Die Kirche disqualifiziert sich selbst

«Bischof Gmür verweigert Homosexuellem Seelsorge­tätigkeit », Ausgabe vom 11. Juni

Christian Leutenegger
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«Wir wollen alle Menschen als Geschöpfe Gottes wertschätzen, die Lebensrealität von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transpersonen und Intersexuellen in Kirche und Gesellschaft erkennen, ernst nehmen und Diskriminierung abbauen.»

Sind diese hehren Grundsätze, zitiert aus dem Flyer «Regenbogenpastoral» des Bistums Basel, nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind? Da lanciert ein Bistum mit viel Mediengetöse eine Pastoral für Lesben und Schwule und lässt sich in der Öffentlichkeit für seine ­Fortschrittlichkeit feiern, und bei der erstbesten Gelegenheit, die Ernsthaftigkeit des Anliegens unter Beweis zu stellen, wird einem schwulen Seelsorger, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, die Arbeitserlaubnis verweigert. Da nützt es auch nichts, wenn die Mediensprecherin des Bistums auf den Unterschied zwischen einem Seelsorge-Angebot und einer kirchlichen Anstellungspraxis hinweist. Als schwuler Mann kann ich auf obiges Angebot gerne verzichten, wenn es das Bistum nicht schafft, für die eigenen Mitarbeiter diese Grundsätze in die Tat umzusetzen. So disqualifiziert sich die Kirche als Gesprächspartnerin jedenfalls gleich selbst. Lasst doch im Bistum Basel die Regenbogenpastoral vorerst einfach bleiben, mindestens so lange, bis ihr die obigen Grundsätze selber intern auf die Reihe gekriegt habt.

Christian Leutenegger

Kath. Pfarreibeauftragter, Wittenbach