Die mediale Corona-Fieberkurve: Diese Grafiken zeigen, wie die Berichterstattung über das Virus Fahrt aufgenommen hat – und wann Daniel Koch Roger Federer in den Erwähnungen überholte

Corona? Das war für Schweizer Zeitungen vor einigen Monaten noch eine Biermarke, ein Gedicht oder ein mexikanischer Fussballspieler. Dann kam das Virus.

Ralf Streule
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Corona-Lektüre.

Corona-Lektüre.

Bild: Keystone

Die Welle schlug so schnell über uns zusammen, dass wir nun, nach einigen Wochen im Ausnahmezustand, gar nicht mehr so richtig wissen, wie uns geschah. Wann eigentlich hörten wir zum ersten Mal von Corona, im Wortsinn des fiesen Virus? Und wann war es soweit, dass gefühlt jeder Zeitungsartikel von Corona und seinen Auswirkungen handelt?

Antworten gibt eine Datenrecherche in der Schweizer Mediendatenbank, mit Artikeln in den der vier Zeitungen «St. Galler Tagblatt», «NZZ», «Tages-Anzeiger» und «Blick».

2019 bezeichnete der Begriff «Corona» in den Zeitungen unter anderem einen mexikanischen Aussenverteidiger, der mit dem FC Porto die Young Boys besiegte. Ein Bier. Einen italienischen Alpinisten mit Vornamen Marco. Oder das Gedicht von Paul Celan.

Es war am 10. Januar 2020, als der Begriff im Wortsinn des Virus in den Medien in der Schweiz seinen Erfolgszug antrat. Von einem «rätselhaften Virus» zum Beispiel war in der «NZZ» damals die Rede. So etwas wie Entwarnung gibt es aber im selben Artikel: Ein Virologe erklärt, erste Beobachtungen würden gegen eine leichte Mensch-zu-Mensch-Übertragung sprechen.

Einen ersten Sprung machte die Berichterstattung zum Virus dann Anfang Februar, als es sich in Norditalien auszubreiten begann. Vor allem aber nach dem ersten Schweizer Fall von Ende Februar. Der Lockdown am 13. März dann machte Corona zum fast einzigen Thema, das Medien und Öffentlichkeit seither umtreibt. Knapp 80 Prozent aller Artikel stehen im Zusammenhang mit dem Virus - oder werden zumindest in einem Nebensatz erwähnt.

Mit Corona begannen natürlich auch andere Begriffe, sich in den Zeitungen breiter zu machen. «Wuhan», die chinesische Stadt zum Beispiel, die es 2019 fast nur im Zusammenhang mit dem WTA-Tennisturnier oder der Basketball-WM in die Blätter schaffte, begann Anfang Jahr zu interessieren, da dort der Ursprung des Virus vermutet wurde. «Covid-19», der Begriff, der die vom Virus hervorgerufene Lungenkrankheit bezeichnet, taucht erst Mitte Februar im Medien-Wortschatz auf. Der wissenschaftliche Name des Virus, «Sars-CoV-2», ebenfalls. Er hingegen schaffte es nur in der NZZ zu regelmässigen Erwähnungen.

Mit dem Schweizer Lockdown dann erhielten auch längst bekannte Wörter einen ungeahnten Aufschwung.

Und natürlich drängte Corona auch mediale Dauerbrenner wie den Sport in den Hintergrund. Roger Federer zum Beispiel, der sich nach den Australien Open ohnehin in eine Rehabilitations-Pause verabschiedet hatte, musste sich medial von anderen überflügeln lassen. Unter anderem vom Epidemie-Krisenchef des BAG: Daniel Koch.

Wie wir die Zahlen erfassten

Schweizer Mediendatenbank

Mit einer automatisierten Abfrage suchten wir in der Schweizer Mediendatenbank (SMD) nach den Schlüsselbegriffen. Alle Artikel mit mindestens 500 Zeichen flossen in die Analyse mit ein. Beim Begriff Corona wurden auch alle zusammengesetzen Wörter (Coronakrise, Coronavirus) mitgezählt. Auch Artikel, in denen das Wort "Corona" nur einmal vorkommt, wurden als "Corona-Artikel" gezählt - auch wenn das Hauptthema des Artikels unter Umständen ein anderes war.