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Lesben wehren sich gegen Vorwürfe aus der Schwulengemeinde

Lesbische Frauen sind in der Öffentlichkeit kaum sichtbar. Der Betreiber einer Ostschweizer Gay-Plattform wirft ihnen vor, dies sei auch selbst verschuldet. Das lassen einige Frauen nicht auf sich sitzen.
Odilia Hiller
Lesben demonstrieren an der Zurich Pride für gleiche Rechte. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 16. Juni 2018))

Lesben demonstrieren an der Zurich Pride für gleiche Rechte. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 16. Juni 2018))

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Sie ist gebürtige Rheintalerin und Mitgründerin des Vereins Tag der lesbischen Sichtbarkeit. Petra Bleisch organisierte die Lesbendemonstration mit, die im April in Bern stattfand. 300 Frauen marschierten dort für mehr lesbische Sichtbarkeit.

Die Aussagen von Roland Köppel, Initiant der Gay-Plattform Queer-lake.net, im Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag», will sie so nicht stehen lassen. Der schwule Internetunternehmer provoziert mit gewagten Thesen (Ausgabe vom 10. Juni): Lesben seien wohl Opfer von doppelter Diskriminierung – als Frauen und wegen ihrer sexuellen Orientierung.

Doch ein Teil des Problems, dass Lesben wenig wahrgenommen würden, sei hausgemacht. Zu wenige wollten sich öffentlich für lesbische Interessen engagieren. Sie versteckten sich, so Köppel, hinter dem politischen Kampf für Frauenrechte.

Auch Schwule können sexistisch sein

Für Petra Bleisch, heute Dozentin für Ethik und Religion an der Pädagogischen Hochschule Fribourg, sind diese Aussagen viel zu einseitig. Für sie ist klar, dass auch in der Forderung nach mehr Engagement der Lesben unbewusst eine sexistische Komponente mitschwingt: «Hier versucht wieder einmal ein Mann den Frauen zu erklären, was sie zu tun haben.»

Köppels Aussagen kämen sehr «verkündend» und patriarchalisch daher. Die Aktivistin ortet in der Schwulengemeinde neue, rückwärtsgewandte Tendenzen: "Wir beobachten, dass ein Teil der Schwulen sich von den Lesben entsolidarisiert." Diese Männer würden nicht mehr so feministisch denken wie frühere Generationen.

Bleisch bestreitet nicht, dass Lesben in der Gesellschaft zu wenig sichtbar seien. Die Ursachen dafür sieht sie jedoch in den gewachsenen Strukturen. Ein Beispiel: «In der Gesundheitsprävention rund um sexuell übertragbare Krankheiten, besonders HIV, geht es meist nur um die Schwulen.»

Tatsache ist: Der öffentliche Kampf gegen Aids seit den 1980er-Jahren hat die Schwulen und ihre Organisationen schon vor Jahrzehnten ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Durch die negative Presse investierten die homosexuellen Männer in der Folge viel in die Pflege eines positiveren Images.

Viel Ignoranz

«Von den Lesben war nie die Rede. Öffentlichkeit und Gesellschaft begegnen gerade der lesbischen Sexualität mit viel Ignoranz», sagt Bleisch. Auch sei die Gesundheit von Lesben im Gegensatz zu jener der Schwulen kaum erforscht. «Dafür werden gar keine Forschungsgelder zur Verfügung gestellt.»

Lesbenorganisationen verfügten zudem über viel weniger Geld als Schwule. Beispielsweise für Kampagnen. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Schwule mangels familiärer Pflichten – weniger Teilzeitarbeit, weniger Kinder – in der männlich geprägten Wirtschaftswelt beruflich sehr erfolgreich seien.

Die Ex-Miss-Schweiz als einzige Vorzeigelesbe

Auch auf internationaler Ebene trete diese Ungleichbehandlung zutage: «Während die schwulen Opfer des Holocaust ein Denkmal bekommen haben, kämpfen die Lesben noch immer darum», sagt die Aktivistin. Auch das Schicksal lesbischer Frauen im Dritten Reich sei mangels finanzieller Mittel völlig unzureichend erforscht.

Schliesslich tragen in Petra Bleischs Augen auch die Medien zur reduzierten Wahrnehmung von Lesben bei: «Wen zeigen die Medien, wenn sie ein lesbisches Pärchen brauchen? Eine Ex-Miss-Schweiz und ihr Model. Also ob das die einzigen Lesben des Landes wären.»

Lesbische Quotenfrauen

In Bezug auf die Mitwirkung von Lesben bei LGBTIQ-Organisationen sagt Petra Bleisch: «Diese Gremien bestehen oft aus vielen Schwulen und einer lesbischen Quotenfrau. Darauf haben die Lesben nicht immer Lust.»

Dies sei bis vor kurzem in der Organisation der Zurich Pride, die am gestrigen Christopher Street Day wieder stattfand, der Fall gewesen. Nun habe sich dies zum Glück geändert.

St. Gallen: Frauenpavillon oder "Limettes Party"

Der St. Galler Pfarrerin Annette Spitzenberg sind Köppels Thesen ebenfalls sauer aufgestossen. Sie bezeichnet sich als «späte» Lesbe – sie lebte vor ihrem Coming-out in einer klassischen Familie mit Mann und Kindern. Sie kennt beide Seiten, die hetero- und die homosexuelle.

Auch sie weist auf die doppelte Diskriminierung lesbischer Frauen hin, was vielleicht einige davon abhalte, sich öffentlich zu engagieren. Sie betont, es gebe in der Ostschweiz aber sehr wohl Lesben, die etwas tun und hinstehen. Als Beispiele nennt sie die Initiatorinnen des Frauenpavillons oder der «Limettes Party» in St. Gallen.

Ostschweizer Organisationen schweigen

Die Verantwortlichen des Frauenpavillons sind auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Zwei Organisatorinnen weisen in ihrer Absage darauf hin, dass ihre Angebote aus Kultur und Bildung sehr wohl auf der Plattform Queer-lake.net präsent seien, sofern sie sich an Lesben richteten. Sie möchten aber kein Teil dieses Artikels sein, da ihr Angebot «in der Regel» allen Frauen, nicht nur Lesben, offenstehe.

Die «Limettes Party»-Organisatorinnen waren bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

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