Die Itten-Show

Nach dem frühen Führungstor durch Andreas Wittwer steuert Cedric Itten zum 6:0 von St. Gallen gegen Ueberstorf fünf Tore bei. In den Sechzehntelfinals wartet erneut ein Team aus der 2. Liga interregional.

Patricia Loher, Ueberstorf
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Cedric Itten zum Vierten: Mit dem Absatz erzielt der St. Galler Stürmer das 5:0 in der 90. Minute.Bild: Peter Klaunzer/KEY

Cedric Itten zum Vierten: Mit dem Absatz erzielt der St. Galler Stürmer das 5:0 in der 90. Minute.Bild: Peter Klaunzer/KEY

Es war im freiburgischen Ueberstorf fast ein Feiertag. Nach dem Spiel rechneten die Organisatoren vor, dass zur Cuppartie gegen den FC St.Gallen nur 14 Leute weniger gekommen waren, als das Dorf Einwohner zählt. Die Stimmung war aufgeräumt. «Es hat wirklich Spass gemacht, hier zu sein», sagte St.Gallens Trainer Peter Zeidler.

Die Zuschauer und der Fussballclub Ueberstorf hatten ein bisschen davon geträumt, den Gast aus der Ostschweiz ärgern zu können, oder «dass wir wenigstens die Null länger halten würden», wie Trainer Daniel Spicher sagte. Doch schon nach 25 Sekunden waren die Pläne des Aussenseiters durchkreuzt. Nach dem ersten Angriff hatte Verteidiger Andreas Wittwer die Ostschweizer mit einem platzierten Abschluss aus 16 Metern in Führung gebracht.

Itten stiehlt Aebischer die Show

Einige Minuten nach dem Rückstand kamen die Freiburger nach einem Missverständnis in St.Gallens Abwehr zu ihrer besten Möglichkeit des Spiels. Doch danach folgte eine Ostschweizer Demonstration. Die Mannschaft trat genauso auf wie in der Meisterschaft. Sie griff hoch an, erkämpfte sich die zweiten Bälle und setzte den einen oder anderen spielerischen Glanzpunkt.

Dereck Kutesa war in jener Sturm- und Drangphase St.Gallens auffälligster Spieler, der Romand diktierte den Rhythmus. Aber auch Wittwer und Silvan Hefti setzten immer wieder gut nach. Der Gegner aus der 2. Liga interregional war jedenfalls überfordert. Nur einer hielt dem permanenten Druck stand: Goalie Gael Aebischer verhinderte mit mehreren starken Paraden einen zur Pause hoffnungslos hohen Rückstand. St.Gallen aber musste sich vorwerfen, aus den vielen Chancen zu wenig gemacht zu haben. Ueberstorfs Goalie wäre wohl der Mann des Spiels gewesen, hätte ihm nicht St.Gallens Cedric Itten noch die Show gestohlen. Der Stürmer erledigte St.Gallens Aufgabe in der ersten Hauptrunde zumindest auf dem Papier praktisch im Alleingang.

In der 17. Minute erhöhte er auf 2:0, in der 63. Minute auf 3:0, um zwischen der 76. und 93. Minute dreimal zu treffen. Das 5:0 hatte Itten schön per Absatz erzielt. Fünf Tore in einem Ernstkampf seien ihm letztmals bei den Junioren gelungen, sagte er. «Es war wichtig, Vollgas zu geben. Uns kam entgegen, dass wir früh in Führung gingen», so der 21-Jährige, der auch in der Meisterschaft St.Gallens bester Torschütze ist. «Wir haben als Team eine gute Leistung gebracht.»

Trainer Zeidler hatte darauf verzichtet, im Vergleich mit dem Meisterschaftsspiel in Zürich gross in die Aufstellung einzugreifen. Mit Ausnahme des verletzten Vincent Sierro setzte der Trainer auf dieselbe Mannschaft wie beim 0:0 im Letzigrund. Es war Zeidlers persönliches Zeichen an die Spieler, den Gegner trotz klarer Rollenverteilung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. «Wir hatten Respekt», sagte der Coach.

Keine Lobeshymnen von Zeidler

Zeidler kann dieses Resultat einordnen. St.Gallen und Ueberstorf trennen vier Spielklassen. Auf der einen Seite die Profis, auf der anderen Seite die Amateure. Nur kann ein Team aus dieser Liga auch äusserst hartnäckig sein. Im Herbst musste St.Gallen gegen Linth ins Penaltyschiessen. Zeidler sagte: «Die Mannschaft hat uns heute Freude bereitet, und es ist auch bei einem unterklassigen Gegner nicht einfach, so hoch zu gewinnen. Aber ich breche nicht in Lobeshymnen aus.»

Im siebten Spiel dieser Saison erstmals zum Einsatz kam Tranquillo Barnetta. Der frühere Schweizer Internationale wurde nach der Pause für den angeschlagenen Milan Vilotic eingewechselt. Der 33-jährige Barnetta wirkte präsent und machte vor allem mit einem Freistoss auf sich aufmerksam, der das Tor nur knapp verfehlte. Sein Trainer sagte: «Barnetta versteht dieses Spiel. Ich bin zufrieden mit seiner Lust, für den FC St. Gallen spielen zu wollen. Wir werden nun schauen, wie wir ihn in den nächsten Wochen weiter einbinden.» In den Sechzehntelfinals, die gestern Abend ausgelost wurden, trifft der FC St.Gallen erneut auf ein Team aus der 2. Liga interregional. Am Wochenende des 15./16. September reisen die Ostschweizer zum FC Muri in den Kanton Aargau.