade in Hotels, Restaurants und Läden. Die Olma ist im Herbst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der fehlen wird. Es ist aber auch ein emotionaler Faktor, der fehlen wird.»

Als Ur-St.Galler sei die Olma für ihn ein fester Bestandteil in der Agenda. «Ich werde sie vermissen», sagt der Stadtpräsident. Die Olma bedeute für ihn Freunde treffen, gemeinsam ein Glas Bier oder Wein trinken, gute Stimmung, Magenbrot kaufen und ganz einfach geniessen. «Freuen wir uns deshalb auf die Olma 2021. Zeigen wir dann der ganzen Schweiz, dass unsere Olma das beste Fest und Erlebnis ist, das man nicht verpassen darf. Verbreiten wir eine positive Stimmung, so dass die Schweizerinnen und Schweizer in diesen Sommer- und Herbstferien nach St.Gallen kommen.» Trost finde man nur dann, wenn man selber gute Stimmung verbreiten würde.

Ob der Jahrmarkt stattfinden kann sei derzeit in Prüfung. Das werde man seitens der Stadt entscheiden müssen.

Mehr Planungsspielraum für den Jahrmarkt

«Der Entscheid über die Durchführung oder Absage des Jahrmarkts ist noch nicht gefallen», sagt auch Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen, auf Anfrage. Die Stadt habe bezüglich des Jahrmarkts nämlich mehr Planungsspielraum als die Olma-Messen für die Olma.

Die Stadtpolizei als Bewilligungsinstanz wolle mit dem Entscheid zum Jahrmarkt bis nach dem 24. Juni zuwarten. An diesem Datum sollte sich der Bundesrat dazu äussern, wie es mit Veranstaltungen mit über 1000 Personen nach Ende August weitergehen wird.

«Sollte sich abzeichnen, dass von den Anti-Corona-Regeln des Bundes her, die Durchführung des Jahrmarktes in irgendeiner Form möglich sein wird, will die Stadtpolizei das Bedürfnis danach unter den Marktfahrern abklären.»

Wenn genügend Marktfahrerinnen und Marktfahrer mitmachen würden, könnte die Durchführung des Jahrmarkts in irgendeiner Form also durchaus noch denkbar sein, sagt Stapo-Sprecher Kohler.

Schaffhausen ist Ehrengast an Olma 2021

Die Geschäftsleitung der Olma Messen St.Gallen sei in den vergangenen Wochen im engen Dialog mit allen Anspruchsgruppen, den Behörden und den Verantwortlichen des Gastkantons Schaffhausen gestanden. «Wir freuen uns, dass der Kanton Schaffhausen seinen Auftritt neu im Rahmen der Olma 2021 realisieren wird und auch für die Folgejahre bereits Lösungen mit den Ehrengästen gefunden werden konnten», heisst es in der Mitteilung.

Anmeldestand war erfreulich

Nach der Olma 2019 mit 363'000 Besucherinnen und Besuchern während 11 Messetagen und über 600 Ausstellern auf 50'000 m2 Fläche standen die Vorzeichen für die diesjährige Ausgabe der traditionellen St.Galler Herbstmesse gut. Zahlreiche Sonderschauen und Rahmenveranstaltungen waren in Planung, der Anmeldestand der Aussteller sei gemäss Medienmitteilung der Olma-Messen erfreulich gewesen.

Online-Kampagne «Olma – eifach Liebi»

«Die fehlende Olma wird im Oktober im gesellschaftlichen Leben der Stadt St.Gallen und vieler Ostschweizer eine grosse Lücke hinterlassen und die OLMA-Fans schmerzen.» Deshalb würden die Olma Messen St.Gallen eine Kampagne unter dem Motto «Olma – eifach Liebi» lancieren. Auf der Webseite www.eifachliebi.ch soll zum Ausdruck gebracht werden können, was einem persönlich die Olma bedeute.

Den Olma Messen St.Gallen sei es ein Anliegen, möglichst schnell wieder mit einem coronakonformen öffentlichen Betrieb starten zu können, welcher rasch auf die wechselnden Rahmenbedingungen angepasst werden könne. Ziel sei es, Ausstellern und Besuchern der Messen und Veranstaltungen, der Ostschweizer Öffentlichkeit sowie Organisatoren von Anlässen wieder Raum für Begegnungen und Lebensfreude sowie Möglichkeiten für wirtschaftliche Aktivitäten zu geben. «Das Team der Olma Messen St.Gallen arbeitet bereits an neuen Veranstaltungskonzepten, um das verfügbare Messegelände zu nutzen und Besucher in Festlaune zu versetzen», heisst es abschliessend in der Mitteilung.

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