«Die Leute sind wirklich dankbar, wir erhalten super Rückmeldungen»: St.Galler Bibliotheken bieten Freiluftausleihe und Postversand – Nachfrage schon am ersten Tag gross

Die seit dem 17. März geschlossen Bibliotheken von Kanton und Stadt St.Gallen reagieren mit besonderem Service auf den Ausnahmezustand. 

Marcel Elsener
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Mit dem Hauslieferdienst per Post und der Freiluftausleihe reagieren die Bibliotheken auf die rege Nachfrage.

Mit dem Hauslieferdienst per Post und der Freiluftausleihe reagieren die Bibliotheken auf die rege Nachfrage.

Symbolbild: PD

Geistige Nahrung, ob zur Unterhaltung oder zum Studium, ist seit dem Lockdown des öffentlichen Lebens mehr denn je gefragt. Besonders betrifft dies die Bibliotheken, die ihren Kundenkreis nun mit einem speziellen Service bedienen: Seit Montag bieten die Kantonsbibliothek Vadiana und die Stadtbibliothek Katharinen eine Freiluftausleihe in der Stadt St.Gallen und einen kostenlosen Versand an. Der Öffentlichkeit steht damit während der bis mindestens 19. April dauernden Schliessungszeit neben den digitalen Medien ein ausleihbarer Bestand von 600 000 physischen Medien zur Verfügung.

Mit dem Hauslieferdienst per Post und der Freiluftausleihe reagieren die Bibliotheken laut ihren Leiterinnen Sonia Abun-Nasr (Vadiana) und Christa Oberholzer (Stadtbibliothek) auf die rege Nachfrage. Das gesteigerte Bedürfnis hatte sich schon in den Tagen vor dem Lockdown abgezeichnet: Vor jenem Wochenende bezogen auffällig viele Mitglieder Medien auf Vorrat, und am 16. März deckten sich allein in der Bibliothek Katharinen über 800 Personen mit Kinder- und Jugendbüchern sowie pädagogischer Fachliteratur ein.  

Abholen bereit gestellter Papiertaschen und unter Aufsicht

Die Hauslieferung erfolgt per B-Post und ist innerhalb des Kantons kostenlos. Dabei ist die maximale Stückzahl auf fünf beschränkt. Beim Versand in andere Kantone wird der reguläre Versandpreis von 12 auf 5 Franken reduziert. Bei der Freiluftausleihe in der Stadt St.Gallen (sowie versuchsweise auch in anderen Bibliotheken wie in Rorschach) können Kundinnen und Kunden vorbestellte Medien selber abholen. Dazu stehen unter den Arkaden des Gebäudes Katharinen die Bücher in angeschriebenen Papiertaschen bereit; eine Bibliotheksperson überwacht die Abholung und die Vorgaben zum Social Distancing.

Wer die neuen Services nutzen möchte, bestellt von zuhause aus Bücher, Zeitschriften, CDs oder DVDs im Online-Katalog der Bibliothek Hauptpost respektive des St.Galler Bibliotheksnetzes. Dabei stehen die Optionen «Medienversand» oder «Abholort Katharinen» zur Verfügung. Wer die erste wählt, erhält innerhalb von wenigen Tagen ein Paket, wer die letztere wählt, wird von Bibliotheksmitarbeitenden kontaktiert und erhält einen Termin, zu dem die bestellten Medien in der Katharinengasse 11 abgeholt werden können. Der Abholservice ist laut Stadtbibliotheksleiterin Oberholzer bereits am ersten Tag sehr gefragt gewesen – und das Feedback sei ausgesprochen gut.

«Die Leute sind wirklich dankbar, wir erhalten super Rückmeldungen.»

Digitale Angebote der dibiost und der E-Medien der Vadiana zunehmend beliebter

Von überall her nutzbar und laut Medienmitteilung «zurzeit besonders beliebt» sind die digitalen Angebote. Die Digitale Bibliothek Ostschweiz (dibiost.ch), bereitgestellt von Kantons- und Stadtbibliothek, bietet Romane, Bücher für Kinder und Jugendliche und Tageszeitungen zur «Onleihe» an. Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons haben ausserdem Zugang zu den E-Medien der Kantonsbibliothek. Dazu gehören Pressedatenbanken mit Zeitungen und Zeitschriften aus der Schweiz oder dem Ausland, Nachschlagewerke, die beim Homeschooling hilfreich sein können, und eine grosse Auswahl an E-Books verschiedener Sachgebiete.
Noch keine nennenswerten «Krisenhits»

Wie in anderen Branchen dürfte die Krise auch im Bibliothekswesen zu einem Schub in der Digitalisierung führen. Ein erster Hinweis ist die gegenüber dem März 2019 um 25 Prozent höhere Zahl von «Onleihen» der Digitalen Bibliothek Ostschweiz in diesem März. Sonja Abun-Nasr sagt:

«Wir hatten noch nie in einem Monat so viele digitale Ausleihen.»

Unabhängig von der Coronakrise verzeichne man allerdings seit längerem einen enormen Anstieg bei der digitalen Nutzung.

Noch keine speziellen «Krisenhits» 

Eigentliche «Krisenhits» wie beispielsweise die derzeit oft genannten Klassiker «Die Pest» von Albert Camus oder «Die Ballade von der Typhoid Mary» von Jürg Federspiel können die St.Galler Bibliotheksleiterinnen noch nicht feststellen. Dass sich im Verlauf der Krise in der Ausleihe merkliche Verschiebungen Richtung Feelgood Movies (wie «Love, Actually») oder dystopische Horrorthriller (wie «I Am Legend») zeigten, sei aber nicht ausgeschlossen. Ansonsten sind laut Christa Oberholzer bereits vor dem Lockdown populäre Kinderbücher wie die Reihe «Gregs Tagebuch» noch gefragter.

Automatisch verlängert wurden bereits am 16. März die Fristen für die Ausleihe und für die Mitgliedschaft, die sich um die Schliessungszeit verlängert. Die Rückgabe der Medien ist erfordert, sobald die Bibliotheken wieder regulär geöffnet werden können.

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Corinne Hanselmann