«Die Leute kommen nicht mehr»: Die Gastrobranche ruft nach Hilfe – und will das Vertrauen der Leute zurück

Vergangene Woche verschärfte der Bundesrat die Corona-Massnahmen. Besonders hart davon getroffen wurde die Gastrobranche; Restaurants und Bars bleiben seither die Gäste weg. Obwohl die Regeln strikt durchgesetzt werden und die Sicherheit vielerorts garantiert sei.

Elias Hostettler
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Die Restaurants und Bars gehören zu den Hauptbetroffenen der neuen Coronamassnahmen.

Die Restaurants und Bars gehören zu den Hauptbetroffenen der neuen Coronamassnahmen.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

Am letzten Donnerstag traten die verschärften Schutzmassnahmen des Bundesrats in Kraft - mit einschneidenden Auswirkungen auf Restaurants und Bars: An einem Tisch dürfen seither höchstens vier Personen sitzen, wer ein Lokal betritt, muss eine Maske tragen. Zudem gilt die Sperrstunde - um spätestens 23 Uhr müssen sämtliche Betriebe schliessen.

Sandra Diem, Geschäftsführerin Hotel Herisau und Restaurant Moo

Sandra Diem, Geschäftsführerin Hotel Herisau und Restaurant Moo

Bild: Mareycke Frehner

Einen «herben Einschnitt» habe der bundesrätliche Entscheid im Herisauer Restaurant Moo bewirkt, sagt die Geschäftsführerin Sandra Diem. Während am Tag vor dem Bundesratsentscheid mittags noch 43 Gäste in ihr Restaurant kamen, waren es am Tag danach nur noch sechs. Seitdem bewege man sich mehr oder weniger auf diesem Niveau. Darum werden die Öffnungszeiten auf nächste Woche massiv angepasst, sagt Diem.

Gastrobranche benötigt Hilfe

Es seien alle Massnahmen der vergangenen Wochen zusammen, die dem Gastrogewerbe hart zusetzten, sagt Walter Tobler, Präsident von Gastro SG.

«Die Situation ist schlimm. Die Leute kommen nicht mehr.»
Walter Tobler, Präsident Gastro SG

Walter Tobler, Präsident Gastro SG

Bild: Elke Hegemamm

Verbandspräsident Tobler befürchtet, die Auswirkungen dieser Krise könnten über eine Gesundschrumpfung hinausgehen. Auch Betriebe die vorher gesund geschäftet hätten, seien stark gefährdet.

«Im Gastrogewerbe sind wir schwierige Zeiten gewohnt, aber Corona – das ist ein Ausnahmezustand. Wir brauchen Hilfe.»

Weniger beunruhigt zeigt sich der Betreiber der Südbar in St. Gallen. «Bei uns sind die Abende immer gemütlich», sagt Co-Geschäftsführer Ruedi Gamper. Zufrieden sei er zwar nicht, seine Bar sei aber seit der Einführung von Stehverbot und Sperrstunde jeweils gut besetzt. Trotzdem, zu verdienen sei aktuell nichts:

«Es ist eine Null-Rechnung.»

Das Vertrauen zurückgewinnen

Existenzangst hat Ruedi Gamper keine. Doch wünscht er sich das Vertrauen der Leute zurück. «Das Problem ist, dass die Leute nicht rausgehen.» Dabei würden sich die Gastrobetreiber gut an die Vorschriften halten, die Ansteckungsgefahr sei minimal. Gamper sagt:

«Die Leute müssen wissen, dass sie bei uns sicher sind.»

Auch der Winterthurer Unternehmer Yves Sauter, der im Thurgau verschiedene Bars betreibt, ist überzeugt, dass die Gäste in seinen Lokalen sicher sind. «Wir hatten bereits drei offizielle Fälle von Covid-Infizierten in unseren Bars. Nachweislich hat sich niemand zusätzlich angesteckt», sagt Sauter, der unter anderem das «Peggy O'Neill's» in der Frauenfelder Innenstadt besitzt. Anschliessend habe man die ganze Crew für eine Woche in Quarantäne gesetzt. Trotzdem wurde die Bar mit einer Flotte Ersatzpersonal am Laufen gehalten. Bei zwei Fällen nacheinander hätte er den Laden schliessen müssen, sagt Sauter.

Über die finanzielle Situation zeigt sich der sogenannte «Winterthurer Gastroprinz der 90er-Jahre» besorgt. Die Leute fehlten - vor allem die Sitzpflicht habe den Bars zugesetzt. In der letzten Woche seien im Vergleich zu gewöhnlichen Gästezahlen 50 bis 70 Prozent weniger Leute in die Lokale gekommen, sagt Sauter.

«Die Umsätze brechen ein. Wenn es so weitergeht, haben wir in zwei Monaten kein Geld mehr.»

Besonders die Mieten setzten ihnen zu, sagt Sauter. Private Liegenschaftsverwalter kämen den Betreibern nicht entgegen, selbst wenn diese ihr Lokal schliessen mussten. «Die Mieten müssen uns erlassen werden.» fordert Sauter.

Agron Lleshi, Geschäftsführer Jägerhof

Agron Lleshi, Geschäftsführer Jägerhof

Bild: Hanspeter Schiess

Nachdem auf den Lockdown «super Monate» folgten, haben die Gästezahlen auch im Jägerhof mittlerweile nachgelassen, wie Geschäftsführer Agron Lleshi sagt. Die Einführung der Maskenpflicht hat man im St. Galler Gourmetrestaurant gespürt. «Es ist ruhiger geworden», sagt er. Nach der Personenbeschränkung hätten grössere Gruppen gehäuft abgesagt. Viele würden sich aber auch auf mehrere Vierertische aufteilen, das sei kein Problem. Spürbar sei der Gästerückgang letzte Woche vor allem an Werktagen und am Mittag gewesen. Doch Lleshi ist zuversichtlich.

«Ich bin Jungunternehmer, ich sehe es positiv.»

Im Jägerhof achte man sehr auf die Hygiene, es könne gar ein Abstand von zwei Metern gewährleistet werden. «Die Sicherheit ist zu hundert Prozent gewährleistet», sagt Lleshi. Er rechnet damit, dass es in nächster Zeit wieder aufwärts gehen wird.

«Die Leute lernen, mit den Massnahmen umzugehen. Bereits jetzt klingelt das Telefon wieder öfter.»