Die Ochsentour im Kino

«Gorbatschow» gab sich die Ehre – und so viele Rheintaler und Vorderländer wollten den Film «A passo di bove» sehen, dass im Kinotheater Madlen kaum mehr Platz war.

Hansruedi Wieser
Drucken
Der wuchtige «Gorbatschow», einer der maremmannischen Ochsen aus dem Film «A passo di bove», vor dem Kinotheater Madlen in Heerbrugg – mit Landwirt Peter Kuster (links) und Regisseur Hugo Sigrist. (Bild: Hansruedi Wieser)

Der wuchtige «Gorbatschow», einer der maremmannischen Ochsen aus dem Film «A passo di bove», vor dem Kinotheater Madlen in Heerbrugg – mit Landwirt Peter Kuster (links) und Regisseur Hugo Sigrist. (Bild: Hansruedi Wieser)

HEERBRUGG. Was in den 1950er-Jahren dem Schweizer Regisseur Franz Schnyder mit seinen Gotthelf-Verfilmungen gelungen war, schafften die beiden Berner Regisseure und Kameramänner Hugo Sigrist und Markus Baumann mit dem Film «A passo di bove» (eine Ochsentour): Der Andrang ins Kinotheater Madlen war so enorm, dass die vielen Interessierten nur dank zusätzlicher Stühle Platz fanden. Nebst Sigrist erwarteten vor dem «Madlen» auch der Diepoldsauer Landwirt Peter Kuster und sein maremmannischer Ochse Gorbatschow die Filmbesucher. Der 1,1 Tonnen schwere Ochse mit seinen wuchtigen Hörnern ist einer der Hauptdarsteller im Film und wurde an jenem Abend zum begehrten Fotosujet. Am Schluss organisierte Kinobesitzer Aldo Zäch eine Geldsammlung für die Futterkasse.

Ein Stück heile Welt

Der 100minütige Film handelt von dem vor 25 Jahren aus der Schweiz in die Toscana ausgewanderten, in Diepoldsau aufgewachsenen Walter Messmer und seinem Plan, mit einem Ochsenkarren wieder in seine Heimat zurückzukehren. Der einstige Ausbildungschef einer grossen Schweizer Bank engagierte sich in Italien im Agrotourismus und in der Landwirtschaft. Er bemühte sich, im Einklang mit der Natur zu wirken. Im Film fehlt es denn aus seinem Mund nicht an geharnischten Vorwürfen an die Globalisierung und an die Bankenwelt.

Zur Realisierung seines Heimkehrer-Projektes galt es, Ochsen für diesen Zweck zu trainieren, sowie bürokratische Hindernisse auszuräumen. Trotz enormer Anstrengungen war es nicht möglich, die Tour wie geplant mit zwei älteren Ochsen unter die Räder zu nehmen. Und auch der jüngere Artgenosse Gorbatschow wurde nicht vorgespannt, sondern mittels Viehtransporter in die Ostschweiz gebracht.

Nun im Rheintal daheim

Leider verstarb Walter Messmer-Streuli noch vor dem Kinostart. Für «Gorbatschow» begann daraufhin eine Odyssee, die mit dem Einzug im Februar auf dem Diepoldsauer Tratthof von Peter und Theres Kuster ein glückliches Ende gefunden hat. In seine Heimat Toscana kann der Ochse nicht mehr, Italien will ihn nicht zurück, denn «offiziell» – so sagt man – leben dort keine Ochsen.