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Die Luft im Thurgau ist sauberer, dafür gibt es mehr Abfall

Die Datensammlung «Moni-Thur» zeigt seit einem Jahr auf, wo sich der Thurgau zur Nachhaltigkeit hinbewegt und wo tendenziell von ihr weg. Nun wurden die Zahlen zum ersten Mal aktualisiert. Ein Ergebnis: Das Armutsrisiko steigt weiter.
Larissa Flammer

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Die Qualität der Luft ist ein wichtiger ­Indikator für die Nachhaltigkeit. Hohe Feinstaubbelastungen verursachen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Krebs. Deshalb gibt es einen definierten Tagesmittelwert, den die Feinstaubbelastung nicht überschreiten sollte. Im Jahr 2015 wurde dieser Richtwert am Thurgauer Messstandort Tänikon zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende nie überschritten (siehe Grafik). Und auch der Jahresmittelgrenzwert konnte in den letzten drei bis vier Jahren gut eingehalten werden. Doch Robert Bösch, Leiter der kantonalen Luftreinhaltung, betont: «Feinstaub ist auch unterhalb des Grenzwerts ein Problem.» Die Situation habe sich aber durch den Vollzug der Luftreinhalteverordnung – Partikelfilter für Baumaschinen, Dieselfahrzeuge, Holzheizungen, Industrie – deutlich verbessert. Ab dem 1. Juni wird es zusätzlich einen Grenzwert für sehr feinen Staub geben. Den werde man zumindest zu Beginn noch öfters überschreiten, sagt Bösch.

Eher weg von der Nachhaltigkeit bewegt sich der Indikator Ozonbelastung. 2015 wurde der Richtwert an über 400AABB22Stunden im Jahr überschritten. Das ist zwar deutlich weniger als im Hitzesommer 2003, damals waren es fast 750AABB22Stunden. Es reicht aber doch, um den Dreijahresdurchschnitt der Ozonkonzentration wieder steigen zu lassen. Der Leiter Luftreinhaltung sagt: «Vor allem bei den Spitzenwerten sind wir aber besser geworden.» Ozon entsteht aus anderen Schadsubstanzen, vor allem aus flüchtigen organischen Verbindungen. «Es besteht noch Handlungsbedarf ­darin, diese zu reduzieren», sagt Robert Bösch. Er gehört zur ersten Generation Luftreinhalter, im Herbst geht er in Pension. Bösch sagt: «In den 33 Jahren, in denen ich hier dafür verantwortlich bin, hat sich doch einiges verbessert.»

Auch die Wahlbeteiligung ist ­wichtig für die Nachhaltigkeit

Die Daten zur Luftqualität stammen aus «Moni-Thur», einem Kennzahlensystem des Kantons (siehe Kasten). Mit diesem lässt sich online die nachhaltige Entwicklung im Thurgau seit dem Jahr 2000 beobachten. Diese Woche wurde «Moni-Thur» das erste Mal aktualisiert. «Wir legen den Fokus auf die langfristige Entwicklung. Dementsprechend hat sich mit der Aktualisierung relativ wenig bewegt», sagt Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg. Bei einigen Indikatoren mit kleinen Zahlen kann es jedoch zu starken Schwankungen kommen.

Wichtig für die Nachhaltigkeit sind nicht nur Umweltthemen. Es gibt zum Beispiel auch den Indikator «Wahlbeteiligung bei Grossratswahlen». Die Daten dazu zeigen, dass die Thurgauer Kantonsräte seit dem Jahr 2000 jeweils von gut 30 Prozent der Bevölkerung gewählt wurden. In den 60er-Jahren lag die Wahlbeteiligung noch bei über 70 Prozent. Etwas mehr Aufmerksamkeit scheinen die Nationalräte zu geniessen. Knapp 47 Prozent der Bevölkerung beteiligte sich an den letzten drei Nationalratswahlen.

Neben der politischen Partizipation haben auch die Armutsgefährdung und der Anteil Personen mit materiellen Sozialleistungen einen Einfluss auf die Zukunft. Dieser Indikator bewegt sich weg von der Nachhaltigkeit; ein immer grösserer Teil der Thurgauer Bevölkerung hat ein erhöhtes Armutsrisiko. Zugenommen hat vor allem der Anteil Bezüger von Ergänzungsleistungen, seit 2005 abgenommen hat dagegen der Anteil ­Sozialhilfebezüger. Im Jahr 2016 wurden rund 1200 Personen neu ausgesteuert, der zweithöchste Wert der Vergleichsperiode. Die höchste Zahl an Neuaussteuerungen wurde zwei Jahre nach der Rezession von 2009 verzeichnet.

Siedlungsabfälle angestiegen, Recycling nicht erfasst

Zwar ein mögliches Zeichen für Wohlstand und trotzdem nicht nachhaltig sind grosse Mengen Siedlungsabfälle. 2011 und 2012 fielen im Thurgau über 400 Tonnen Siedlungsabfälle pro Einwohner an. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Die Menge sank danach wieder auf 363 Tonnen, steigt seit 2015 aber wieder an. In «Moni-Thur» aufgeführt ist auch der Indikator Recyclingquote, doch es gibt noch keine Zahlen dazu. Die Kantonsstatistikerin erklärt: «Wir hoffen, dass wir diese Daten bei der nächsten Aktualisierung haben.» Weil «Moni-Thur» nur mit Daten gefüttert wird, die es bereits gibt, werden einige Indikatoren auch leer bleiben. Zur Entwicklung der Nachhaltigkeit im Bereich Gesellschaft würde etwa auch das materielle und immaterielle Wohlbefinden der Bevölkerung gehören. «Im Thurgau gibt es dazu aber keine aussagekräftigen Daten», sagt Ulrike Baldenweg. Im Kennzahlensystem wird dieser Indikator deshalb so deklariert. «Wir stehen zu diesen Lücken.»

Datensammlung enthält 48 Indikatoren

«Moni-Thur» zeigt den Fortschritt der nachhaltigen Entwicklung im Kanton Thurgau auf. Nachhaltigkeit bedeutet ­dabei, dass die Bedürfnisse der heute lebenden Generation befriedigt werden, ohne dass dies auf Kosten künftiger Generationen geht. Berücksichtigt sind 48 Indikatoren aus den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Es gibt drei mögliche Entwicklungsrichtungen: weg von Nachhaltigkeit, hin zu Nachhaltigkeit oder kaum Veränderung. Verantwortlich für die Datensammlung ist die kantonale Statistik-Dienststelle. Die Zahlen sind online der Öffentlichkeit zugänglich. Ein solches Kennzahlensystem war Teil der Regierungsratsrichtlinien 2012 bis 2016. Die Zahlen werden einmal ­jährlich aktualisiert, wichtig ist die langfristige Entwicklung. Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg erklärt: «Es ist ein ­Führungs- und Steuerungssystem, das hilft zu erkennen, wohin wir uns bewegen.» Die verwendeten Daten werden nicht extra für «Moni-Thur» gesammelt, neu ist nur die Gesamtübersicht über die nachhaltige Entwicklung. (lsf) Hinweis www.monithur.tg.ch

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