St.Galler Regierungswahlen: Die Grünen lassen sich Zeit

FDP, SP und SVP setzen im zweiten St.Galler Regierungswahlgang auf die Bewährten. Die spannendeste Frage ist noch unbeantwortet.

Regula Weik
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Am Sonntagnachmittag im Pfalzkeller: Michael Götte, Beat Tinner, Rahel Würmli und Laura Bucher (von links) haben den Sprung in die Regierung nicht geschafft, doch das Lachen haben sie deswegen nicht verloren.

Am Sonntagnachmittag im Pfalzkeller: Michael Götte, Beat Tinner, Rahel Würmli und Laura Bucher (von links) haben den Sprung in die Regierung nicht geschafft, doch das Lachen haben sie deswegen nicht verloren.

Ralph Ribi

«Wir entscheiden frühestens am Mittwoch.» Mit diesem einen Satz macht Thomas Schwager, Präsident der St.Galler Grünen, die Hoffnung auf etwas Spannung am Tag zwei nach den Regierungswahlen zunichte. Denn in diesen Tagen interessiert vor allem eine Frage: Treten die Grünen im zweiten Wahlgang nochmals an? Oder unterstützen sie die Kandidatur der SP? Das weiss auch der Präsident der Grünen. Sie führten Gespräche mit der SP, sagt er. Mehr gebe es derzeit nicht zu sagen.

Rahel Würmli - für die Grünen weiter im Rennen?

Rahel Würmli - für die Grünen weiter im Rennen?

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Noch haben die Grünen nicht entschieden. Doch die Zeichen und Zeiten sprechen für eine weitere Frau in der Regierung. Oder wie SP-Präsident Max Lemmenmeier am Wahlsonntag festhielt: «Sechs Männer und eine Frau ist nicht mehr zeitgemäss.»

SP: Es braucht eine zweite Frau

Laura Bucher - für die SP weiter im Rennen.

Laura Bucher - für die SP weiter im Rennen.

Michel Canonica

Seit Dienstagabend ist klar: Die SP kämpft erneut mit Laura Bucher um ihren zweiten Regierungssitz und um einen zweiten Frauensitz in der Exekutive. Die Co-Fraktionspräsidentin wurde von den Delegierten einstimmig nominiert. Sie habe einen engagierten Wahlkampf geführt – auf der Strasse, in den sozialen Medien und am Telefon. Sie habe «weit über das links-grüne Lager hinaus» Stimmen gewinnen und in allen Wahlkreisen mobilisieren können.

«Es gelingt Laura Bucher immer wieder – auch in schwierigen Themen – Mehrheiten über die Parteigrenzen hinaus zu finden. Dabei verliert sie die sozialdemokratischen Grundwerte nie aus dem Blick», lobte Bettina Surber ihre Co-Fraktionschefin. Und Ständerat Paul Rechsteiner hielt fest:

«Es braucht Laura Bucher als soziale Stimme in der Regierung. Aber auch für die gesellschaftliche Vielfalt.»

FDP: Der Süden gehört in die Regierung

Beat Tinner - für die FDP weiter im Rennen.

Beat Tinner - für die FDP weiter im Rennen.

Hanspeter Schiess

Laura Bucher war am Sonntag gefährlich nahe an FDP-Kandidat Beat Tinner herangerückt. Die beiden trennten schliesslich keine 500 Stimmen. Der Wartauer Gemeindepräsident musste auch seinen Tübacher Amtskollegen Michael Götte an sich vorbeiziehen lassen. Dass die SVP aus der Poleposition in den zweiten Wahlgang startet, dürfte FDP-intern zu reden gegeben habe. So hält die Partei fest: 

«Wäre nicht das absolute Mehr nötig gewesen, wäre Beat Tinner bereits Mitglied der Regierung.»

Diese Formulierung der FDP in ihrer Mitteilung zur erneuten Nomination Tinners klingt schon fast nach parteiinterner Aufmunterung.

Die FDP hebt denn auch das gute Abschneiden ihres Kandidaten aus dem Werdenberg im Rheintal und im südlichen Kantonsteil hervor und betont:

«Der Süden gehört in die Regierung.»

Dies umso mehr, als nach der Wahl von Susanne Hartmann der Grossraum St.Gallen-Gossau-Wil bereits mehr als gut in der Regierung abgedeckt sei.

Tinner sei in den letzten Monaten «als einziger mit klaren Botschaften vor die Bevölkerung getreten», so die FDP weiter. Er werde auch in den nächsten Wochen einen «Wahlkampf nahe bei den Menschen führen».

SVP: Das Volk will einen zweiten Vertreter

Michael Götte - für die SVP weiter im Rennen.

Michael Götte - für die SVP weiter im Rennen.

Benjamin Manser

Auch die SVP bleibt bei ihrem Kandidaten. Michael Götte habe nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in urbanen Gebieten gepunktet, so die Partei. Götte hatte am Sonntag das beste Resultat der Nichtgewählten erzielt. Die Ausgangslage für die SVP, den seit Jahren angestrebten zweiten Regierungssitz zu ergattern, ist so gut wie noch nie.

Die Partei hält denn auch fest:

«Die St.Galler Bevölkerung will, dass
die SVP mehr Verantwortung in
der kantonalen Exekutive übernimmt.»

Das Ergebnis von Götte bestärkt sie in ihrer Überzeugung: «Unser System funktioniert nur, wenn alle grösseren Parteien ihrer Bedeutung entsprechend in der Regierung vertreten sind.» Der Kanton St.Gallen sei davon «weit entfernt». Die SVP als nach wie vor wählerstärkste Partei sei noch immer nur mit einer Person in der Regierung vertreten. Das habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass kritische Stimmen aus den Reihen der SVP «vom Kartell der historisch etablierten Parteien» gebodigt wurden. Die Partei analysiert und bilanziert denn auch:

«Was nicht dem Machterhalt von
SP, FDP und CVP dient, findet
im Kanton St.Gallen nicht statt.» 

Am Sonntag konnten erst fünf der sieben Regierungssitze besetzt werden. Neben den Bisherigen Bruno Damann (CVP), Marc Mächler (FDP), Fredy Fässler (SP) und Stefan Kölliker (SVP) schaffte als einzige Neukandidierende die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann (CVP) den Sprung in die Exekutive. Die beiden letzten Sitze werden am 19. April vergeben. Dabei haben FDP und SP je einen freiwerdenden Sitz zu verteidigen.