Die Natur kennt nicht vier, sondern zehn Jahreszeiten

Seit Mittwoch ist Frühling – sagen die Astronomen. Für die Meteorologen ist der Lenz schon 24 Tage alt, während die Natur erst noch erwacht.

Marlen Hämmerli
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Die Kreise zeigen, wann die astronomischen, die meteorologischen und die phänologischen Jahreszeiten beginnen und enden. (Infografik: Florian Raatz)

Die Kreise zeigen, wann die astronomischen, die meteorologischen und die phänologischen Jahreszeiten beginnen und enden. (Infografik: Florian Raatz)

Je nach Perspektive hat das Jahr vier oder zehn Jahreszeiten, beginnt etwa der Frühling am 1. März, am 20. oder schon Mitte Februar. Lernen Sie die unterschiedlichen Sichtweisen kennen. 

Phänologische Jahreszeiten

Schneeglöckchen gelten aus gutem Grund als Frühlingsboten: Sie leiten den Vorfrühling ein, eine der zehn Jahreszeiten, in die der phänologische Kalender das Jahr unterteilt. Die Phänologie, das ist die Wissenschaft der wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen. Sie erfasst die Entwicklung bestimmter Wild-, Nutz- und Zierpflanzen, aber auch das Verhalten der Tiere. Etwa wann die ersten Schwalben eintreffen oder die ersten Maikäfer schlüpfen.

Beginn und Dauer der zehn Jahreszeiten unterscheiden sich von Ort zu Ort und von Jahr zu Jahr. Ist es in Zürich warm, blüht dort der Huflattich und zeigt damit den Beginn des Frühlings an, während in Appenzell oder Andermatt noch Winter ist. Als Begründer der Phänologie gilt der schwedische Naturwissenschafter Carl von Linné. Unter anderem richtete er 1750 in Schweden die ersten phänologischen Beobachtungsstationen ein. Rund 150 Jahre später begann man in Deutschland mit der systematischen Erfassung. In der Schweiz gibt es seit 1951 ein Beobachternetz, eingerichtet von Meteoschweiz. Seit einiger Zeit können Freiwillige bestimmte Veränderungen der Natur auf www.phaenonet.ch eintragen. Dort sind auf einer interaktiven Karte zudem die Resultate ersichtlich.

Interessant ist vor allem der Vergleich über die Jahre – denn dieser macht denn Klimawandel sichtbar. So ist der Winter deutlich kürzer geworden, im Schnitt um zwei bis drei Wochen. Dieses Jahr begann der Vorfrühling in Deutschland bereits Anfang Februar, normal wäre Mitte Februar. So wie das in der Schweiz der Fall war. Hier blühte der Hasel um den 15. Februar herum, etwa in Frauenfeld, Luzern, Sarnen oder auch Rorschach.

Astronomische Jahreszeiten

Die Astronomen machen den Ablauf der Jahreszeiten an den Tageslängen fest: dem kürzesten und dem längsten Tag sowie der Tagundnachtgleiche. Die Tageslänge wird durch die Position der Erde zur Sonne und die Erdneigung von rund 23,5 Grad bestimmt. Dieses Jahr erreicht die Erde am 21. Juni um 17.54 Uhr den Punkt auf ihrer Umlaufbahn, an dem der Nordpol zur Sonne hin geneigt ist. Oder anders gesagt: Die Sonne scheint auf die Nordhalbkugel. Diese wird erwärmt, wodurch dann – am längsten Tag – der Sommer beginnt.

Das Gegenstück zur Sommersonnenwende ist die Wintersonnenwende, die heuer am 22. Dezember, 5.19 Uhr stattfindet. Der Winkel der Erdachse zur Bahnebene beträgt unverändert rund 23,5 Grad. Doch die Erde befindet sich nun auf der gegenüberliegenden Seite der Umlaufbahn. Die Nordhalbkugel ist von der Sonne abgewandt: Es wird Winter.

Den Beginn von Frühling und Herbst markiert die Tagundnachtgleiche. Zu diesem Zeitpunkt überschreitet die Sonne den Himmelsäquator von Süden nach Norden beziehungsweise von Norden nach Süden. Die Sonne steht also kurz senkrecht über dem Äquator, wodurch Tag und Nacht überall auf der Erde ungefähr gleich lang sind. Frühlingsbeginn war demnach vergangenen Mittwoch um 22.58 Uhr. Herbstbeginn ist dieses Jahr am 23. September um 9.50 Uhr.

Meteorologische Jahreszeiten

Die Meteorologen teilen die Jahreszeiten nach den Kalendermonaten ein. Auf der Nordhalbkugel fallen die im Durchschnitt wärmsten Monate in den meteorologischen Sommer, die kältesten in den Winter. Dasselbe gilt für die Südhalbkugel, wo am 1. März der Herbst begonnen hat, während hierzulande der Frühling startete. Die Einteilung wurde von der Weltorganisation für Meteorologie festgelegt. So können Statistiken und Klimavergleiche leichter erstellt und verglichen werden.