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Die Mordlust der Zuschauer

Scharfgezeichnet

Alfred Hitchcock wäre stolz auf die Weinfelder Feuerwehr. Und auch die Ausserrhoder Kantonspolizei und die St. Galler Regierung bekämen beste Noten. Denn in ihren jüngsten Filmen haben sie alle eine Grundregel des grossen Regisseurs beherzigt: «Das Rechteck der Leinwand muss mit Emotionen aufgeladen sein.»

Leinwände spielen heutzutage nur noch eine Nebenrolle. Doch Emotionen bleiben das wichtigste Gut im Kampf um Aufmerksamkeit. Deshalb hat die Feuerwehr Weinfelden zur Einweihung des neuen Sicherheitszentrums ein Internetvideo mit dem Thurgauer Komiker Thomas Götz produziert. Selbst die Ausserrhoder Kantonspolizei führt eine eigene Filmabteilung. Im neuen Imagefilm jagen Polizisten Bösewichte, die das Rezept der Kräutersulz des Appenzeller Käses gestohlen haben. Sollten die Gesetzeshüter dereinst ihr Filmschaffen auf Kapitalverbrechen ausdehnen, sei an dieser Stelle bereits Hitchcocks Erfolgsformel erwähnt: «Der Zuschauer muss Lust haben zu töten.»

Eine Miniserie mit perfektem Cliffhanger haben die St. Galler Regierungsräte in Auftrag gegeben. Zur Vorstellung ihrer Zukunftsideen produzierten sie zwei Filmchen. Im ersten zeigten die Politiker ihre peinlichsten Versprecher und erreichten damit 57000 Bürger. Zwei Tage später folgte staatsmännisch vorgetragene Zukunftsplanung, die allerdings nur noch wenige erreichte. «Das Publikum interessiert sich im Kino nicht für Politik», musste schon Hitchcock nüchtern einsehen.

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz-am-sonntag.ch

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