Interview

Die Lawinengefahr im Gebiet Flumserberg war erheblich – Risiko nimmt am Wochenende weiter zu

Eine Lawine in Flumserberg hat einen Skitourengänger am Donnerstag das Leben gekostet. Die Lawinensituation für das Gebiet wurde vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) bereits vorher als erheblich eingeschätzt. «Durch Schneefälle wird die Gefahr aufs Wochenende noch zunehmen», sagt Lukas Dürr, Lawinenprognostiker vom SLF.

Tim Naef
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Insbesondere über 2000 Metern über Meer können einzelne Wintersportler Lawinen auslösen. (Bild: Keystone)

Insbesondere über 2000 Metern über Meer können einzelne Wintersportler Lawinen auslösen. (Bild: Keystone)

Hat Sie die Schneebrettlawine in Flumserberg überrascht?

Überrascht waren wir nicht. Aufgrund der aktuellen Lawinensituation wurde die Lawinengefahr für das Gebiet Sässli im Schilstal bereits vor dem Unglück als erheblich eingeschätzt. 

Handelt es beim Unglücksort um eine explizites Risikogebiet?

Nicht direkt. Das Gebiet rund um das Schilstal ist nicht gefährlicher einzuschätzen als andere ähnliche Hänge in der Region. 

Wie meinen Sie das?

Mit genügend Schnee ist jeder Hang , welcher eine Neigung von über 30 Grad hat, ein potenzieller Lawinenhang. Entscheidend dabei ist aber immer die aktuelle Schneelage. 

Lukas Dürr, Lawinenprognostiker vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung. (Bild: pd)

Lukas Dürr, Lawinenprognostiker vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung. (Bild: pd)

Weiss man bereits was für eine Art Lawine zum Todesfall geführt hat?

Es hat sich um eine trockene Schneebrettlawine gehandelt. Dies ist auch die gefährlichste Art von Lawine für den Menschen. Sie verursacht über 90 Prozent der Lawinenopfer.

Über 90 Prozent?

In der Tat; diese Art von Lawine kann vom Menschen ausgelöst werden. Oft befindet sich der Schneesportler direkt in den abgleitenden Schneemassen. Er wird folglich sofort mitgerissen und im schlimmsten Fall verschüttet.

Müssen wir aktuell mit mehr Unfällen rechnen?

Mit dem Neuschnee und dem starken bis stürmischen Nordwind entstanden in den letzten zwei Tagen in weiten Teilen der Ostschweiz teils grosse Triebschneeansammlungen. Diese sind besonders störanfällig. Insbesondere über 2000 Metern über Meer können einzelne Wintersportler Lawinen auslösen. Diese können vereinzelt gross werden. Touren und Variantenabfahrten erfordern Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr.

Aktuelle Lawinengefahr:

Verschärft sich die Situation aufs Wochenende?

Am Samstag und Sonntag fällt in der Ostschweiz und in Graubünden ab einer gewissen Höhe verbreitet Schnee, im Süden ist es teils sonnig. In der Höhe und im Süden bläst weiterhin starker bis stürmischer Nordwind. Die Lawinengefahr kann deshalb in der Nacht auf Sonntag im Norden gebietsweise noch etwas ansteigen und die Lawinensituation bleibt auch am Sonntag heikel. Im Süden ändert sich die Lawinengefahr kaum.

Wie verhalte ich mich bei einer Lawine richtig?

Das wichtigste ist die Prävention. Man muss um jeden Preis verhindern, in eine Lawine zu geraten.  Sollte es trotzdem geschehen, dann empfiehlt das SLF folgende Verhaltensregeln:

  1. Stöcke wegwerfen
  2. Mit Schwimmbewegungen versuchen an der Oberfläche der Lawine zu bleiben.
  3. Vor dem Stillstand der Lawine: Atemwege schützen. Die häufigste Todesursache in einer Lawine ist Ersticken.

Weitere Informationen zum richtigen Verhalten bei Lawinenabgängen finden Sie hier.

Das Schneebrett löste sich im Gebiet Sässli