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Misteln bereiten Ostschweizer Obstbauern Arbeit - dabei ist die Schmarotzerin auch nützlich

Im Thurgau tritt die Mistel örtlich auf, in St.Gallen ist sie regional verbreitet. Ist ein Baum stark befallen, droht er abzusterben.
Marlen Hämmerli
Ist ein Baum im Winter grüner als im Sommer, droht er abzusterben. (Bild: Kurt Latzer)

Ist ein Baum im Winter grüner als im Sommer, droht er abzusterben. (Bild: Kurt Latzer)

Das ist ein Artikel aus der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Im Winter sind sie besonders gut sichtbar, die Misteln. Grüne Bälle, die scheinbar in den kahlen Ästen hangen. In Wirklichkeit hat sich der Halbschmarotzer am Baum festgesaugt. Die Mistel zieht ihm Wasser, Mineral- und Nährstoffe aus den Gefässen, während ihre Blätter Fotosynthese betreiben. Je grösser die Mistel, desto grösser der Entzug von Nährstoffen und somit die Gefahr für den Baum. Denn die Mistel hungert den Trägerast langsam aus, bis er abstirbt und abbricht. Ist der Baum im Winter grüner als im Sommer, der Befall also gross, kann ein Baum innerhalb weniger Jahre absterben. Wachsen aber nur wenige Misteln auf dem Baum, kann er mit ihnen leben.

Amt für Umwelt warnt Obstbauern

In Liechtenstein warnt nun das Amt für Umwelt vor Misteln. Sie hätten sich in den letzten Jahren verbreitet und würden Streuobstbestände gefährden. «Obst-, Einzel- und Alleebäume sollten gepflegt werden», mahnt das Amt. Das sagt auch Richard Hollenstein vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen: «Jeder Besitzer ist für die Pflege seiner Bäume verantwortlich und dafür, dass Misteln nicht Fuss fassen.» Denn wird ein Obstbaum frisch befallen, stammt der Samen meist aus der Nachbarschaft.

Ab dem fünften Jahr blühen Misteln. Bestäuben Insekten die Schmarotzer, wachsen Beeren, die bis zum Winter reif sind. Die Mistelbeeren sind im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, vor allem für die Misteldrossel. Die Vögel scheiden die Samen über den Kot wieder aus – und verbreiten ihn über einen Radius von bis zu 20 Kilometern.

Misteln sind vor allem im Rheintal, Sarganserland und im Linthgebiet verbreitet.

Auch in der Ostschweiz bereitet die Mistel Ärger. «Im Kanton St. Gallen ist sie vor allem im Rheintal, Sarganserland und im Linthgebiet verbreitet», sagt Richard Hollenstein. Im Thurgau hingegen bereitet der Halbschmarotzer nur örtlich Probleme. Laut Urs Müller vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg fallen sie vor allem im Kemmental auf.

Die Mistel ist aber auch nützlich. In der Volksmedizin hat der Halbschmarotzer eine lange Tradition. Hippokrates soll die Wirkstoffe der Mistel gegen Schwindelanfälle und Epilepsie empfohlen haben. Bei Leberbeschwerden verschrieb die Medizinerin Hildegard von Bingen Mistelschleim und in der Naturheilkunde wird die Mistel gegen Bluthochdruck und zur Linderung von schmerzhafter Arthrose eingesetzt. Krebspatienten werden heute in verschiedenen anthroposophischen Kliniken mit Mistelspritzen oder -infusionen behandelt. Schulmediziner lehnen die sogenannte Misteltherapie ab, denn die Wirksamkeit ist umstritten.

Miraculix verwendete nur Misteln von Eichen

Der Mistel werden auch mystische Fähigkeiten zugeschrieben. Wer sich unter einem Mistelzweig küsst, bleibt ein Leben lang zusammen, heisst es. Den Kelten war die Mistel gar heilig. Ihre Druiden begehrten vor allem jene, die auf Eichen wuchsen – was selten ist. Mit Mistel-Amuletten schützten sie sich vor Unheil, mit dem Kraut aphrodisierten sie Stiere, und wer einen Zaubertrank aus Misteln trank, sollte kräftig, mutig und unbesiegbar werden. Nicht von ungefähr braut Miraculix den Zaubertrank für Asterix aus Misteln, geschnitten von Eichen. (mha)

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