Die Innerrhoder Gesundheitschefin Antonia Fässler tritt wenige Wochen vor dem Spitalentscheid zurück +++ Zeitpunkt wirft Fragen auf +++ Das sind mögliche Nachfolger

Antonia Fässler kündigt ihren Abgang aus der Standeskommission an. Sie sagt: «Ich wollte meinen Rücktritt bewusst vor dem Entscheid der Standeskommission zum Spitalprojekt einreichen.»

Jesko Calderara
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Antonia Fässler tritt auf die diesjährige Landsgemeinde hin zurück.

Antonia Fässler tritt auf die diesjährige Landsgemeinde hin zurück.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Die einzige Frau in der Innerrhoder Standeskommission hat genug von der Politik. Antonia Fässler hat auf die diesjährige Landsgemeinde vom 26. April ihren Rücktritt eingereicht. Dies gab sie gestern bekannt. Fässler wurde an der Landsgemeinde 2010 zur Frau Statthalter gewählt. In dieser Funktion steht die CVP-Politikerin dem Gesundheits- und Sozialdepartement vor.

Den Rücktritt begründet Fässler mit ihrem Alter und beruflichen Plänen. «Die Zeit ist reif, nochmals etwas Neues zu machen», sagt die 50-Jährige. Was dies ist, lässt sie offen. Amtsmüdigkeit spürt Fässler keine. Der Zeitpunkt zu gehen sei nun aber gekommen, zumal sie bereits seit zehn Jahren die Geschicke des Kantons in der Standeskommission mitgestalten dürfe.  

Keine Unstimmigkeiten wegen des Spitalprojekts

Bereits vor einem Jahr hatte Fässler Rücktrittsgedanken gehabt. Nachdem der frühere Innerrhoder Landammann und heutige Ständerat Daniel Fässler auf die Landsgemeinde 2018 hin seinen Abgang ankündigte, entschloss sich Fässler jedoch zum Weitermachen. Auch während des Nationalratswahlkampfs machte Antonia Fässler nie Andeutungen, aus der Standeskommissionen zurücktreten zu wollen. Im Gegenteil, immer wieder hob sie die Vorteile des Doppelmandats hervor. Bei einer Wahl in den Nationalrat hätte sie ihre beruflichen Per­spektiven in der Politik gesehen, sagt Fässler. «In diesem Fall wäre ich noch eine Legislatur in der Standeskommission geblieben». Es kam jedoch anders. Die Stimmberechtigten wählten nicht Fässler, sondern alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner als Innerrhoder Vertreter in die grosse Kammer.
Die Ankündigung der Vorsteherin des Gesundheitsdepartements, auf die kommende Landsgemeinde hin aufzuhören, kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. In wenigen Wochen wird sich entscheiden, wie es mit dem geplanten Spitalneubau in Appenzell weitergeht. Die Landsgemeinde hatte 2018 Ja dazu gesagt. Angesichts der sinkenden Fallzahlen und des steigenden Betriebsdefizits beim Spital Appenzell ist aber unklar, ob das Vorhaben überhaupt realisiert wird. Zur Diskussion stehen verschiedene Optionen –vom Bau des Ambulanten Versorgungszentrums plus wie geplant über ein Moratorium bis hin zu einem Verzicht auf das 41-Millionen-Franken-Projekt. Dass ihr angekündigter Abgang mitten im Entscheidungsprozess Fragen aufwirft, ist sich Fässler bewusst. «Ich wollte meinen Rücktritt aber bewusst vor dem Entscheid der Standeskommission zum Spitalprojekt einreichen.» Abgesehen davon werde dieses Dossier die Innerrhoder Politik noch mehrere Jahre beschäftigen. Der Entscheid zum Spitalneubau soll Ende Januar oder spätestens Anfang Februar vorliegen. Zurzeit wird der Bericht ausgearbeitet. Ihr Schritt sei letztlich jedoch unabhängig davon erfolgt, sagt Fässler. Sie verneint zudem, dass es innerhalb der Standeskommission Unstimmigkeiten zur Frage gibt, wie es mit dem Spital Appenzell weitergehen soll.

Gesundheitspolitiker gesucht

Nun liegt es an den politischen Gruppierungen und Parteien im Kanton, Kandidierende für das frei werdende Gesundheits- und Sozialdepartement zu suchen. Eine mögliche Kandidatin als Frau Statthalter ist Grossrätin Angela Koller. Die stellvertretende Departementssekretärin des Ausserrhoder Departements Gesundheit und Soziales beschäftigt sich bereits berufshalber mit der Thematik. Die Präsidentin der Arbeitnehmervereinigung Appenzell gehört zudem der Kommission für Soziales, Gesundheit, Erziehung und Bildung des Grossen Rates an. Dies trifft auch auf Grossratspräsidentin Monika Rüegg Bless zu. Vielleicht steigt abgesehen davon Grossrat Bruno Huber nochmals ins Rennen. Der regierende Hauptmann des Bezirks Rüte verpasste an der Landsgemeinde 2019 die Wahl als Landammann.

Mit Antonia Fässler hat die einzige Frau in der Standeskommission ihren Rücktritt eingereicht.

Mit Antonia Fässler hat die einzige Frau in der Standeskommission ihren Rücktritt eingereicht.

Bild: Ralph Ribi
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