Die Hälfte der Täter sind Ausländer

Die Kriminalität stieg im Thurgau vergangenes Jahr um 11 Prozent. Das Niveau bleibt aber nach Ansicht des neuen Chefs der Kriminalpolizei, Markus Gisin, im normalen Rahmen. Die Schweiz sei weiterhin ein sicheres Land.

Martin Knoepfel
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FRAUENFELD. Im «Tatort» geht es um Mord. Auch am Bodensee. In der Polizeipraxis geht es vor allem um Einbrüche, Diebstähle und ähnliches. Drei Viertel der Kriminalität machen die Vermögensdelikte aus. Tötungsdelikte gab es vergangenes Jahr im Thurgau keine. Gestern informierte die Thurgauer Kantonspolizei in Frauenfeld über die Entwicklung der Kriminalität 2012.

Die Straftaten seien um 11 Prozent auf 11 462 gestiegen und hätten wieder das Niveau von 2008 und 2009 erreicht. Das sagte Hans Baltensperger, der Kommandant der Kantonspolizei. 2010 und 2011 war die Kriminalität gegenüber den Vorjahren noch zurückgegangen.

Gewaltdelikte oft im Ausgang

Gewaltdelikte nahmen vergangenes Jahr um einen Sechstel auf 853 zu. Schwere Fälle gab es 34 (2011: 27). Häufigste Gewaltdelikte sind Einfache Körperverletzungen und Tätlichkeiten. Eine Untersuchung bestätigte gemäss Baltensperger Meldungen der Leute an der Front. Delikte finden oft zwischen 17 und 19 Uhr und von 22 bis 1 Uhr nachts sowie an Wochenenden statt.

Die Vermögensdelikte nahmen um 6 Prozent auf 8470 zu. Die Einbruchdiebstähle stiegen hingegen um 22 Prozent. Im zweiten Halbjahr verhaftete die Polizei eine Gruppe, die zusammen mehrere Dutzend Delikte begangen hatte. Fahrzeugdiebstähle waren 2012 rückläufig. Dasselbe gilt für die Dämmerungseinbrüche. Die Polizei führt das auf die stärkere Präsenz in Wohnquartieren zurück. Zugenommen haben auch die Sexualdelikte, wobei das massgeblich einem mittlerweile gefassten Exhibitionisten zuzuschreiben ist.

Fast verdoppelt haben sich Betrügereien – von 135 auf 247 Fälle. Neben Enkeltrickfällen gab es mehr Internetbetrügereien. Beim Internetbetrug bieten die Täter oft Waren an, die sie nach der Zahlung nicht liefern. Baltensperger rät zur Vorsicht, wenn Vorauszahlungen gefordert werden, zum Beispiel für die Besichtigung einer attraktiven Wohnung. Für Gisin ist die Prävention bei Betrügereien der Schlüssel zum Erfolg.

Weniger Rauschgiftdelikte

Die Rauschgiftdelikte gingen 2012 zurück, von 1882 um etwa einen Sechstel. Bei der Hälfte der Fälle geht es um den Konsum. Bei einzelnen Fällen von Handel, Anbau oder Schmuggel seien monatelange Ermittlungen nötig, bevor man die Täter verhaften könne, sagte Gisin. Auch beim Enkeltrickbetrug sei es sehr aufwendig, die Drahtzieher zu ermitteln. Gisin betonte, dass Ausländer die Hälfte der Straftaten begehen. 26 Prozent der Täter sind in der Schweiz lebende Ausländer, 14 Prozent Asylsuchende. Der Rest hat keinen Wohnsitz hierzulande. Unter den kriminellen Asylsuchenden stehen Tunesier an der Spitze. Beim Aufbruch von und beim Diebstahl aus Fahrzeugen waren oft Asylbewerber am Werk. Viele leben in Amriswil, Romanshorn oder Weinfelden.

90 Prozent der Gewaltdelikte und 20 Prozent der Vermögensdelikte wurden aufgeklärt. Besonders tief war hingegen die Aufklärungsrate bei Fahrzeugdiebstählen. Die Kriminalität war auch 2012 männlich. Die grösste Gruppe der Täter sind die 20- bis 30-Jährigen.

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