«Ich weiss nicht, ob uns noch eine Anzeige ins Haus flattert»: Die Guerilla-Band vom Sittertobel im Interview

Die Punkband Stepfather Fred aus dem Allgäu hat am Freitagabend am St.Galler Open Air ein Guerilla-Konzert gespielt. Bassist Matthias Gassner verrät, wie es die Band auf das Gelände geschafft hat und sagt, dass die Verantwortlichen des Open Airs ziemlich entspannt reagiert hätten. 

Christof Krapf
Drucken
Teilen

Wie kam Ihre Band auf die Idee, am Open Air St.Gallen ein Guerilla-Konzert zu spielen?

Unser Tontechniker hat die Idee schon vor drei Jahren in den Raum geworfen, dass wir ein solches Konzert spielen könnten. Wir haben im vergangenen Sommer dann diverse Festivals angeschrieben, ob ein solcher Überraschungsgig möglich wäre. Auf dem offiziellen Weg hatten wir aber kein Glück und nur Absagen kassiert. 

Wie kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet ins Sittertobel zu fahren?

Ursprünglich wollten wir nur am «Punk in Drublic Festival» in Dornbirn spielen. Dort sind wir am Freitagnachmittag auf einer öffentlichen Strasse vor dem Eingang des Festivals unangekündigt aufgetreten. Ich habe dann im Internet gesehen, dass dieses Wochenende auch das St.Galler Open Air stattfindet. Wir haben uns dann gesagt: «Fahren wir mal hin und versuchen unser Glück». Wir hätten nie gedacht, dass es mit unserem Konzert klappt. Das war wie ein Sechser im Lotto. 

Wie haben Sie es auf das Open-Air-Gelände geschafft?

Wir haben den Helfern an der Zufahrt gesagt, dass wir eine Band seien und einen Auftritt hätten. Weil wir ja eine Band sind, haben wir niemanden belogen (lacht). Auf dem Weg ins Sittertobel haben wir unsere Bühne aufgebaut und sind einfach ins Gelände gefahren. Ich hoffe, dass nun im Sicherheitsdienst des Open Airs keine Köpfe rollen werden. 

Wird das Guerilla-Konzert für Stepfather Fred Konsequenzen haben?

Stepfather Fred mit Bassist Matthias Gassner (rechts). (Bild: PD)

Stepfather Fred mit Bassist Matthias Gassner (rechts). (Bild: PD)

Die Veranstalter, allen voran Festivalchef Christof Huber, haben ziemlich entspannt reagiert. Der Sicherheitschef war zwar sauer, weil wir in der Rettungsgasse gestanden sind. Das verstehen wir. Zum Glück ist nichts passiert. Nach dem Konzert haben uns die Sicherheitsleute freundlich aus dem Gelände geleitet und uns auch beim Rückwärtsfahren mit unserem Bandbus unterstützt. Ich weiss nicht, ob uns noch eine Anzeige ins Haus flattert. Ich hoffe nicht. Die Leute haben gefeiert, wir hatten unseren Spass. Aus meiner Sicht war das Konzert einen Win-Win-Situation für uns und das Festival. 

Was sagen Sie dazu, dass das Konzert nur ein gut inszenierter Marketing-Gag war?

Natürlich versucht man als Band immer, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nur gute Songs und coole Videos zu machen, reicht heute nicht mehr. Wir würden gerne im nächsten Jahr offiziell am Open Air St.Gallen spielen. Mal schauen, vielleicht klappt das. Fest steht, dass weder das Open Air noch unser Plattenlabel etwas von diesem Konzert gewusst haben. 

Wie haben Sie den Tag erlebt?

Wir sind immer noch baff, dass es mit dem Konzert geklappt hat. Wir haben uns um 7 Uhr morgens bei mir getroffen. Wir haben einen geliehenen Anhänger mit Material aus dem Baumarkt umgebaut. Ich arbeite bei einem Stromzulieferer, dort haben wir ein Aggregat ausgeliehen, damit wir Strom haben. Der ganze Umbau hat uns 200 Euro gekostet - es war also ein günstiger Auftritt. Gage werden wir aber kaum kassieren (lacht). Nach dem Konzert sind wir nach Lindau zu einem Freund gefahren und haben dann die Medienberichte über unser Konzert gesehen. Dass es geklappt hat, haben wir am Abend mit zwei oder drei Bier gefeiert. 

Wird es von Stepfather Fred nochmals ein solches Konzert geben?

Das Wochenende ist noch nicht vorbei. Wir schauen jetzt, ob und wo wir noch spielen. Mehr kann ich nicht verraten. 

Sie reist 14'000 Kilometer ans Open Air St.Gallen

Barbara Looser ist in Abtwil aufgewachsen und lebt mittlerweile in Australien. Die Auswanderin erzählt über Heimweh, Fernbeziehungen und den wohl längsten Anreiseweg ans Open Air St.Gallen.
Noemi Heule