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Die HSG steht in der Kritik: Trotzdem halten sich die öffentlichen Reaktionen in Grenzen

Die Universität St.Gallen ist derzeit von der Raiffeisen-Affäre, von einem internen Spesenmissbrauch sowie von der «Dieselgate»-Verhaftung eines Honorarprofessors betroffen. Kritik ist wenig zu hören, die Konsequenzen sind schwer abschätzbar.
Marcel Elsener
Trügerische Idylle vor dem Hauptgebäude: Die HSG ist derzeit mehrfach mit Ungemach konfrontiert. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Trügerische Idylle vor dem Hauptgebäude: Die HSG ist derzeit mehrfach mit Ungemach konfrontiert. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Mitarbeiter eines HSG-Instituts haben unrechtmässig umfangreiche Spesen bezogen. Der Fall ist vor zehn Tagen bekannt geworden, es laufen eine Administrativuntersuchung und drei Disziplinarverfahren (Ausgabe vom 22. Juni). Genaueres weiss die Öffentlichkeit nicht, und welches Institut von den Verfehlungen betroffen ist, ist nach wie vor nicht bekannt. Erstaunlicherweise haben bislang alle Informierten dicht gehalten, sogar hinter vorgehaltener Hand. Und noch erstaunlicher: Abgesehen von einigen erwartbar hämischen Kommentaren in sozialen Medien oder Online-Publikationen halten sich die öffentlichen Reaktionen in engen Grenzen.

Was auch für die beiden anderen Fälle gilt, mit denen die Universität St. Gallen jüngst in die Schlagzeilen geraten ist: zum einen die Finma-Vorwürfe gegen den langjährigen Raiffeisen-Präsidenten und HSG-Public-Governance-Professor Johannes Rüegg-Stürm (Ausgabe vom 20. Juni), zum andern die Verhaftung von Audi-Chef und HSG-Honorarprofessor Rupert Stadler. Statt eines Sturms der Empörung lediglich Verwunderung, Kopfschütteln, Schulterzucken. Und sonst: Schweigen. Über die Gründe kann spekuliert werden. Wohl hat es mit den in allen drei Fällen laufenden Verfahren zu tun, die tatsächlich einigen Spielraum offen lassen – man weiss noch zu wenig. Möglicherweise liegt es an der von Fussball-WM und anderen Sommerspektakeln abgelenkten Aufmerksamkeit des Publikums. Doch gewiss hängt es auch mit dem «Komplex Rosenberg» und dem «heiligen Gral HSG» zusammen, wie es kritische Stimmen formulieren: «Keine Krähe hackt der andern ein Auge aus.» Der Universitätsleitung dürfte die Ruhe recht sein, bis die Verfahren geklärt sind. Man bemühe sich wie im Fall des möglichen Spesenmissbrauchs um frühzeitige Information, heisst es. Nun bitte man «um Verständnis, dass wir während der laufenden Untersuchung keine weiteren Angaben machen können», wie Jürg Roggenbauch, Leiter der HSG-Medienstelle, auf Fragen etwa zur Rechnungskontrolle der Institute verlauten lässt. Nach Abschluss des Verfahrens werde man wieder informieren. Ob die Geschäftsabschlüsse der einzelnen Institute über den Einzelfall hinaus ein Thema werden, wird sich weisen. Bislang werden sie ausschliesslich von der kantonalen Finanzkontrolle überprüft.

Stadlers Honorarprofessur ist ausgesetzt und wird geprüft

Noch nicht offiziell Stellung genommen hat die HSG zur Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler, der seit Mitte Juni wegen Verdunkelungsgefahr in der Diesel-Affäre in Untersuchungshaft ist. Die Staatsanwaltsschaft München wirft Stadler, der in St. Gallen eine Honorarprofessur inne hat, Betrug sowie Beeinflussung von Zeugen vor. Aufgrund der Vorgänge um Audi ist es laut HSG-Mediensprecher Roggenbauch derzeit unklar, «ob die Voraussetzungen für eine Honorarprofessur von Rupert Stadler noch gegeben sind». Daher habe die Universität St. Gallen «umgehend nach der Festnahme» dem Generalsekretariat von Stadler mitgeteilt, dass die Honorarprofessur «bis zum Abschluss des Verfahrens und der damit zusammenhängenden Klärung des Sachverhalts nicht mehr ausgeübt» werden könne. Dennoch gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Rupert Stadler wurde am 1. November 2012 zum Honorarprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen ernannt. Er habe sich regelmässig aktiv in der Lehre an der Universität St. Gallen engagiert und Forschungsprojekte an zahlreichen Instituten der HSG gefördert, wie es heisst. Zuständig für solche Ernennungen ist der Senat, der eine Honorarprofessur aufgrund einer «langjährigen erfolgreichen ausseruniversitären Leistung in Wirtschaft, Politik, Justiz, Verwaltung oder Kultur» vergeben kann. Dabei müssen diese Personen in ihrer Tätigkeit einen wissenschaftlichen Bezug aufweisen und an der HSG eine längere Lehrtätigkeit übernehmen. Anders als bei Ordinarien fällt bei diesen Personen der Titel «Honorarprofessor» weg, wenn die Tätigkeit an der HSG für mehr als zwei Jahre unterbrochen wird. Der Titel kann auf Lebenszeit verliehen werden, wenn die Tätigkeit an der HSG ununterbrochen mehr als acht Jahre dauerte. Für einen allfälligen Entzug des Titels wäre der Senatsausschuss der Uni zuständig.

Der Fall ist doppelt heikel, weil Audi zu den privaten Sponsoren der HSG gehört: Der Automobilkonzern finanziert seit 2005 ein sogenanntes Kompetenzzentrum («Audi-Lab»), an dem vier Institute beteiligt sind. Auf die Frage nach einer möglichen Verwicklung in den Abgas-Skandal und folglichem Reputationsschaden erklärt HSG-Sprecher Roggenbauch, dass Audi sechs bis sieben Doktorandenstellen an diesen Instituten finanziere. «Es wurde bisher nie zu technischen Themen geforscht, sondern im Bereich Marketing, IT, Accounting und Personal.» Was die weitere Zusammenarbeit betrifft, beschränkt sich Roggenbauch auf eine allgemeine Auskunft: Für die Doktorandenstellen gebe es unterschiedlich lange, maximal dreijährige Verträge. Vor dem Abschluss neuer Verträge werde die Kooperation «jeweils regulär von beiden Seiten überprüft».

Fragen zu Nebenverdiensten und Aufsichtsorganen

Die schwerwiegendsten Fragen zum Verhältnis Politik-Wirtschaft und zur Trägerschaft der Universität stellen sich im Fall des für ein Forschungssemester beurlaubten Professors Johannes Rüegg-Stürm. Der Leiter des Instituts für Systemisches Management und Public Governance, der mehrfach mit HSG-Rektor Thomas Bieger publiziert hat, steht wegen seines Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidiums in der Ära Vincenz massiv in der Kritik; es droht eine strafrechtliche Untersuchung. Rüegg-Stürms 50-Prozent-Mandat bei der Bank, das ihm zusätzlich zum Professorengehalt jährlich über 300000 Franken einbrachte, wird von Kommentatoren grundsätzlich angezweifelt. Den Verdacht einer bewilligten Ausnahme weist die Uni aber zurück: Die Nebentätigkeit Rüegg-Stürms sei gemäss Reglement rechtens gewesen, auch was den Anstellungsgrad betreffe, wie Jürg Roggenbauch erklärt: «Als Ordinarius hat er die Möglichkeit, einen Fünftel von seinem Pensum für Nebentätigkeiten einzusetzen. Zusammen mit der Reduktion auf ein 75-Prozent-Pensum an der HSG war dieses Mandat als Verwaltungsratspräsident machbar.»

Das fragwürdige Mandat Rüegg-Stürms wirft Fragen zu den Nebentätigkeiten von Professoren auf. Nicht zum ersten Mal: 2009 schlug der ehemalige SP-Kantonsrat Hans Fässler im Nachgang der Affäre Thielemann (respektive Jaeger/Mohr) die Publikation «einer vollständigen Liste der HSG-Professoren mit ihren ausseruniversitären Beschäftigungen, Einkünften und Verwaltungsratsmandaten» vor. Nun fragen die SP-Kantonsräte Max Lemmenmeier und Peter Hartmann die St. Galler Regierung nach einer solchen Übersicht und der Überprüfung heikler Positionen. Die HSG verweist auf ihre Bemühungen: Transparenz bezüglich Nebentätigkeiten herrsche seit längerem, denn die Universität habe im Oktober 2014 die Informations- und Offenlegungsrichtlinien erlassen, heisst es. Die im März 2015 in Kraft gesetzten Richtlinien legen fest (Artikel 4), welche Nebentätigkeiten offenzulegen sind. Auf der HSG-Website Alexandria können die erfassten Nebentätigkeiten in den Profilen der HSG-Dozierenden eingesehen werden.

Den SP-Kantonsräten geht es über den Einzelfall hinaus um mehr: Sie wollen wissen, ob die Regierung oder einzelne Departemente das HSG-Institut Rüegg-Stürms seit 2010 mit Gutachten beauftragt hätten, «und wenn ja: zu welchen Themen und welchen Kosten». Dahinter stecken grundsätzliche Einwände gegen eine forcierte Public-Corporate-Governance, die unter anderem zur Verdopplung der Entschädigungen für Leitungsgremien geführt hat – auch im Universitätsrat. Das elfköpfige Aufsichtsorgan der HSG tagt das nächste Mal erst im September; bis dahin immerhin könnten die laufenden Verfahren neue Erkenntnisse geliefert haben.

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