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Die Krux mit den Finessen – die musikalische Rückschau auf das Open Air St.Gallen

Die 42. Ausgabe des Open Air St.Gallen ist Geschichte. Die musikalischen Highlights liessen sich an anderthalb Händen abzählen. Dennoch enttäuschte das Programm nicht – dank verführerischen Altmeistern und brillanten Unbekannten.
Michael Gasser
Unbestrittener Höhepunkt am Open Air 2018: Depeche Mode. (Bild: Ralph Ribi)

Unbestrittener Höhepunkt am Open Air 2018: Depeche Mode. (Bild: Ralph Ribi)

Die Sonnenblumenzierde auf der Sitterbühne beginnt zu verwelken. Ein untrügliches Anzeichen dafür, dass sich das Open Air seinem Ende zuneigt. Selbiges scheint auch die von Wehmut beseelte Musik von Veronica Fusaro auszudrücken. Die 20-jährige Singer-Songwriterin aus Thun unternimmt am Sonntagmittag kleine Ausflüge zum Jazz hin, kreiert in der Regel aber unaufgeregten Pop mit ernster Note. Nebst Fusaro verleihen auch andere Acts der diesjährigen Festivalausgabe eine spürbar schweizerische Note: Am Freitag unterhält der Ostschweizer Crimer das Publikum mit seinem elastischen Synthie-Pop geradezu blendend.

Tags darauf sorgt der Zürcher Faber mit rauchiger Stimme und derben Texten für Begeisterung. Riesig ist dann der Andrang bei Lo & Leduc. Das ist per se kein Qualitätsmerkmal, doch den Berner Rappern gelingt es, die Zuhörenden am letzten Konzerttag mit Freestyle-Einlagen und relaxten Liedern wie dem ­karibisch angehauchten «Chileli vo Wasse» abzuholen. Der Gig der Luzerner Mundartformation Hecht, eine Stunde zuvor, fällt hingegen in die Kategorie «unter ferner liefen». Obschon sich Sänger Stefan Buck als talentierter Musikanimateur entpuppt und er flockige Pop-Stücke wie «Gymnastique» kredenzt, verdienen sich Hecht bloss das Prädikat «unterhaltsam».

Eines Besseren belehrt

Die ganz grossen Enttäuschungen bleiben bei der 42. Festivalausgabe aus. Und das, obgleich sich die Editors aus Birmingham am Freitagabend mit einem arg routinierten Set begnügen. Nicht vollends befriedigt zudem der Auftritt der Chvrches. Den schottischen Elektropoppern gelingt es kaum, die Finessen ihrer Studiowerke auch live darzubieten. Überraschend vif präsentieren sich ­Depeche Mode. Wer gedacht hätte, dass die Altmeister des Synthie-Pops in die Jahre gekommen sind, wird eines Besseren belehrt. Die Gruppe um den drahtigen Dave Gahan präsentiert sich bestens gelaunt. Mit dem Resultat, dass ihre Evergreens wie «Stripped» oder «Never Let Me Down Again» unverändert verführerisch klingen.

Sieht man mal von den Briten ab, sind es 2018 die nicht ganz so namhaften Acts, die brillieren. Zu diesen zählen das schwedische Indie-Duo Johnossi, das ein explosives Set hinlegt, sowie die Australier Angus & Julia Stone. Das Geschwisterpaar beschert den Zuhörern detailreichen und fokussierten Indie-Folk. Auch die Show der skandinavischen First Aid Kit bezirzt. Johanna und Klara Söderberg reichern ihren Folk mit Country und Posaune an. Es sind jedoch insbesondere ihre sirenengleichen Harmonien, mit denen die schwedischen Schwestern triumphieren.

Solides am Laufmeter

Unser Fazit: Musikalische Höhepunkte sind am Open Air tendenziell Mangelware. Dafür gibt es etliche Newcomer zu entdecken und Solides am Laufmeter zu hören. Womit die Festivalausgabe guten Durchschnitt plus bietet. Was auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird, ist die neu konzipierte Sternenbühne. Diese wartet mit neuem Zelt und grösserer Bühne auf – was sich positiv auf den Konzertgenuss auswirkt.

Und welche Bilanz ziehen die Macher? «Wir sind happy», erklärt Festivalchef Christof Huber. Trotz der Tatsache, dass sich nicht alle Tickets absetzen liessen. Letztlich hätten rund 27000 Menschen den diesjährigen Event besucht – das entspricht gut 100000 Tageseintritten. Dazu beigetragen habe nicht zuletzt das gute Wetter, so der sichtlich zufriedene Huber. Selbstverständlich verpasst er es nicht, bereits vor dem letzten Konzert auf die nächste Ausgabe hinzuweisen. Und kurz nach Festivalende gaben die Verantwortlichen auch schon den ersten Headliner für 2019 bekannt: Die Ärzte kehren nach fünf Jahren Abstinenz ins Sittertobel zurück.

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