Die Hühner müssen sterben

Tierschützer Reinhold Zepf will sich nicht mehr länger um die ausgesetzten Hühner kümmern. Er könne die Bedingungen des Kantons Thurgau nicht erfüllen. Damit ist ihr Todesurteil besiegelt.

Silvan Meile
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Tierschützer Reinhold Zepf sorgt nicht länger für die Masthühner. (Bild: Mario Testa)

Tierschützer Reinhold Zepf sorgt nicht länger für die Masthühner. (Bild: Mario Testa)

FRAUENFELD. Tierschützer Reinhold Zepf wirft das Handtuch. Er kämpfte darum, dass die 150 in einem Wald bei Happerswil ausgesetzten Masthühner nicht auf der Schlachtbank enden (Ausgabe vom 15. Oktober). Auf eigene Kosten nahm Zepfs Thurgauer Tierschutzverein die Tiere auf, wie er sagt. «Wir haben auch ihren Gesundheitszustand abgeklärt. Alle Tiere sind gesund.»

Nicht an Dritte weitergeben

Doch die Rettung ist gescheitert. Weil das Veterinäramt des Kantons Thurgau dem Tierschutzverband verbiete, die Hühner an Dritte weiterzugeben, sei es dem Tierschutz aus Platzgründen nicht möglich, die Tiere langfristig zu halten, erklärt Zepf. Ausserdem verlange das Veterinäramt vom Tierschutz, dass sämtliche Tiere nach ihrem Tod in einer Tiefkühlanlage aufbewahrt werden müssten. Auch diese Anforderung kann Zepf logistisch nicht erfüllen, wie er sagt. In einem Schreiben an das Veterinäramt teilte der Tierschützer deshalb nach eigenen Angaben gestern mit, unter diesen Umständen nicht weiter für die Tiere sorgen zu können. Für die Hühner dürfte dieser Entscheid das Todesurteil bedeuten.

Zepf gibt die Tiere wieder ab

Das Veterinäramt des Kantons Thurgau wollte die Tiere nach dem Auffinden im Wald schlachten. Denn die Hühner seien bereits derart gemästet, dass sie sich kaum noch bewegen können. Um ihnen Leid zu ersparen, entschieden sich die Kantonstierärzte für die Tötung der Tiere. Für Tierschützer Zepf war dies keine Lösung. Er versuchte, den Hühnern doch noch ein glückliches Leben zu ermöglichen. «Viele Menschen sind bereit, die Tiere bei sich aufzunehmen. Nun muss ich mich aber der grausamen Staatsmacht beugen», sagt Zepf. Die Auflagen seien ihm zu viel. So könne er die Tiere nicht retten. Zepf spricht von Bürokratie und Schikane. «Deshalb gebe ich die Tiere wieder ab.» Das Veterinäramt wollte diesen Fall gestern nicht kommentierten.

Leben für die Fleischproduktion

Das Beispiel der ausgesetzten Hühner zeige einmal mehr, wie qualvoll Tiere gezüchtet würden, bevor sie auf dem Teller landen, sagt Zepf. «Wenn das Schicksal dieser Hühner bewirkt, dass mehr Menschen über diese Qualzucht Bescheid wissen, so hat sich unser Einsatz gelohnt.» Die ausgesetzten Masthühner gehören zu jenen Tieren, die gezüchtet wurden, damit sie wenige Wochen lang Futter verabreicht bekommen, um danach eine optimale Menge an Pouletfleisch zu liefern.

Die im Wald vorgefundenen Tiere hatten bereits die Schlachtreife erreicht. «Eine weitere Haltung erscheint aus Tierschutzgründen höchst fragwürdig», teilte das Veterinäramt schon nach Auffinden der Tiere mit. Weil sich Zepf aber schützend vor die Tiere stellte, wurde ihre Schlachtung vorerst verhindert. Nun dürften sie wohl doch noch auf der Schlachtbank enden.