Das Covid-19-Virus bringt die Olma in Existenznot: Stadt und Kanton St.Gallen gewähren ein Darlehen von 16,8 Millionen Franken

Der Genossenschaft Olma Messen droht wegen der Absage der meisten Messen und Anlässe eine Umsatzeinbusse von 80 Prozent und ein Jahresverlust von 13,3 Millionen Franken. Nun schnüren die Stadt St.Gallen und der Kanton St.Gallen ein 24-Millionen-Hilfspaket.

Christoph Zweili
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Ein Bild aus besseren Tagen: Die Olma im Herbst ist abgesagt, die Zukunft der Messen ungewiss.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Olma im Herbst ist abgesagt, die Zukunft der Messen ungewiss.

Hanspeter Schiess

Keine Offa, keine Immo, keine OBA, keine Olma: Die Pandemie schüttelt die Olma Messen gehörig durch. Ihre Rentabilität hängt vor allem von den grossen Messen ab und erst in zweiter Linie von den rund 130 Veranstaltungen. Das vom Bundesrat Ende Februar erlassene Veranstaltungsverbot bedeute für die Olma-Messen «de facto ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit», sagte Olma-Direktorin Christine Bolt gestern vor den Medien.

Christine Bolt

Christine Bolt

Anna Tina Eberhard

Das Unternehmen mit 85 Festangestellten und einem Jahresumsatz von 30 Millionen Franken rechnet mit einer Umsatzbusse von 80 Prozent und einem voraussichtlichen Jahresverlust von 13,3 Millionen Franken. Dank eines Covidkredits, eines Investitionsstopps, Kurzarbeit und Einsparungen ist die Liquidität noch bis Ende September sichergestellt.

Marc Mächler

Marc Mächler

Anna Tina Eberhard

Die Krise treffe die Olma-Messen im ungünstigsten Zeitpunkt, sagt der St. Galler Finanzchef Marc Mächler. Das Eigenkapital sei wegen des Baus der neuen Halle auf dem Autobahndach gebunden.

«Diese Arbeiten müssen wir unbedingt durchziehen».

Laut Bolt ist auch die Verschuldungslimite erreicht: «Die 114 Millionen Franken Bankdarlehen zur Finanzierung der Halle 1 dürfen nicht für die ordentliche Geschäftstätigkeit verwendet werden.»

Liquiditätsengpass von 23,8 Millionen Franken

Stadt und Kanton St.Gallen, beide heute schon Genossenschafter, wollen die Olma-Messen finanziell unterstützen. Der Ausgleich für die fehlende Liquidität beträgt für die nächsten sechs Jahre 23,8 Millionen Franken, davon fällt die Hälfte im aktuellen Jahr an. Der Kapitalbedarf basiert auf einem Drei-Säulen-Programm: Geplant sind zwei rückzahlbare Darlehen von je 8,4 Millionen Franken von Stadt und Kanton, die erst ab dem Jahr 2031 amortisiert und verzinst werden müssen. Ferner soll das Genossenschaftskapital um fünf Millionen Franken anteilsmässig aufgestockt werden und die Olma will zwei Millionen Franken sparen.

Mit sechs Millionen Franken (65,7 Prozent) ist die Stadt St. Gallen heute die grösste Genossenschafterin, der Kanton hält zwei Millionen Franken (21,9 Prozent), der Rest ist im Besitz der «Olma-Kantone» Thurgau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, Glarus, Schaffhausen sowie des Fürstentum Liechtenstein. Genossenschafter sind auch die Ortsbürgergemeinde St. Gallen und die politische Gemeinde Egnach. Die Stadt will ihr Kapital um 1,4 Millionen, der Kanton seines um 400000 Franken aufstocken.

Lockerungsschritt stimmt zuversichtlich für 2021

Christine Bolt geht davon aus, dass dieses Jahr keine Messen und Veranstaltungen mehr stattfinden, also keine Einnahmen mehr erzielt werden können und dass der Start 2021 verhalten ausfallen wird. Dass der Bundesrat gestern Grossanlässe ab 1000 Personen mit Bewilligung der Kantone ab Oktober wieder zugelassen hat, ändere kurzfristig nichts an der finanziellen Lage der Olma Messen, sagt Direktorin Bolt.

«Messen gelten nicht als Veranstaltungen und unterliegen nicht der 1000er-Grenze. Sie haben separate Auflagen beziehungsweise definierte Verkehrsflächen pro Person.»

Der Lockerungsschritt stimme sie aber «vorsichtig zuversichtlich für 2021». Wie die finanzielle Situation der Olma-Messen mittelfristig aussehe, hänge stark von den Fallzahlen, behördlichen Auflagen, der psychologischen Wahrnehmung der Bevölkerung und der Impfstoffentwicklung ab.

Die bestehende Olma Halle 1 wird für das Neubauprojekt «Neuland» abgerissen.

Die bestehende Olma Halle 1 wird für das Neubauprojekt «Neuland» abgerissen.

Ralph Ribi

Das Olma-Darlehen des Kantons von 8,4 Millionen Franken ist referendumspflichtig. Regierungsrat Mächler hofft auf Solidarität angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Messe von 150 bis 250 Millionen Franken: «Wir sind auch bereit, neue Genossenschafter aufzunehmen.» Der Finanzchef rechnet nicht mit Problemen, «weder im Parlament noch bei einer Volksabstimmung».

Zumindest die kantonale FDP sitzt bereits im Boot. Die Olma sei eine wichtige Institution von nationaler Ausstrahlungskraft und hohem emotionalem Wert für den Kanton und die Stadt St. Gallen. Ein «Aber» bringt die Partei dennoch an: Jeder Steuerfranken ­müsse zurückbezahlt werden. «A-fonds-perdu-Beiträge sind ausgeschlossen.»

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