Kolumne
«Die Leere wirkt gespenstisch»: Der St.Galler Velokurier Michael Schläpfer über verlassene Strassen und Rekordumsätze

Wir lassen täglich Menschen aus der Ostschweiz zu Wort kommen, die in der Coronakrise weiterhin arbeiten. Während vielerorts die Arbeit ruht, hat Velokurier Michael Schläpfer so viel zu tun wie noch nie.

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Michael Schläpfer, Velokurier, St.Gallen.

Michael Schläpfer, Velokurier, St.Gallen.

(Bild: PD)

Der Ausnahmezustand sorgt bei uns für Betrieb, wie ich es in meinen 18 Jahren als Velokurier noch nie erlebt habe, zeitweise machten wir Rekordumsätze. Wir sind im Zweischichtbetrieb mit vier Leuten auf Velos und überregional mit dem Auto ständig unterwegs. Labors sind sowieso unsere Hauptkunden, nun ist ihr Bedarf massiv gestiegen.

Auch bei anderen Kunden hat es zugenommen, bei Apotheken, Bäckereien, Lebensmittelläden, Buchhandlungen. Desinfektionsmittel müssen in Altersheime geliefert werden, Medikamente und andere Einkäufe nach Hause. Homeoffice bedeutet mehr Home-Delivery, das gilt auch für Anwälte und Richter.

Auf den Strassen der Geisterstadt

Wo wir sonst problemlos ein- und ausgehen, herrscht jetzt übervorsichtiger Abstandskontakt. Wir fahren zwar nicht mit Mundschutz, aber mit Desinfektionsspray, zu den neuen Regeln gehört der Verzicht auf die übliche Touchdown-Unterschrift per Handy.

So wenig Autos auf den Strassen ist für uns super, aber die Leere wirkt gespenstisch, mir kommt oft der Song «Ghost Town» von den Specials in den Sinn. So gern ich die leeren Strassen befahre, so sehr vermisse ich in diesen Tagen die Normalität, in die Beiz zu gehen, Leute zu treffen, in den Medien was anderes als Corona zu lesen. Ich bin so gern unter Leuten!

Aufgezeichnet von Marcel Elsener.