Die meisten Vorfälle passieren am Arbeitsplatz

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Bericht Drei Ostschweizer Beratungsstellen tauchen im Bericht über Rassismusvorfälle aus der Beratungspraxis auf: der Cabi Antirassismus-Treff und die Heks-Beratungsstelle in St. Gallen sowie die Fachstelle für Integration im Thurgau. Sie sind Teil des Schweizweiten Beratungsnetzes für Rassismusopfer, zu der insgesamt 26 Stellen zählen. Der Verein Humanrights.ch hat zusammen mit der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) einen Bericht für das Jahr 2016 veröffentlicht. Humanrights sei nicht befugt, Zahlen der einzelnen Beratungsstellen bekanntzugeben, lediglich in ihrer Gesamtheit, sagt Vereinsmitarbeiter David Mühlemann. Die 26 Beratungsstellen haben im vergangenen Jahr insgesamt 406 Vorfälle registriert.

In 199 Fällen handelte es sich um rassistische Diskriminierung. Die meisten davon fallen in den Bereich der verbalen und nonverbalen Kommunikation. Rassismus gegen Schwarze ist nach dem ­generellen Motiv der Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit das am häufigsten genannte Motiv. Die am stärksten betroffenen Lebensbereiche sind der Arbeitsplatz und der öffentliche Raum.

In den meisten Fällen haben sich die Betroffenen direkt gemeldet – und es waren mehr Männer als Frauen. Die Gründe für dieses Geschlechterverhältnis kann David Mühlemann nicht nennen.

Dafür kennt er die Gründe für die rückläufige Zahl an Vorfällen im Vergleich zum Vorjahr. Auch von 2014 auf 2015 hatte sie bereits abgenommen. «Das hat primär mit der strengeren Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien zu tun», sagt Mühlemann. Dazu gehörte etwa die Einteilung in «nicht genügend erhärtete Disk riminierungen». Davon zählt der Bericht 123 Fälle.

«Wichtig ist, dass in diesen Fällen eine rassistische Diskriminierung nicht ausgeschlossen ist.» Vielmehr müsse die subjektive Diskriminierungserfahrung ernst genommen werden. Häufig seien es Fälle, in denen ein konkreter Beschrieb fehle oder bei denen es schwierig sei, zu eruieren, ob eine Ungleichbehandlung sachlich begründet war oder nicht. Als Beispiel nennt Mühlemann einen Klienten mit ausländischem Namen, der einen kleinen Verlag geleitet hatte. Er schrieb über 2000 Bewerbungen – ohne Erfolg und häufig mit der Begründung, er sei überqualifiziert.

Keine Aussagen zu Zu- oder Abnahme von Rassismus

Das Beratungsnetz gehe von einer hohen Dunkelziffer aus, sagt Mühlemann. Die Zahlen könnten von Jahr zu Jahr stark schwanken in den einzelnen Beratungsstellen. «Sie lassen keine generellen Schlüsse zur Zu- oder Abnahme von gesellschaftlichem Rassismus zu.» Der Bericht zu Rassismusvorfällen von Humanrights.ch und der EKR ist nicht der einzige der Schweiz.

Mitte März hatte die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) ihren Bericht für das Jahr 2016 veröffentlicht. Sie zählt darin schweizweit 43 rassistische Übergriffe, davon sieben im Kanton St. Gallen (Ausgabe vom 22. März). Einer dieser Vorfälle war das Neonazi-Konzert in Unterwasser im Oktober 2016. Die GRA erwähnt in ihrem Bericht allerdings nur Vorfälle, über die medial berichtet wurde. Da ­erklärt, weshalb die Ergebnisse der beiden Berichte unterschiedlich ausfallen. (kbr)