Die Hauptfrage ist geklärt

Die Meldung verbreitete sich rasend schnell: Ded Gecaj ist tot. Am vergangenen Freitagmorgen war der St. Galler Lehrermörder leblos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die Behörden informierten wenige Stunden später – knapp und zurückhaltend.

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Die Meldung verbreitete sich rasend schnell: Ded Gecaj ist tot. Am vergangenen Freitagmorgen war der St. Galler Lehrermörder leblos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die Behörden informierten wenige Stunden später – knapp und zurückhaltend. Dass es sich um einen Suizid handelte, wollten sie (zunächst) nicht bestätigen – was Spekulationen Tür und Tor öffnete.

Andreas Kopp, Vizestatthalter von Bischofszell und damit beauftragt, Ded Gecajs Tod zu klären, war sich dessen und des grossen Interesses der Öffentlichkeit bewusst. Die drängendste Frage – jene nach der Todesursache – hat Kopp zügig geklärt und gestern offiziell darüber informiert: Ded Gecaj hat sich selber umgebracht. Damit ist von unabhängiger Stelle bestätigt, was seit Bekanntwerden seines Todes als am wahrscheinlichsten erschien.

Nun bleibt Zeit, weitere Fragen zu klären. Etwa jene nach den Haftbedingungen, über die sich Ded Gecaj mehrfach beklagt hatte. Waren sie korrekt? Gibt es Anlass zu Beanstandungen? Wurde die Suizidgefährdung des prominenten Gefangenen falsch eingeschätzt?

Die Familie von Ded Gecaj erhebt schwere Anschuldigungen gegenüber der Schweiz. Für sie – und mit ihr für einen Grossteil der Öffentlichkeit in Kosovo – ist klar: Die Schuld an Gecajs Tod trifft allein die Schweizer Behörden.

Auch wenn die Selbsttötung von Ded Gecaj nun zweifelsfrei feststeht, und auch wenn die weiteren Abklärungen ergeben sollten, dass den St. Galler Behörden bezüglich Haftbedingungen keine Fehler nachzuweisen sind – an den Vorwürfen der Familie wird sich kaum etwas ändern. St. Galler Polizei und Justiz werden damit leben müssen. Und auch leben können. Regula Weik

r.weik@tagblatt.ch

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