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Der Lernende Ilario Laraia montiert einen Siphon. (Bild: Michel Canonica)

Der Lernende Ilario Laraia montiert einen Siphon. (Bild: Michel Canonica)

Die grosse Verstopfung: Nicht nur in der Ostschweiz sind Sanitäre dringend gesucht

Viele Aufträge, aber wenig Personal – in der Ostschweiz fehlen die Sanitärinstallateure. Auch eine Goldacher Firma spürt den Fachkräftemangel.
Dinah Hauser

Ilario Laraia kauert unter einem Lavabo. Sein Lehrmeister Roberto Pires zeigt dem 16-Jährigen, wie man einen Siphon montiert. Aufmerksam beobachtet der frischgebackene Sanitärlehrling jeden noch so kleinen Handgriff und führt diese wenige Minuten später selbst aus. Laraia ist einer der wenigen, die sich für eine Lehre in der Branche der Gebäudetechnik entschieden haben. Denn gemäss dem Branchenverband Suissetec kommen jährlich rund 50 Prozent zu wenig neue Fachkräfte auf den Markt

Anspruchsvollere Kunden, neue Technologien und das steigende Bildungsniveau machen die Arbeit und Ausbildung der Sanitär- und Heizungsinstallateure indes auch nicht einfacher.

Daniel Metzler, Inhaber Metzler Haustechnik AG, Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Daniel Metzler, Inhaber Metzler Haustechnik AG, Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Derweil trifft Chef Daniel Metzler auf der Baustelle ein. Seine beiden Mitarbeiter findet er im ersten Stock des Neubaus – zwischen Küchenbauern und anderen Handwerkern. Der 51-Jährige führt die Metzler Haustechnik AG in Goldach. Die 18 Mitarbeiter kümmern sich um sanitäre Anlagen, Heizungen und Lüftungen in der Region am Bodensee. Auch Metzler spürt den Fachkräftemangel. Daher nimmt er jedes Jahr persönlich an einem Berufswahlabend der Oberstufe Goldach teil und stellt seine Firma und die Berufe vor.

«Meist habe ich danach schon zwei, drei Anfragen für eine Schnupperlehre.»

Danach gehe es darum, die besten Kandidaten auszuwählen. «Fast jedes Jahr kommt ein neuer Sanitärlehrling in den Betrieb, ab und zu auch ein Heiziger», sagt Metzler. Die Lehrverträge werden noch vor Jahresende für den nächsten Sommer abgeschlossen.

Bevor Laraia seinen Lehrvertrag unterschrieb, hatte er gleich mehrere Schnupperlehren bei Metzler absolviert. «Es ist sehr hilfreich, wenn man seine Mitarbeiter und den Betrieb vor Lehrbeginn kennt.» Auch für Chef Daniel Metzler ist dies wichtig: «Man bekommt ein Gefühl, ob der Jugendliche ins Team und in den Beruf passt.» Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Lehrvertrag vorzeitig aufgelöst wurde. Manchmal zeichne sich dies über längere Zeit ab. Metzler kann sich aber auch an einen Fall erinnern, bei dem der Jugendliche gut mitgearbeitet hatte und auch bei den Mitarbeitern beliebt war. «Plötzlich stand er dann in meinem Büro und sagte, er wolle etwas anderes machen.»

Augen auf bei der Berufswahl

Roberto Pires, Lehrmeister bei der Metzler Haustechnik AG, Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Roberto Pires, Lehrmeister bei der Metzler Haustechnik AG, Goldach. (Bild: Michel Canonica)

Lehrmeister Pires rät, sich gut mit einem Beruf auseinanderzusetzen, bevor man den Lehrvertrag unterschreibt. «Man muss sich im Klaren sein, worauf man sich einlässt.» Er habe schon Lernende erlebt, die im Sommer ihre Schnupperlehre absolvierten und dann im Winter von der Kälte überrascht wurden. Solange der Sanitär die Heizung nicht anschliesst, sei es eben kalt.

Lehrling Laraia hat unterdessen ins Badezimmer gewechselt und schliesst einen Schlauch mit Duschbrause an den Hahn der Badewanne an. Die Handgriffe sitzen. Auch ein Wärmeband montiert er unter Anleitung an ein Rohr, welches von der Wärmepumpe im Keller wegführt. «Das Band sorgt dafür, dass das Wasser nicht vorzeitig auskühlt», erklärt Lehrmeister Pires. Auch Metzler greift zum Schraubenzieher und befestigt flink den Regler der Wärmepumpe. Schmutzige Arbeiten, wie das Reinigen von verstopften WCs, gehören dagegen nicht zu den alltäglichen Arbeiten eines Sanitärinstallateurs, wie Metzler sagt. Es könne aber mal vorkommen. Oft würden dann Kanalreinigungsfirmen aufgeboten.

Ilario Laraia schliesst einen Schlauch mit Duschbrause an. (Bild: Michel Canonica)

Ilario Laraia schliesst einen Schlauch mit Duschbrause an. (Bild: Michel Canonica)

Lehrmeister und Chef sind stolz auf den neuen Lehrling. Laraia arbeitet erst seit August im Betrieb. «Meinen ersten Tag habe ich schon auf einer Baustelle verbracht», sagt der aufgeschlossene 16-Jährige. Seither arbeitet er seinem Meister gekonnt zu. Betritt er ein Zimmer ohne Licht, sorgt er mittels Kabelrolle und Lampe für den nötigen Durchblick – ohne dass ihm jemand den Auftrag gibt. Auch kleinere Montagearbeiten übernimmt er selbstständig. «Kürzlich habe ich gelernt, wie man richtig verhanft», sagt Laraia. Dabei wickelt er Hanffasern um ein Gewinde und schmiert es anschliessend mit Fett ein. So wird für eine gute Dichtung der Rohrverbindungen gesorgt. «Bereits vor hundert Jahren hat man das so gemacht. Bisher wurde noch keine alternative Technik entdeckt», kommentiert der Chef.

Chef mit 30 Jahren

Einmal wöchentlich besucht Laraia die Berufsschule. Dort lernt er Pläne zu lesen, aber auch die nötige Mathematik und andere Kompetenzen. «Wer in der Oberstufe einigermassen aufgepasst hat, kommt mit dem Stoff mit.» Der Jugendliche ist mit seiner Berufswahl zufrieden. «Mir gefällt besonders die Vielseitigkeit.» Pires und Metzler stimmen dem zu. «Eigentlich ist man nie lange am selben Ort.» Das Maximum sei ein Jahr gewesen. «Aber dann ist es eine Grossbaustelle mit 50 Wohnungen.»

Metzler lobt das gute Bildungssystem. Wer sich weiterbilde, der könne noch vor dem 30. Lebensjahr die Meisterprüfung machen. «Und danach ist karrieremässig eigentlich alles möglich.» Einer seiner Angestellten werde regelrecht überflutet mit Jobangeboten, auch aus verwandten Branchen. Metzler selbst hatte die Firma seines Vaters als 30-Jähriger übernommen.

Mit Rohrzange und Co. sind die Sanitäre ausgerüstet. (Bild: Michel Canonica)

Mit Rohrzange und Co. sind die Sanitäre ausgerüstet. (Bild: Michel Canonica)

Bei einem Lehrling sind Metzler vor allem zwei Dinge wichtig: «Er muss Motivation und Freude am Beruf haben. Und er muss arbeiten wollen.» Ab und an einen Schreibfehler oder einen krummen Satz mag es auch noch leiden. Dennoch sei ein gewisses Niveau an Grundbildung nötig. «Jemand, der keine Fläche berechnen oder nicht Masse zusammenzählen kann, der ist hier sicher falsch.» Ein gutes Verständnis von Mathematik und Geometrie sind also nötig. Eher selten seien Bewerbungen von Sekundarschülern, obwohl die Ausbildung zum Sanitärinstallateur handwerklich, aber auch schulisch durchaus anspruchsvoll sei.

Die Lehrlinge kommen in einem schwierigen Alter zu den Lehrbetrieben. Die Pubertät kann dem einen oder anderen einen Streich spielen. «Bei den einen geht es gut, andere brauchen halt eine gewisse Zeit.» Metzler zeigt sich verständnisvoll. «Einer meiner besten Monteure war ziemlich anstrengend während seiner Pubertät.» Was Metzler jedoch gar nicht toleriert, ist Unpünktlichkeit oder freches Verhalten.

Neue Technologien fordern die Angestellten

Auch ältere Mitarbeiter können etwas von den Jungen lernen. Heute ist es möglich, mit dem Handy die Lüftung oder Heizung zu regulieren. Statt mit Drehknöpfen und Schaltern werden Anlagen immer häufiger mit Touch Screens bedient. «Da sage ich dem Lehrling auch mal: Komm, stell du das schnell ein.» Andere Dinge verändern sich kaum. «Wasser fliesst immer noch abwärts und braucht Druck, damit es aus dem Hahn kommt.»

Teamwork zählt auf der Baustelle: Der Lernende Ilario Laraia und sein Lehrmeister Roberto Pires. (Bild: Michel Canonica)

Teamwork zählt auf der Baustelle: Der Lernende Ilario Laraia und sein Lehrmeister Roberto Pires. (Bild: Michel Canonica)

Die Auftragslage ist gut. Vielleicht fast schon zu gut. Denn Metzlers Monteure sind immer fast zu 100 Prozent ausgelastet. Falls er einmal zu wenig Hände im Betrieb hat, greift er auch auf Temporärarbeiter zurück. «Wir hatten schon gute, aber auch schlechte Temporäre», sagt Metzler. «Die wirklich guten Leute sind aber fix in einem Betrieb angestellt.» Metzler glaubt aber, dass sich der Fachkräftemangel in Zukunft wieder etwas relativiert, sobald der Bauboom nachlasse. «Die Fachkräfte werden aber trotzdem nicht mehr.»

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