Die Heldinnen und Helden der Olma

Hunderttausende strömen an die Olma, um sich zu amüsieren. Damit dies möglich ist und sich die Gäste wohl fühlen, packen zig Angestellte an. Kathrin Reimann (Text) hat sich mit Benjamin Manser und Urs Bucher (Bilder) auf die Suche nach solchen Heldinnen und Helden gemacht.

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Ist Röstikoch aus Leidenschaft: Albert Mock. (Bild: Benjamin Manser)

Ist Röstikoch aus Leidenschaft: Albert Mock. (Bild: Benjamin Manser)

Schauen, schwatzen, probieren, konsumieren und es sich einfach gut gehen lassen. Für viele ist der Olma-Besuch der Höhepunkt des Jahres. Andere besuchen die Messe, um zu arbeiten. Die einen aus finanziellen Gründen, andere aus Leidenschaft. Auf Albert Mock trifft letzteres zu. Und das seit über 20 Jahren. Der 76jährige Röstikoch aus Untereggen gönnt sich am Feierabend ein Glas Wein. So viele Rösti gewendet wie er, hat wohl keiner. 5,5 Tonnen Kartoffeln verarbeitet er an der Messe, was 500 bis 600 Portionen Rösti pro Tag entspricht. «Der Job gefällt mir sehr, nur ein bisschen müde bin ich mittlerweile.» Seit einigen Jahren behauptet Mock nach jeder Messe, es sei seine letzte gewesen. Und taucht dann doch immer wieder auf. Der Grund? «Die hübschen Olma-Frauen natürlich», sagt er, lacht verschmitzt und eilt aufs Postauto.

Albert Mock (76), Röstikoch, Untereggen. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
9 Bilder
Angela Brunner (23), Oberflächen-Reinigerin, Goldach. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Danilo Callegari (30), Securitas, St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Barbara Willi (26), Service-Angestellte in der "Chüeli"-Bar, Mühlrüti. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Noemi Hug (21), Promotorin, Murten. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Lukas Frehner (25), Vize-Stallmeister, Eggersriet. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Perla Mennillo (43), WC-Kontrolle, St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Karin Ammann (44), Mitglied Sanitätszug der Feuerwehr, Mörschwil. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)
Dominik Zimmermann (43), Rettungssanitäter, Weissbad. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)

Albert Mock (76), Röstikoch, Untereggen. (Bild: Benjamin Manser/Urs Bucher)

«Für den Job opfere ich meine Ferien»

In der Chüeli-Bar steht eine dieser besagten Frauen hinter dem Tresen und schenkt in ländlicher Kluft Bier, Wein und Schnäpse aus. Die 26jährige Barbara Willi aus Mühlrüti arbeitet zum ersten Mal an der Olma und ist vom Job angetan. «Das Team ist cool, es läuft immer was.» Dumm angemacht wurde sie bisher noch nie. «Nur manchmal stürmen und rufen die Leute aus lauter Ungeduld an der Bar.» Sechs bis sieben Stunden ist sie täglich tätig und, wie sie sagt, sie wäre ohne Serviceerfahrung total aufgeschmissen. «Am Abend spüre ich genau, was ich gemacht habe.» Auch wenn dieser Job ihr gutes Geld einbringt, macht sie ihn nicht aus diesem Grund: «Ich arbeite sonst als Sozialpädagogin und schätze diese neue Erfahrung sehr.»

Ganz anders denkt Danilo Callegari über seine Arbeit. Der 30jährige Securitas aus St. Gallen absolviert zwar seinen ersten Einsatz an der Olma, sagt aber, seine Tätigkeit als Sektorchef der Hallen 4 und 5 sei ein Job wie jeder andere auch. «Er ist herausfordernd, interessant, abwechslungsreich und macht Spass.» Streng sei insbesondere die Nachtarbeit: Diese erfordere eine gute physische Konstitution.

Eine solche ist auch für Lukas Frehner unabdingbar. Das Highlight des 25jährigen Vize-Stallmeisters aus Eggersriet ist es nämlich, den imposanten Muni in die Arena zu lassen. Und Max, so der Name des Tiers, bringt stolze 1153 Kilogramm auf die Waage. Ansonsten verteilt Frehner die Arbeiten unter den Tierwärtern und packt auch immer selbst mit an. «Ich bin nicht gern der Böse – als Sklaventreiber verstehe ich mich nicht.» Auch er ist nicht des Geldes wegen hier. «Ich kenne im Stall fast alle und es sind Freundschaften hier entstanden.» Für den Job, der ihn von morgens um fünf bis spät abends beschäftigt, opfert er sogar seine Ferien.

«Niemand hält gerne den Kotzsack hin»

Angela Brunner saugt und putzt die leeren Messe-Hallen. Die 23-Jährige aus Goldach macht dies als Studentenjob, wie sie sagt. «Das dauert jeweils drei bis vier Stunden, je nach dem, wie es tagsüber gelaufen ist.» Das gefällt der jungen Frau. «Ich bin flexibel und arbeite mit Leuten aus der ganzen Welt.»

Weniger begeistert spricht Karin Ammann von ihrem Einsatz. Sie ist für den Sanitätszug der Feuerwehr in der Notfallstation tätig und betreut hier vor allem alkoholisierte Personen. «Niemand hält gerne den Kotzsack hin, aber jemand muss es machen.» Allerdings hält ihre Tätigkeit auch Lichtblicke bereit: «Unser erster Patient, den wir hier betreuten, war so dankbar, dass er uns einen köstlichen Kuchen vorbeigebracht hat.» Am Samstag hingegen sei sie kurz an den Anschlag gekommen, als drei Betrunkene gleichzeitig bei ihr und ihren Mitarbeitern landeten.

Macht das, was getan werden muss: Karin Ammann vom Sanitätszug. (Bild: Benjamin Manser)

Macht das, was getan werden muss: Karin Ammann vom Sanitätszug. (Bild: Benjamin Manser)

Hat einen Job, wie jeder andere: Securitas Danilo Callegari. (Bild: Benjamin Manser)

Hat einen Job, wie jeder andere: Securitas Danilo Callegari. (Bild: Benjamin Manser)

Sozialpädagogin in der Chüeli-Bar: Barbara Willi krampft im Service. (Bild: Benjamin Manser)

Sozialpädagogin in der Chüeli-Bar: Barbara Willi krampft im Service. (Bild: Benjamin Manser)

Olma-Job anstatt Ferien: Lukas Frehner ist der Vize-Stallmeister. (Bild: Benjamin Manser)

Olma-Job anstatt Ferien: Lukas Frehner ist der Vize-Stallmeister. (Bild: Benjamin Manser)

Hallen-Putzen fürs Studium: Angela Brunner reinigt Oberflächen. (Bild: Benjamin Manser)

Hallen-Putzen fürs Studium: Angela Brunner reinigt Oberflächen. (Bild: Benjamin Manser)

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